BOM warnt vor noch tieferen Milchpreisen

Die Milchproduktion in der Schweiz ist weiterhin hoch. Verarbeiter stossen bei den Verarbeitungskapazitäten an ihre Grenzen. Die Branchenorganisation Milch (BOM) schlägt eine weitere Massnahme vor. Sie empfiehlt den Käufern, bei weiteren Überlieferungen die Milch zu einem noch tieferen Preis zu handeln.

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Mitte Dezember kündigte der BOM-Vorstand eine Senkung des A-Richtpreises für industrielle Molkereimilch um 4 Rappen auf 78 Rappen per 1. Februar 2026 an. Der Preis ist bis Ende 2026 fixiert.

->   Milch: Richtpreis sinkt um 4 Rappen

Die Senkung hat sich abgezeichnet. Die Preise am Weltmilchmarkt sind am Sinken. Zudem sind die Einlieferungen in Europa und in der Schweiz deutlich höher als im Vorjahr. Die Richtpreissenkung soll verhindern, dass die Differenz zwischen der Schweiz und Europa zu gross wird.

Branche forderte Mengensenkung

Verschiedene Vertreter aus der Milchbranche, wie Christof Züger von der Züger Frischkäse AG, forderten die Produzentinnen und Produzenten au f, «ihren Viehbestand zu überprüfen und einzelne Kühe zu schlachten». Die Verantwortung liege bei den Milchproduzenten. «Wir müssen die Milchmenge sofort reduzieren, um den Schweizer Markt zu stabilisieren, sonst droht uns im Frühjahr 2026 ein Chaos», sagte Züger Mitte Dezember an der Wildhausertagung. Auch die Milchhandelsorganisation Mooh appellierte an ihre Lieferantinnen und Lieferanten , die Milchmenge zu reduzieren.

Doch die Menge hat sich gemäss Angaben der Branchenorganisation Milch (BOM) nicht reduziert. Die Milcheinlieferungen lagen im Dezember 2025 bis zu 10 Prozent über dem Vorjahr. «Die Mengen stammen aus der generellen Mehrproduktion aufgrund der ausgezeichneten Futterqualität und teilweise aus Überschussmilch aus der gewerblichen Käseproduktion», schreibt die BOM in einer Mitteilung.

Unter C-Milchpreis

Diese Milch fliesse in Regulierprodukte. Tiefpreisige C-Milch sei Realität geworden. Dies habe gemäss BOM die Milchproduktion nicht zum Sinken gebracht. Zudem warnt die Organisation vor einem weiteren Problem: fehlenden Verarbeitungskapazitäten. Einerseits seien die Lager voll, andererseits müssten dringende Revisionsarbeiten durchgeführt werden. «Es droht ein Szenario, in dem nicht mehr alle Milch verarbeitet werden kann», schlägt die Branchenorganisation Alarm. Der Vorstand spreche sich deshalb für weitere Marktsignale gegen eine dramatische Überproduktion aus.

Um dies zu verhindern, empfiehlt die BOM den Verarbeitern deshalb drastische Massnahmen. Für die Milchbäuerinnen und Milchbauern hätten diese bei einer Überlieferung massive finanzielle Einbussen zur Folge. Denn ab Stufe Erstmilchkauf soll bei einer Überlieferung ab 105 Prozent der monatlichen Vorjahresmilchmenge der Preis für diese Mehrmengen deutlich unter dem aktuellen ungestützten C-Richtpreis angesetzt werden. Wird der BOM-Vorschlag umgesetzt, sind Preise für diese Milchmengen unter 20 Rappen wahrscheinlich. Der Richtpreis für C-Milch liegt im Januar 2026 bei 23,6 Rappen je Kilo.

Mehr Swissness bei Discounter gefordert

«Ein drastisches kurzfristiges Eingreifen ist notwendig. Die Milchproduktion muss auf Stufe Milchproduzent unmittelbar und deutlich reduziert werden, um so rasch wie möglich auf die monatliche Vorjahresmilchmenge zurückzukehren», begründet die BOM ihre Empfehlung. Die Empfehlung ist gültig ab 1. Februar 2026 bis voraussichtlich Ende Mai 2026. «Jeder Erstmilchkäufer kann noch strengere Vorgaben definieren», heisst es weiter.

