SMP: «Abseitsstehen einzelner Akteure inakzeptabel»

Die Milcheinlieferungen liegen derzeit deutlich über den Vorjahren. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sehen Landwirte, Erstmilchkäufer und Verarbeiter in der Pflicht. Politische Vorstösse erachten die SMP als wenig zielführend.

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In der Schweiz lagen in den vergangenen Wochen und Monaten die Milcheinlieferungen deutlich über den Werten der Jahre 2024 und 2023. Die kumulierte Milchproduktion 2025 (3'140'340 t) lag bis November 2,3 Prozent oder 69'000 Tonnen über dem Wert von 2024. 2023 wurden in der gleichen Zeitspanne gar 74'200 Tonnen weniger produziert.

Die Daten für den Dezember 2025 liegen noch nicht offiziell vor. Doch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) gehen davon aus, dass die Einlieferungen rund 10 Prozent über dem Vorjahresmonat lagen. Bei der Biomilch dürfte die Mehrmenge noch höher sein.

Unter 20 Rappen je Kilo

In der Schweiz liegen die Milcheinlieferungen seit April 2025 teils deutlich über den Werten der Jahre 2024 und 2023. «Eine derart starke Dynamik in so kurzer Zeit ist in der Milchproduktion nur selten zu beobachten und hält seit August 2025 an», schreiben die SMP in einer Mitteilung. Mitte Januar stiess die Branchenorganisation Milch (BOM) eine Warnung aus. Aufgrund fehlender Verarbeitungskapazitäten könne nicht mehr alle Milch verarbeitet werden. «Es droht ein Szenario, in dem nicht mehr alle Milch verarbeitet werden kann», warnte die BOM.

BOM warnt vor noch tieferen Milchpreisen

Um dies zu verhindern, empfahl die BOM den Verarbeitern drastische Massnahmen. Ab Stufe Erstmilchkauf soll bei einer Überlieferung ab 105 Prozent der monatlichen Vorjahresmilchmenge der Preis für diese Mehrmengen deutlich unter dem aktuellen ungestützten C-Richtpreis angesetzt werden. Für die Milchbäuerinnen und Milchbauern hat dies massive finanzielle Einbussen zur Folge. Der Richtpreis für C-Milch lag im Januar 2026 bei 23,6 Rappen je Kilo. Für Milch über der 105%-Regel sind Preise zwischen 10 und 15 Rappen realistisch.

Weniger einliefern, Mehrmengen exportieren

Gemäss den Schweizer Milchproduzenten hat die Warnung der BOM bisher nicht gross an Wirkung gezeigt. «Der gewünschte Bremseffekt bei den Einlieferungen setzte auch im Januar 2026 nur verhalten ein», heisst es in der Mitteilung. Die Dachorganisation sieht einerseits ihre Mitglieder – die Milchproduzentinnen und Milchproduzenten – und andererseits die Erstmilchkäufer in der Pflicht. Die Milchproduzierenden sollen kurzfristig die Einlieferungen senken. Eine Alternative aus Sicht der SMP ist eine vollständige Ausfuhr der überschüssigen Mengen als C-Milch – mit entsprechenden finanziellen Konsequenzen.

Die SMP unterstützen die 105%-Regel. «Ein langfristig weniger schmerzhafte Alternative gibt es nicht», halten sie fest. Für die SMP ist klar, dass alle Akteure an der Drosselung mitmachen müssen. Alle müssten einen proportionalen Anteil der C-Milchlast tragen. «Ein Abseitsstehen einzelner Akteure ist inakzeptabel», stellen die SMP klar. Die Einhaltung der C-Milchmengen werde von der BOM «konsequent» kontrolliert.

SMP wollen keine Einmischung

In den vergangenen Wochen ist auch die Politik auf die schwierige Lage auf dem Milchmarkt aufmerksam geworden. Die SVP-Nationalräte Marcel Dettling, Martin Haab und Sylvain Freymond fordern den Bundesrat auf, umgehend in den Markt einzugreifen. «Es braucht dringend ein transparentes Bewilligungsverfahren für Gesuche im aktiven Veredelungsverkehr mit Milch- und Milchgrundstoffen», fordern sie. Unternehme der Bundesrat nichts, seien viele Milchviehbetriebe im Hügel- und Berggebiet gefährdet. Deshalb müsse der Bundesrat umgehend die Importe von Milch, Milchpulver und weiteren Milchgrundstoffen stoppen.

«Milchwirtschaft retten, Milchimporte sofort stoppen»

Auch Faire Märkte Schweiz (FMS) ist stark besorgt über die Situation am Milchmarkt. «Wir stellen generell fest, dass auch in anderen Märkten immer öfter die Produzenten die Marktrisiken tragen. Helfen würde, wenn jetzt im Milchmarkt die Produzenten ihre Verantwortung wahrnehmen könnten und ein Mengenmanagement installiert würde», sagte FMS gegenüber dem «Schweizer Bauer».

