
Die Zuckerrüben litten unter der Hitze und der Trockenheit.
Monika Gerlach
Es gebe Bauern, die liessen die Zuckerrüben gleich im Boden. Das erzählt Ueli Brauen. Der Lohnunternehmer aus Suberg BE ist seit 42 Jahren im Geschäft und gräbt gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern die Zuckerrüben auf rund 450 Betrieben im Seeland und in den umliegenden Kantonen aus den Böden.
Vor zwei Wochen hat er mit der Zuckerrübenernte begonnen. Bei einem Landwirt habe er rund 20 Tonnen Zuckerrüben aus einer Hektare Erde geholt, wie er kürzlich dem «Bieler Tagblatt» sagte. «Ich musste dabei kein einziges Mal den Bunker leeren», so Brauen. Laut dem Unternehmer wären 80 bis 100 Tonnen pro Hektare normal.
Wer zahlt den Diesel?
Auch für die Lohnunternehmer wird die diesjährige Kampagne zur Herausforderung. Brauen rechnet in der Zeitung vor, wie der Fixpreis pro Hektar zustande kommt, den er den Bauern normalerweise verrechnet. Dieser basiert auf einem Dieselpreis von 1.65 Franken pro Liter. In diesem Jahr koste der Liter Diesel an der Tankstelle jedoch bereits 2.42 Franken.
Damit würde sich der Aufpreis laut Brauen von bisher rund fünf auf etwa 30 Franken pro Hektare erhöhen. Ob er diese Mehrkosten tatsächlich verrechnet, sei noch offen. «Ich getraue mich fast nicht. Wir müssen den Bauern doch jetzt entgegenkommen», sagte Brauen gegenüber dem «Bieler Tagblatt».

Ueli Brauen ist Lohnunternehmer in Suberg BE.
Raphael Bühlmann
Weil Lohnunternehmen weder Direktzahlungen noch eine Dieselrückvergütung vom Bund erhalten, will Brauen mit seinen Geschäftspartnern besprechen, wie sie mit den zusätzlichen Kosten umgehen. Verzichten sie auf den Aufschlag, bleibe die Differenz beim Unternehmen hängen. «Dann müssten wir das Geld abschreiben», resümierte Brauen.
Klar unter dem Durchschnit
Noch steht die heurige Zuckerrübenkampagne erst am Anfang. Ein grosser Teil der Zuckerrüben steckt noch im Boden. Die bisherigen Erhebungen der Schweizer Zucker AG zeigen, dass kaum mit einer guten Ernte gerechnet werden kann: Die erwarteten Flächenerträge seien zwar gegenüber früheren Schätzungen gestiegen, liegen aber weiterhin klar unter dem Durchschnitt.
In der Westschweiz wird derzeit mit rund 64 Tonnen Rüben pro Hektar gerechnet, in der Ostschweiz mit 67 Tonnen. Allerdings seien die Werte mit Vorsicht zu betrachten. Die Proberodungen liefern erfahrungsgemäss rund 15 bis 20 Prozent höhere Erträge als die spätere maschinelle Ernte, weist das Unternehmen im «Schweizer Bauer» hin.
Weniger Rüben, weniger Zucker
Hinzu kommt, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Rüben unter dem schwierigen Jahr litten. Die Schweizer Zucker AG meldet einen teilweise deutlich tieferen Zuckergehalt. Dadurch werde ein Teil des erwarteten Mengenzuwachses bei den Rüben wieder zunichtegemacht. Auch die Zuckerausbeute ist unterdurchschnittlich.
In der Fabrik in Aarberg BE konnte wegen der schlechten Rübenqualität die Verarbeitung nicht so rasch hochgefahren werden wie ursprünglich geplant. Die Anfuhr musste zeitweise reduziert werden, wie das Unternehmen schreibt.
Die Probleme haben mehrere Ursachen. Die lange Trockenheit setzte den Pflanzen zu. Auf leichten, sandigen Böden, wie sie etwa rund um den Frienisberg vorkommen, konnte das Wasser weniger lange gespeichert werden. Anders sieht es auf den tiefgründigen und schweren Böden des Grossen Mooses aus. Dort konnten die Rüben länger von den vorhandenen Wasserreserven zehren, wie der Lohnunternehmer Ueli Brauen gegenüber dem «Bieler Tagblatt» erklärte. Zusätzlich hat der Rübenrüssler die Bestände geschwächt.
Lohnt sich die Ernte überhaupt?
Der Landwirt Thomas Maurer aus Treiten BE will dennoch nicht jammern. «Meine Zuckerrüben sehen nicht so schlecht aus», sagte er. Er rechnet mit rund 70 Tonnen pro Hektare. Das sei unter den diesjährigen Bedingungen zwar ein ansehnlicher Ertrag, reiche aber bei weitem nicht an das Vorjahr heran.
Als Transportleiter beim Rübenring organisiert Maurer zudem die Fahrten vom Feld in die Zuckerfabrik nach Aarberg. Dadurch kennt er die Situation auf vielen Betrieben in der Region und erklärte im im «Bieler Tagblatt»: «Die Erträge sind zum Teil sehr schlecht.» Teilweise würden die Bauern nicht einmal ein Drittel der üblichen Menge ernten. Bei einem Ertrag von nur 30 Tonnen pro Hektar stelle sich deshalb die Frage, ob sich die Ernte überhaupt noch lohne, sagt Maurer. Er sagte weiter: «So würde ich die Rüben gleich im Boden lassen.»
In der Westschweiz rechnet die Schweizer Zucker AG inzwischen mit Totalausfällen auf schätzungsweise 400 bis 800 Hektaren. Wie viele weitere Flächen tatsächlich mit sehr tiefen Erträgen geerntet werden, wird sich erst im Verlauf der Kampagne zeigen.