Die BOM richtet auch einen Appell an den Gross- und Detailhandel. Sie sollen die Branche unterstützen, indem der Anteil an Schweizer Milchprodukten beim Verkauf in den kommenden Monaten erhöht wird. Dieser Aufruf dürfte vor allem den beiden Discountern Aldi und Lidl gelten. In deren Regalen ist der Anteil an Importprodukten deutlich höher als bei Coop und Migros. Anfang Dezember haben bereits die Schweizer Milchproduzenten hier Potenzial für einen höheren Swissness-Anteil geortet.

Richtpreis und Segmentierung

Die Richtpreise der BOM bilden eine Entscheidungsgrundlage für Preisverhandlungen zwischen den Marktpartnern und gelten ausschliesslich für Molkereimilch. Sie entsprechen somit nicht den realisierten Milchpreisen, sondern verstehen sich als Preise franko Rampe des Verarbeiters. Richtpreise werden für alle drei Segmente A, B und C festgelegt. Der effektiv ausbezahlte Durchschnittsmilchpreis je Milchverarbeiter oder Handelsorganisation hängt stark vom Produkteportfolio bzw. den in den einzelnen Segmenten hergestellten Milchprodukten der Akteure ab.

Der Richtpreis für A-Milch wird mithilfe des Molkereimilchpreisindex (BLW) und der prospektiven Markteinschätzung des Vorstandes der BOM quartalsweise festgelegt. Der Richtpreis im B-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Weltmarkt und Butter für den Inlandmarkt. Der Richtpreis im C-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Weltmarkt.

Kommentare (13)

