Toblerone für Agrarminister ein «Symbol für Swissness»

Mondelez hat in den vergangenen Jahren über 60 Millionen in das Werk in Bern investiert. Bundespräsident Guy Parmelin sprach bei der Eröffnung von «Swissness par excellence». Mit einem Importgesuch für Butter hat der US-Konzern Milchproduzenten verärgert.

Reto Blunier |

Am westlichen Stadtrand, in Bern-Brünnen, wird seit 1985 die Toblerone produziert. Zuvor wurde sie im Länggasse-Quartier hergestellt. Erfunden wurde die berühmte, dreieckige Schokolade 1908 von Theodor Tobler und Emil Baumann. Sie entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg zum Verkaufsschlager aus der Schweiz. 1990 übernahm der US-Konzern Philip Morris die Schokoladeherstellerin, danach erfolgte der Verkauf an Mondelez.

Mit Ausbau Nachfrage bedienen

Zuweilen sah es so aus, als könnte die Produktion ins Ausland verlagert werden. In der Slowakei hat Mondelez eine zweite Produktionsstätte eröffnet. Aus diesem Grund musste der Konzern 2023 den Markenzusatz «of Switzerland» entfernen (mehr dazu im Kasten unten). Doch 2025 kam die Kehrtwende. «Wir sehen eine wachsende globale Nachfrage nach Premium-Schokolade und sind überzeugt, dass das Potenzial für Toblerone noch lange nicht ausgeschöpft ist», sagte die damalige Chefin von Mondelez Schweiz, Anna van Riesen, im April 2025.

In den vergangenen Monaten hat der US-Konzern rund 65 Millionen Franken in das Werk in Bern-Brünnen investiert. «Wir sind unglaublich stolz auf die neue Toblerone-Produktionslinie sowie auf die Modernisierungen im Bereich Logistik und Infrastruktur», sagte Werksleiter Thomas Kauffmann am vegangenen Mittwoch bei der Eröffnung. Zudem wurden die Fertigungsanlagen für Schokolade und Nougat sowie die Kapazität für die Massenfertigung erweitert. Der Ausbau sei erfolgt, um die weltweite Nachfrage nach der dreieckigen Markenikone zu bedienen, schreibt Mondelez in einer Mitteilung.

Parmelin: «Toblerone ist Identität und Qualität»

«Wir haben schon immer mit Stolz hier in Bern produziert. Das Investment unterstreicht unsere starke Verbundenheit zum Standort und zu dieser Schweizer Traditionsmarke», sagte der neue Mondelez-Schweiz-Chef Bernhard Kletzmair. 90 Prozent der weltweit verkauften Toblerone werden in Bern hergestellt. Neben der Schweiz und Grossbritannien sind vor allem die Flughäfen ein wichtiger Absatzmarkt. Verkauft wird die Toblerone in 120 Ländern.

An der Eröffnung nahm auch Guy Parmelin teil. Der Agrarminister hob die Wichtigkeit des Werks für den Standort Schweiz hervor. «Unter den Schweizer Schokoladen nimmt Toblerone einen ganz besonderen Platz ein. Sie ist mehr als nur eine Schokolade. Sie ist ein Stück Schweizer Geschichte. Und ein Symbol für Swissness par excellence: Identität und Qualität», lobte der Bundesrat das Produkt.

Ab 2025 wieder Schweizer Milchpulver

Bei den Schweizer Milchproduzentinnen und Milchproduzenten steht der US-Konzern in der Kritik. Mit dem Verschwinden des Matterhorns und des Markenzusatzes «of Switzerland» war Schweizer Milchpulver nicht mehr Pflicht. Dass vermehrt ausländisches Milchpulver verarbeitet wurde, wies der Konzern gegenüber dem «Schweizer Bauer» im Jahr 2024 nicht zurück.

2025 setzte Mondelez wieder auf Schweizer Rohstoff. Auch dank der Intervention der Branchenorganisation Milch (BOM). «Wir haben im Herbst 2024 unser System der Rohstoffverbilligung so angepasst, dass unsere Produkte gegenüber den ausländischen Produkten wieder konkurrenzfähig geworden sind», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler im April 2025 zu schweizerbauer.ch.

