Gmüesgarte ist konkurs

Der Berner Laden hatte sich zum Ziel gesetzt, mit dem Verkauf von überschüssigem Gemüse die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Doch der Markt dafür war zu klein. Der Laden muss aufgeben.

Die Idee des Unternehmens ist lobenswert: Beim Gmüesgarte werden Rüebli, Kartoffeln oder Salate, die über kleine äusserliche Makel verfügen, an die Frau und an den Mann gebracht. Die Landwirte, die die Erzeugnisse liefern, erhalten einen marktüblichen Preis. So wird Lebensmittelverschwendung verhindert.

Steigende Kosten, geringe Einnahmen

«Dieses Gemüse und diese Früchte lassen sich kaum oder nur schlecht verkaufen. Diesem Fehler im System hat sich der Gmüesgarte in den letzten neun Jahren mit aller Kraft gewidmet», schreibt Gmüesgarte in einer Mitteilung.

Doch dem Laden im Berner Monbijou-Quartier fehlte es an ausreichend Kundschaft. Laut Gmüesgarte führten steigende Betriebskosten sowie geringere Einnahmen als prognostiziert dazu, dass eine wirtschaftliche Weiterführung nicht mehr möglich war. «Das zeigt einmal mehr, dass nachhaltige und auch kleinere Unternehmen es nach wie vor schwer haben, sich kostendeckend zu etablieren», heisst es in der Mitteilung.

800 Tonnen Lebensmittel gerettet

Deshalb hat Gmüesgarte den Laden per sofort geschlossen und den Konkurs angemeldet. Mitarbeiterinnen, Partner, Abonnentinnen und Kunden wurden direkt informiert. «Bei jenen, bei denen aufgrund des Konkursverfahrens noch Rechnungen offen bleiben, entschuldigt sich der Gmüesgarte von Herzen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Wie es weiter heisst, hat der Gmüesgarte über die Jahre mit rund 40 Landwirtschaftsbetrieben aus dem Seeland zusammengearbeitet. Insgesamt wurden über 800 Tonnen Lebensmittel abgesetzt.

Start im Jahr 2017

Der Start erfolgte im Jahr 2017 mit einem Laden in der Berner Altstadt. «Ich bin auf einem Bauernhof im Seeland aufgewachsen und habe erlebt, was es bedeutet, Gemüse und Früchte zu produzieren. Dass viel davon weggeworfen wird, hat mir schon immer zu denken gegeben, und ich wollte mich dagegen engagieren», sagte Franziska Güder, Geschäftsführerin und Gründungsmitglied des Gmüesgarte, im Sommer 2018 zu «Schweizer Bauer».

Das Konzept schien aufzugehen. «Unser Konzept kommt in Landwirtschaftskreisen gut an. Gmüesgarte arbeitet mittlerweile mit über dreissig Landwirten sowie Betriebsgemeinschaften zusammen», teilte das Unternehmen im Januar 2021 mit.

2023 finanzieller Engpass

Doch 2023 traten erste finanzielle Schwierigkeiten auf. «Wir haben unseren Laden an der Marktgasse in einen reinen Selbstbedienungsladen umfunktioniert und so mehr Flexibilität erhalten, wann und wofür wir unsere Mitarbeitenden einsetzen», heisst es in einer Mitteilung vom 13. März 2023. Die Massnahmen wurden notwendig, weil das Unternehmen nach eigenen Angaben vor der Pandemie über kein finanzielles Polster verfügte. Während der Pandemie wurden grosse Verluste eingefahren. 

Die Initiatoren starteten ein Crowdfunding. «Wir wollen aufmerksam machen auf die Problematik. Wir sensibilisieren und wollen unser Ernährungssystem nachhaltig umbauen», hielten sie fest. Ende 2023 musste die Filiale an der Marktgasse schliesslich aufgegeben werden. Geschäftsführerin Güder sagte gegenüber der Zeitung «Bund» , dass vermehrtes Homeoffice dazu geführt habe, dass die Leute eher im Quartier einkauften oder Gemüseabos abschliessen und deshalb seltener im Gmüesgarte vorbeigekommen seien.

Fortan setzte Gmüesgarte auf den Standort im Monbijou-Quatier. Im August 2025 haben die Gründerinnen und Gründer zusammen mit weiteren Personen den Verein Gmüesgarte gegründet. Der Verein übernahm die Trägerschaft des Ladens. Die Vision sei, dass es den «Gmüesgarte» irgendwann nicht mehr brauche, weil alle Lebensmittel den Weg auf den Teller fänden. Diese Vision hat sich nun nicht erfüllt.

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