
Wölfe sind bei der Wahl ihrer Beute sehr anpassungsfähig, doch sie jagen hauptsächlich Huftiere. Der Wolf ist ein Hetzjäger und Opportunist: Er reisst Beute, wann immer sich eine günstige Gelegenheit bietet.
Marcel Langthim
Das Jagdinspektorat des Kantons Bern geht davon aus, dass es sich um den männlichen Wolf M574 handelt.
Schafe geschützt
Die jüngste Attacke fand in der Nacht auf den 10. Juli statt. Das männliche Raubtier tötete in der Region Oberhasli vier Schafe. Die Tiere waren geschützt. «Mit diesem Riss sind die gesetzlichen Vorgaben für den Abschuss nun erfüllt», schreibt der Kanton in einer Mitteilung.
Im Mai hat M574 in den Gemeinden Meiringen und Grindelwald fünf ausreichend geschützte Nutztiere gerissen. Zudem hielt sich der Wolf wiederholt innerhalb von Siedlungen auf und zeigte einen Verlust an Scheu. Die Schwelle von sechs geschützten Nutztieren wurde jedoch noch nicht erreicht. Deshalb hatte der Kanton Bern am 3. Juni 2026 den vorsorglichen Abschuss des männlichen Wolfs verfügt. Die Abschussverfügung tritt nun in Kraft.
-> Wolf im Berner Oberland vor Abschuss
Gültig für drei Gemeinden
Der Abschuss ist an mehrere Bedingungen geknüpft. Der Abschussperimeter umfasst die Gemeinden Meiringen, Grindelwald und Schattenhalb. Ausgenommen ist das eidgenössische Jagdbanngebiet Schwarzhorn. Der Abschuss muss in direktem oder indirektem Zusammenhang mit einem Angriff auf geschützte Nutztiere erfolgen. Die Verfügung ist bis am 13. September 2026 befristet.
Gegen die Abschussverfügung können beschwerdeberechtigte Verbände Beschwerde führen. «Einer allfälligen Beschwerde wird die aufschiebende Wirkung jedoch entzogen», schreibt der Kanton.
12 Schafe im Frühling gerissen
In der Region wurden in diesem Jahr bereits mehrere Schafe gerissen. Die Berner Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren forderte Anfang Mai den Abschuss eines Wolfs. Aufgrund der «extrem steilen» Topographie sei kein wirksamer Schutz der Schafe möglich. Die betroffenen Landwirte in Grindelwald seien den Angriffen weitgehend schutzlos ausgeliefert. «Ohne entschlossenes Handeln ist der bevorstehende Alpsommer akut gefährdet», warnte die Vereinigung.
Das Jagdinspektorat des Kantons Bern bestätigte gegenüber schweizerbauer.ch die Risse. «Am 4. Mai 2026 wurden in Grindelwald acht ungeschützte Schafe gerissen. Aufgrund des Rissbildes wird von einem Wolf ausgegangen», teilte die Behörde mit. Es sei noch unklar, ob es sich um denselben Wolf handelte, der am 29. April in Meiringen vier durch einen Herdenschutzzaun geschützte Schafe gerissen habe. Einem Abschuss erteilte das Jagdinspektorat eine Absage. «Unabhängig davon sind die Voraussetzungen für einen Abschuss gemäss Jagdgesetz aktuell nicht erfüllt», sagte das Jagdinspektorat gegenüber schweizerbauer.ch.