
Die Milchproduktion in der Schweiz soll klimafreundlicher und ressourcenschonender werden. Dazu haben im Jahr 2022 die Milchverarbeiter und -produzenten Emmi, Nestlé, ZMP und Aaremilch mit der Klima-Plattform Agrocleantech die Initiative «Klimastar-Milch» ins Leben gerufen.
Raphael Bühlmann
«Die Ergebnisse des vierten Projektjahrs bestätigen den eingeschlagenen Weg.» Das schreibt die Milchverarbeiterin Emmi in einer Medienmitteilung. Ende 2025 nahmen 219 Milchbetriebe mit einer jährlichen Produktion von rund 73 Millionen Kilogramm Milch teil.
Ausgeprägte Fortschritte im Talgebiet
Zusammen mit dem Nahrungsmittelkonzern Nestlé, den Milchhandelsorganisationen Aaremilch und Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), der Energieberatungsagentur Agrocleantech sowie mit der Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) hat Emmi 2022 das Ressourcenprojekt «Klimastar Milch» lanciert. Das Ziel: den Klima-Fussabdruck der Milchwirtschaft senken, ressourceneffizienter werden und dabei die Treibhausgasemissionen sowie die Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz um 20 Prozent senken. Terminiert ist das Projekt auf acht Jahre: sechs für die Umsetzung in der Praxis und zwei für die wissenschaftliche Auswertung der Daten.
Begriffe erklärt
Von Nahrungsmittelkonkurrenz spricht man, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären. Flächenkonkurrenz entsteht, wenn Futtermittel von Ackerflächen stammen, auf denen auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten.
Erreicht wurden diese Ziele bis jetzt zum Teil. So setzten die Betriebe vermehrt auf Futtermittel, die die menschliche Ernährung nicht konkurrieren, heisst es im Communiqué. Dadurch wurde seit Projektbeginn die Nahrungsmittelkonkurrenz um rund 23 Prozent gesenkt. Auch die Flächenkonkurrenz sei weiter zurückgegangen und liege mittlerweile 15 Prozent unter dem Ausgangswert. «Die Betriebe produzieren heute mehr Milch und tierisches Protein auf derselben oder einer nur geringfügig grösseren Fläche.» Besonders ausgeprägt seien die Fortschritte auf den Höfen in der Talzone.
Ausgangswerte bei Treibhausgasemissionen tiefer
Nicht erreicht wurden die Ziele dagegen bei den Treibhausgasemissionen. Diese sind laut Emmi pro Kilogramm Milch seit Projektstart relativ um rund acht Prozent reduziert worden. Das entspricht nicht einmal der Hälfte des gesteckten Ziels von minus 20 Prozent. Zusätzliche Reduktionen seien für die Betriebe anspruchsvoll, da diese mit hohen Investitionen und langen Planungshorizonten verbunden seien, heisst es in der Mitteilung. «Zudem lagen die Ausgangswerte der Treibhausgasemissionen in der Schweiz tiefer als ursprünglich angenommen und sind auch niedriger als im internationalen Vergleich, wodurch zusätzliche Fortschritte schwieriger zu erzielen sind», schreibt die Milchverarbeiterin als Begründung.
Trotzdem: «Durch die Anpassungen ihrer Milchproduktionssysteme konnten die Betriebe 2025 die Emissionen pro Kilogramm Milch um 66 Gramm CO2-Äquivalente reduzieren.» Hochgerechnet auf die 73 Millionen Kilogramm produzierte Milch entspreche dies einer Einsparung von knapp 5’000 Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber dem ursprünglichen Produktionssystem.
Klimarechner
In den verbleibenden zwei Projektjahren sollen die Betriebe durch gezielte Beratung und individuelle Begleitung dabei unterstützt werden, weiteres Reduktionspotenzial zu nutzen. «Dazu teilen diejenigen Betriebe, denen es bereits gelungen ist, ihre Treibhausgasemissionen deutlich zu senken und gleichzeitig die Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz zu reduzieren, ihre Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern», heisst es in der Mitteilung.
Auf Basis der Projekterkenntnisse hat die Branchenorganisation Milch (BOM) einen Klimarechner entwickelt, der seit Juli 2026 allen Milchproduzenten der Schweiz zur Verfügung steht. Damit können Betriebe ihre Treibhausgasemissionen und die Nahrungsmittelkonkurrenz ihrer Milchproduktion berechnen und Optimierungsmassnahmen bestimmen.
-> Hier gehts zur Website der Klimastar-Milch
-> «Klimastar-Milch»: Erreichte und verfehlte Ziele
-> Milch: Klimarechner lanciert
-> «Klimastar-Milch» zeigt erste Erfolge
-> Sie wollen nachhaltig und effizient produzieren
-> Nun kommt die «Klimastar-Milch»
Massnahmen für Klimastar-Milch
Fütterung
Kraftfutter, Futterration optimieren
Komponenten Kraftfutter anpassen
Wiesenfutterqualität verbessern
Futterzusätze einsetzen
Milchharnstoff senken und optimieren
Herdenmanagement
Milch- Fleischverhältnis optimieren
Sperma-Sexing einsetzen
Tiergesundheit steigern
Fruchtbarkeit verbessern
Zuchtwert verbessern (IFF, IPL -Werte)
Tierwohl steigern
Vorzeitige Kuhabgänge mindern
Hofdünger
CH4-Reduktion in Biogasanlage
Gülleansäuerung
Energie
Ökostrom beziehen
Eigenverbrauch PV-Anlage
Zusätzliche Massnahmen für Vertiefungsbetriebe
Ausscheidung Ackerflächen, Wiesenfutter zukaufen
Zwischenfrüchte futterbaulich nutzen
Flächentausch mit Ackerbetriebe
Zukauf Wiesenfutter aus ackerbaulich nicht geeigneten Flächen
Auslagerung Remontierung auf ackerbaulich nicht geeignete Flächen