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  • Ulrich Heimberg | 17.01.2026
    Überproduktion drückt den Preis ! Logische Entwicklung. Eine Änderung können bloss die Produzenten herbeiführen. Sicher nicht der Markt oder die Konsumenten !!
  • Aufi | 17.01.2026
    Hier Frust ablassen nützt nicht .Ihr müsst die Öffentlichkeit informieren.
    Aber wer den Trktorumzug in Huttwil gesehen hat,der kann bei derPrivaten nicht mehr punkten.
    Schade ,so wird ein falsches Bild,der Landwirtschaft vermittelt.
  • Eggler Sepp | 16.01.2026
    Warum ist unter den reichsten privaten Firmen die Lebensmittel Branche so gut vertreten? Lidl, Walmart, Burger King usw. Hat das etwas mit den gedrückten Einkaufspreisen zu tun und den überhöhten Margen ???
    "Geiz ist Geil" unter den Konsumenten, wobei es auch solche in der Landwirtschaft gibt, lässt grüssen. Es sind die selben die motzen, dass es im Dorf kein Gewerbe mehr gibt. ( Bäckerei. Metzgerei, .Dorfladen, Restaurant usw. ) 🥹
    Ich hoffe die Verarbeiter sind gewillt zugunsten der Landwirtschaft auf den Detailhandel Einfluss zu nehmen. Um eine einheimische Landwirtschaft zu erhalten braucht es den Willen aller Branchen. Mercosur lässt grüssen!!!
    Versorgungssicherheit in der heutigen Weltlage sollte wieder einen höheren Wert erhalten.
    "Stirbt der Bauer stirbt die Stadt" 😏
  • Tinuit | 16.01.2026
    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion entfernt.
    • Ulrich Heimberg | 17.01.2026
      Überproduktion ist für tiefere Preise verantwortlich ! Aber immer noch mehr Hochleistungstiere mit 100'000 Litern züchten !! Leider fehlt auf diesem Gebiet jegliches Marktverständnis.
  • Aargauer Bauer | 16.01.2026
    Ich fühle mich zum x-ten Mal verarscht. Wenn es zu wenig Milch hat, dauert es ein drei viertel Jahr bis der Preis angehoben wird. Weil sie genau wissen, auch wenn der Preis höher ist, kommt nicht mehr Milch. Also verdienen sie so in der Zwischenzeit Millionen. Wenn es aber die Natur gut meint und es ein fruchtbares Jahr ist, können wir auch nicht profitieren, weil sie uns innerhalb weniger Tage den Preis drücken. Das gibt viel und billige Milch. Wieder profitieren sie davon.
    De Fakto haben der Handel und die Verarbeitung alle Hebel in der Hand um uns Produzenten in der BOM auszubremsen. Es MUSS politisch der Wille durchgesetzt werden, dass die Produzenten 50% der Stimmen haben in der BOM. Sonst sehe ich schwarz für die Zukunft der Schweizer Milchwirtschaft, denn die Jungen lassen sich das sicher nicht mehr gefallen.
  • Theres Bäuerin und Milchproduzentin | 16.01.2026
    Es stinkt zum Himmel. Vor Corona bezahlte ich für eine Kochbutter in der Migros 3.20 heute 3.90 Kaffeerahm hatte 35% Fett heute nur noch 15% Viele angebliche Michprodukte enthalten nur noch wenige Bestandteile von unserem Rohstoff Milch. Die Einwohnerzahl der Schweiz steigen stetig.Die Milchproduktionsgesamtmenge liegt auf Niveau von ca.2007 Unser Dachverband SMP kassiert jedes Jahr unsummen Geld von uns Milchproduzenten und nichts hört man von ihnen. Die BOM und unsere angeblichen Vertreter dort haben nichts zu sagen und sind gefangen im System.
  • K Iten | 16.01.2026
    Das Problem ist sonnenklar, nur anpacken will es keiner. Die Chef-Etage hat nicht um sonst höhere Löhne, eben weil sie mehr Verantwortung übernehmen muss. Macht eure Arbeit endlich am richtigen Ort, dann geht auch kein Geld mehr verloren in der Schweizer Landwirtschaft!
  • Wälchli Urs | 15.01.2026
    Die BOM ist ja schon länger der Selbstbedienungsladen der Verarbeiter und des Detailhandels, welche 2/3 der Stimmen haben und ihre Margen auf Kosten der Milchbauern mit 1/3 der Stimmen aufpolieren oder besser gesagt sich auf Kosten der Milchproduzenten bereichern. Den Bauern wird der Milchpreis, sprich Lohn gekürzt und jeder in der Verarbeitung und Detailhandel hat einen Teuerungsausgleich und eine Lohnerhöhung zulasten der Milchbauern bekommen. Schämt euch!
    • Daniela Nef | 16.01.2026
      Die Oberen verdienen immer auf unserem Buckel eine goldige Nase. Es ust eine Schabde. Hört eibfach mal auf,immer Butter und co.zu importieren. Es ha
      T genug hier in der Schweiz. Wozu ist eigentlich Guy Parmelin auf der Wekt? Er hilft ja nichts. Und diese Leute im Bundesamt für Landwirtschaft,dass importe gestoppt werden,SOFIRT!!!.
  • Bärgbuir | 15.01.2026
    Wir produzenden werden von den Verarbeiter belogen!! 10% mehr Milch als im Vorjahr und dan soll der ganze Milchmarkt am anschlag sein!!!
  • Bergbauer | 15.01.2026
    Es werden tiefere Einlieferungenngefordert unter anderem von Herr Züger welcher gleichzeitig Mengen für den Veredelungsverkehr importiert.
    Da fragt man sich ob man drosseln soll oder wird man belogen von Milchverarveitern welche wohl noch Geld mit der "überschüssigen" Milch verdienen.
    • Daniela Nef | 16.01.2026
      Wir werden immee verarscht von do Krawattenmenschen,die einen hohen Lohn haben. Es reicht einfach. Und wenn nan weniger einliefert,kommt plötzlich wieder sas Kpntingent und wir sind nochmals verarscht worden. Himmelsackerement noemol. Uns es wird fleisdigcimportiert,obwohl wir hier genügend Milch haben. Jetzt kommen noch viele Anfragen von Bauern,die vorher Kösereimilch geliefert haben,die Silomilch abliefeen wollwn,dann hat es nochmals zuviel. Nan kann nicht eibfach gesunden Tieren den Grind abhsuen. Und 2.hat es viele Seuchen,Blauzungen,TB im bahen Ausland,da gat es plötzlich wieder zuwenug Kühe. Wir köbnen nichr schnipp machen,und da steht eibe fertige Kuh da,die Milxh gibt. Nein,wir haben tuerst noch Aufzuchtskosten und Besamungskosten. Also,ihr Oberen Guru,Impottverbot sofort von Milch und Milchprodukten. Ihrcmüsst nicht auf unserem Buckel eibe Goldige Nase verdiwnen!!!!!
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