«Kostendeckende Preise sind nicht realisierbar»

Die Schweizer Milchproduzenten sehen solche Massnahmen als kritisch an. «Wir betrachten es als sinnvoller, solche Situationen in Eigenverantwortung anzugehen», halten sie fest. Künftig müssten Dynamiken wie derzeit früher erkannt und in gemeinsamer Verantwortung der Branche wirksam angegangen werden.

Kommentare (10)

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  • Stadtbauer | 09.02.2026
    Die einen wollen wachsen, da müssen andere weichen!
    So ist das halt, ob dann denen die wachsen wollen, später besser geht?
    Da war ich doch kürzlich an einem Vortrag, über Wald und Klima, die Landwirtschaft wird das gleiche Erleben!
    Ich würde dann schauen das ich alle Schulden bis ca. 2035 abbezahlt habe,
    Den Teufel an die Wand malen, nein aber wenn nur ein Teil stimmt, ja dann alles gute.
  • Hansueli Ramp | 06.02.2026
    Ich lese immer wieder, man solle den Import aller Milchprodukte verbieten. Aber wenn ein Konsument einen ausländischen Käse liebt, kann man ihm das nicht verbieten. Weiter lese ich in den Medien, das die Schweiz mehr als eine Million Tonnen Futtermittel importiert. Ich denke nicht, dass das vor allem Katzenfutter ist, sondern zum Grossteil Sojamehl aus Übersee für die Kalbermast und Schweinezucht. Wenn nur schon all unsere Kälber Kuhmilch trinken könnten, wäre der Milchüberschuss gelöst.
    • Kontrolleur | 07.02.2026
      Da habe ich was verpasst,! Mit Sojamehl kälbermästen statt mit Milch. Das kann nur mit Durchfall enden. Da kann offenbar jemand mehr als andere! Komplett falsche Vorstellungen.
    • Thalmann | 13.02.2026
      Also Sojamehl ist für die Kälbermast ungeeignet das Kalb braucht hochwertiges Milchprotein.
      alles andere ist eine Falschaussage
  • emil | 06.02.2026
    Eine Beitrag zur Lösung wäre A B C wieder zu trennen . An Schizophrenie nicht zu überbieten ist natürlich wie Martin Haab jun. sich mit 75 liter Tagesleistung brüstet und Papa will sich an der Regulierung beteiligen . Wolf im Schafspelz. Hallo es hat auch Konsumenten die das mitbekommen und ihren Kommentar negativ breitschlagen.
    • Äedu | 06.02.2026
      Was hat das eine mit dem anderen zu tun….?
      Als ob es jetzt auf diese eine Kuh drauf ankommt.
    • Märcu | 06.02.2026
      Diese Kritik zieht nicht. Letztlich gibt es in diesem "Markt" wenn es denn einer wäre Spielregeln, an welche wir Produzenten uns zu halten haben...ironi off! Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, wie viel Milch pro Kuh produziert wird. Ebenso spielt die Posotion der direkten Verwandten, und wenn es der Papa ist keine Rolle. Das ist typisch schweizerische, blöde eifersüchtelei. Jeder der solchen Müll von sich gibt, soll bitte Mal unten Anfangen und sich und seine Zeit für Vorstandsämter und der gleichen auf unterster Stufe zur Verfügung stellen. Wenn ihr sgut macht wrdet ihr wieder gewählt, ansonsten ..tschüss. Nicht wie bei links wo man ohne Leistung gewählt wird. Sonst kannst du ja die Mazzone aus Genf fragen. Vielleicht würde sie Dich angemessen vertreten.
      Gerne kannst du sonst M. Haab ein Mail schreiben mit Vorschlägen. Er sird sich sicher bei Dir melden.
    • Sämu | 06.02.2026
      Es ist eine kuh mit 75 lt. In einer kurzen zeitspanne, nicht die ganze laktation, und wenn auch, ein anderer hat 2 kühe und die geben je 40 lt. Das sind sogar 5 liter mehr! Es kommt doch nicht draufan, wichtig ist das jetzt ALLE mit machen und die milchmenge probieren soweit wie möglich zusenken, sonst geht der preis nie mer hoch! Mir tuts auch weh, einen neuen stall, der muss auch abbrzahlt werden, aber mit einem dauertiefpreis geht das nicht mehr!
  • Ketzer | 06.02.2026
    Verdammt, jetzt muss ich noch mehr melken!
  • Martin Meyer | 05.02.2026
    Leider sind die Beiträge die an die BOM und den SMP jeden Monat bezahlt werden sehr schlecht investiertes Geld. Die BOM spricht von einer Milchschwemme, welche mit produzentenbezahlten Exportbeiträgen "entsorgt" wird, gleichzeitig ist sie die Oragnisation, welche doch sehr intransparent Milch -und Verarbeitungsprodukte zum Import beim BLW beantrag. Dieses ist auch noch so freundlich und bewilligt diese Anträge. Ein Markt im Milchbusiness gibt es schon lange nicht mehr, wo bei Knappheit jeder Idiot Geld verdient und in Überproduktion die "Schlechten" ausfaulen.
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