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Gesuch für EU-Butter

In der Schweiz wird derzeit händeringend nach Absatzmöglichkeiten für Schweizer Milchprodukte gesucht. Die BOM hat sich im Januar 2026 in einem Schreiben an den Detail- und Grosshandel gewandt. «Wir rufen Sie auf, den Anteil von Produkten mit Schweizer Herkunft zu erhöhen», hiess es im Schreiben von Mitte Januar. Beim global tätigen Lebensmittelkonzern Mondelez wird diese Forderung jedoch links liegen gelassen.

Statt Milchpulver will der US-Konzern nun EU-Butter in die Schweiz importieren, wie der «Schweizer Bauer» im Februar 2026 herausfand. Mondelez hat ein Gesuch für den Import von 924 Tonnen eingesottener Butter gestellt – im Rahmen des aktiven Veredelungsverkehrs. Die hiesigen Lager sind aber voll. Über 6000 Tonnen Schweizer Butter wären vorhanden. Mit Stützungsgeldern aus dem Fonds Regulierung wird der Export finanziell unterstützt .  In den vergangenen Monaten wurden insgesamt 2000 Tonnen Rahm und 4855 Tonnen Butter exportiert, dazu wurden 24 Millionen Franken eingesetzt.

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Protestaktion vor Toblerone-Werk

Der Entscheid von Mondelez, EU-Butter einzusetzen, hat Milchproduzentinnen und Milchproduzenten enttäuscht und verärgert. Das Bäuerliche Zentrum Schweiz, das Bernisch Bäuerliche Komitee (BBK) und weitere bäuerliche Basisorganisationen haben deshalb am 19. Februar zu einer Protestaktion vor dem Toblerone-Werk in Bern-Brünnen aufgerufen. Rund 40 Landwirtinnen und Landwirte sind dem Aufruf gefolgt.

BZS-Präsident Heinz Siegenthaler machte schnell klar, worum es bei der Aktion geht: «Wir wollen verhindern, dass Mondelez 1000 Tonnen Butter aus der EU importiert.» Dem Landwirt aus dem Emmental geht es aber nicht nur um die Butter. Man müsse zuerst die Schweizer Milch verarbeiten. Der Import von Milchpulver müsse gestoppt werden. «Wir müssen unbedingt verhindern, dass Schweizer Milch in der Biogasanlage entsorgt wird», führte er aus.

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Weg von Swissness und wieder zurück

Im Werk am westlichen Stadtrand von Bern werden heute täglich vier Millionen Toblerone-Produkte hergestellt. «Wir sehen eine wachsende globale Nachfrage nach Premium Schokolade und sind überzeugt, dass das Potenzial für Toblerone noch lange nicht ausgeschöpft ist», sagte Anna van Riesen, Chefin von Mondelez Schweiz, im April 2025. Die Produktionsstätte soll zum «Kompetenzzentrum für Toblerone in der Schweiz» ausgebaut werden. Der Konzern gab bekannt, 65 Millionen Franken in das Werk zu investieren, unter anderem in eine neue Produktionslinie.

2023 verschwanden auf der Verpackung das Matterhorn und der Markenzusatz «of Switzerland». Der «Verlust an Swissness» sorgte für Aufsehen. Denn Schweizer Vollmilchpulver war somit keine Pflicht mehr für Mondelez. Dass vermehrt ausländisches Milchpulver verarbeitet wurde, wies der Konzern damals gegenüber Schweizer Bauer jedenfalls nicht zurück. Im April 2025 folgte die Kehrtwende. Die meisten Toblerone-Produkte tragen seither ein Schweizerkreuz auf der Verpackung. Der Lebensmittelkonzern Mondelez International wolle damit die Verbundenheit der dreieckigen Schokolade mit der Schweiz zum Ausdruck bringen, hielt der Konzern fest. Es ist eine Verbundenheit mit Ausnahmen, wie sich nun zeigt.     blu

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Kommentare (3)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Studentinius | 15.03.2026
    Und schweizer milch mit importfutter, kein problem?
  • Aschi | 15.03.2026

    Mondelez handelt nutzt die rechtlichen Möglichkeiten, aber ob es auch ethisch korrekt ist in der jetzigen Situation auf dem CH-Milchmarkt sollte überdacht werden -bei Mondelez und im Parlament

  • Gerechtigkeit | 15.03.2026
    Was für eine Frechheit, das Schweizer Kreuz auf die Verpackung aufdrucken und hunderte Tonnen ausländische Butter für die Produktion verwenden. Besonders störend ist die Bauchpinselei unseres Bundesrates für Mondelez mit den irreführenden Verpackungs Angaben. Fairer Wettbewerb sieht anders aus.!!
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