
Um den Markt zu entlasten, werden weitere 1300 Tonnen Butter exportiert.
lid
Schweizer Kühe geben dank guten Futters deutlich mehr Milch als üblich. 2025 wurden 3,43 Milliarden Kilogramm Milch eingeliefert – 2,8 Prozent oder 94 Millionen Kilogramm mehr als 2024. Diese Menge muss gemäss BOM dem Reguliermarkt zugeführt werden. Diese Mengen werden zu Weltmarktpreisen exportiert.
Tiefe Preise für Übermengen
Vor allem seit dem Herbst liegen die Mengen deutlich über dem Vorjahr. Das hat Folgen: Die Verarbeiter laufen am Anschlag, und die Preise für die Produzenten sind deutlich gesunken. Erstmals seit 2018 wird wieder C-Milch gehandelt. Hier gilt normalerweise der Weltmarktpreis. Im August lag der C-Milch-Richtpreis bei rund 37,4 Rappen pro Kilo, im November bei 29 Rappen und im Dezember noch bei 27,3 Rappen. Im Januar 2026 sank der Preis auf 23,6 Rappen. Im Februar stieg er leicht auf 24,9 Rappen.
Weil die Mengen vor allem im Dezember und Januar deutlich über dem Vorjahr lagen, schlug die Branchenorganisation Milch Mitte Januar Alarm. «Es droht ein Szenario, in dem nicht mehr alle Milch verarbeitet werden kann», hiess es in der Mitteilung. Der Vorstand hat sich deshalb für weitere Marktsignale ausgesprochen. Diese empfahl den Verarbeitern einschneidende Massnahmen.
-> BOM warnt vor noch tieferen Milchpreisen
Überlieferungen haben seit Anfang Februar massive finanzielle Einbussen für die Produzenten zur Folge. Ab Stufe Erstmilchkauf wird bei einer Überlieferung ab 105 Prozent der monatlichen Vorjahresmilchmenge der Preis für diese Mehrmengen deutlich unter dem aktuellen ungestützten C-Richtpreis angesetzt. Die Preise für diese Milchmengen liegen damit unter 20 Rappen. «Die Milchproduktion muss auf Stufe Milchproduzent unmittelbar und deutlich reduziert werden, um so rasch wie möglich auf die monatliche Vorjahresmilchmenge zurückzukehren», begründete die BOM ihre Empfehlung.
Milchproduktion sinkt
Die Empfehlung zeigt offenbar Wirkung. «Die extrem hohe Milchproduktion der vergangenen Wochen beginnt in diesen Tagen etwas zurückzugehen und nähert sich derzeit einem Plus von 5 Prozent», schreibt die Branchenorganisation am Dienstag in einer Mitteilung. Die BOM rechnet aber auch in den kommenden Monaten mit Einlieferungen, die über dem Vorjahreswert zu liegen kommen.
Weil aber die Butterlager trotz bereits erfolgter Exporte immer noch zwischen 2000 und 3000 Tonnen über dem Normalwert liegen, hat die Branchenorganisation weitere Entlastungsmassnahmen beschlossen. So werden weitere Stützungsgelder aus dem Fonds Regulierung für die Ausfuhr von zusätzlichen 1325 Tonnen Butter aus C-Milch freigegeben. Insgesamt wird die BOM hier rund 4,5 Millionen Franken aufwenden. Die Exporte müssen bis am 30. September 2026 erfolgen.
2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter
In der laufenden Kampagne wurden insgesamt 2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter mit Geldern aus dem Fonds gestützt. Dafür wurden 24 Millionen Franken aus dem Fonds Regulierung aufgewendet. «Diese Gelder kommen den Milchproduzenten zugute, die ihre Überschussmilch als C-Milch verkaufen», hält die BOM fest.
Anfang September hat die BOM erstmals Gelder für die Marktentlastung gesprochen. Über den bestehenden Fonds Regulierung wurde der Export von 2000 Tonnen Rahm und 2000 Tonnen Butter unterstützt. Diese Massnahme kostete rund 11 Millionen Franken. Weiter wurde Anfang September die bereits bestehende Stützung für Exporteure von Schokolade und anderen verarbeiteten Nahrungsmitteln erhöht. Im November 2025 kamen weitere Freigaben für 1530 Tonnen Butter hinzu. «Die Zusatzstützung wird rund 5 Millionen Franken kosten», sagte Stefan Kohler Mitte November zu schweizerbauer.ch.
BOM will keinen «politischen Aktivismus»
Die schwierige Lage am Milchmarkt hat auch die Politik erreicht. Es gab mehrere Vorschläge. Die drei SVP-Nationalräte Martin Haab (ZH), Marcel Dettling (SZ) und Sylvain Freymond (VD) haben sich Mitte Januar in einem offenen Brief an Bundesrat Guy Parmelin gewendet. Sie forderten den Agrarminister auf, die Milchimporte «sofort zu stoppen». «Die Schweizer Milchwirtschaft ist akut bedroht. Der massenhafte Import von Käse, vor allem aus dem EU-Raum, macht den Milchbauern massiv zu schaffen», hielten die drei Nationalräte fest. Es brauche dringend ein transparentes Bewilligungsverfahren für Gesuche im aktiven Veredelungsverkehr mit Milch- und Milchgrundstoffen.
-> «Milchwirtschaft retten, Milchimporte sofort stoppen»
Mooh-Präsident und Nationalrat Martin Hübscher (SVP/ZH) schlägt ein nationales Anreizsystem vor, um in Zeiten eines temporären Milchüberschusses rasch eine Mengenreduktion zu erwirken. Ein Landwirtschaftsbetrieb reagiere auf preisliche Anreize, sagte er. «Für ein Kilogramm, das man aufgrund einer Referenzmenge nicht liefert, gäbe es dann vielleicht 30 oder 40 Rp./kg. Das wäre freiwillig», sagte er zu «Schweizer Bauer».
-> «30 bis 40 Rp./kg fürs Nichtliefern von Milch»
Die Branchenorganisation Milch kann den politischen Diskussionen nicht so viel abgewinnen. Die Überproduktion sei auf exzellente Witterungsbedingungen zurückzuführen. «Die BOM warnt vor übermässigem politischem Aktivismus und betont, dass der Milchmarkt grundsätzlich robust ist», heisst es in der Mitteilung. Der Veredelungsverkehr von Butter und Milchpulver sei im Jahr 2025 zurückgegangen, der Käseaussenhandel weise ausgeglichene Import- und Exportzahlen auf, und der Absatz von Molkereiprodukten entwickle sich erfreulich.
Richtpreis und Segmentierung
Die Richtpreise der BOM bilden eine Entscheidungsgrundlage für Preisverhandlungen zwischen den Marktpartnern und gelten ausschliesslich für Molkereimilch. Sie entsprechen somit nicht den realisierten Milchpreisen, sondern verstehen sich als Preise franko Rampe des Verarbeiters. Richtpreise werden für alle drei Segmente A, B und C festgelegt. Der effektiv ausbezahlte Durchschnittsmilchpreis je Milchverarbeiter oder Handelsorganisation hängt stark vom Produkteportfolio bzw. den in den einzelnen Segmenten hergestellten Milchprodukten der Akteure ab.

BOM
Der Richtpreis für A-Milch wird mithilfe des Molkereimilchpreisindex (BLW) und der prospektiven Markteinschätzung des Vorstandes der BOM quartalsweise festgelegt. Der Richtpreis im B-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Weltmarkt und Butter für den Inlandmarkt. Der Richtpreis im C-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Weltmarkt.
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