«Wilhelm Tell» drohen zwei Tage Haft

Dem Landwirt Reto Meier aus Wülflingen bei Winterthur ZH – auch bekannt unter dem Pseudonym «Wilhelm Tell» – droht Ungemach: Weil er ein Busse nicht bezahlen will, drohen ihm zwei Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Dies, weil sein Mähwerk wegen eines liegen gelassenen Trottinetts kaputtging.

Die Geschichte nahm im Juni 2025 ihren Anfang: Reto Meier wollte auf einem gepachteten Feld in Oberseen ZH bei Winterthur Gras mähen. Während der Arbeit fuhr er mit dem Mähwerk in ein in der Wiese liegengelassenes Trottinett. Die Folge: Ein beschädigtes Mähwerk, das den Bauern rund 600 Franken für die Reparatur kostete und ihn um fast drei Stunden zurückwarf.

Trotz der Verzögerung wollte der Landwirt das Feld noch am selben Tag fertig mähen. Deshalb arbeitete Meier bis etwa 22.45 Uhr weiter, obwohl ab 22 Uhr die Nachtruhe gilt.

Von der Polizei angehalten

Ein Anwohner meldete die nächtlichen Arbeiten der Polizei. Wie der «Tages-Anzeiger», der zuerst über den Vorfall berichtete, schreibt, wurde Meier später auf dem Heimweg mit dem Traktor von einer Polizeipatrouille angehalten. Die Polizei stellte zunächst eine Ordnungsbusse aus. Weil Meier diese nicht bezahlen wollte, ging der Fall an das Stadtrichteramt Winterthur. Dort erhielt er einen rechtskräftigen Strafbefehl über 150 Franken.

Gemäss «Tages-Anzeiger» machte Meier geltend, er habe die Situation als eine Art Notfall betrachtet. In der Polizeiverordnung der Stadt Winterthur sind landwirtschaftliche Arbeiten während der Ruhezeiten teilweise erlaubt, wenn diese witterungsbedingt oder aus anderen wichtigen Gründen unaufschiebbar sind. Die Behörden kamen jedoch zum Schluss, dass die Voraussetzungen in diesem Fall nicht erfüllt gewesen seien.

Verständnis der Gesellschaft

Gegenüber «20 Minuten» erklärte sich Meier folgendermassen: «Man versucht, die ganze Fläche an einem Tag zu schaffen.» So werde auf seinem Hof nur einmal pro Jahr geheut. Eine Verzögerung könne dazu führen, dass das Gras an unterschiedlichen Tagen trockne und später separat gepresst und eingefahren werden müsse. Dies bedeute zusätzlichen Aufwand und weitere Arbeitstage. Dabei sei die Situation für kleine Betriebe besonders schwierig.

Auch darum akzeptiert Meier den Entscheid bis heute nicht. Zu «20 Minuten» sagte er: «Ich finde, in solchen Fällen müsste man auf das Verständnis der Gesellschaft zählen können – und die Situation mit etwas Augenmass und Herz beurteilen.» Insbesondere die Formulierung im Strafbefehl, wonach er den Ruhe- und Erholungsbedarf der Gesellschaft missachtet habe, störte ihn. Da Meier die Busse weiterhin nicht bezahlt, drohen ihm nun zwei Tage Ersatzfreiheitsstrafe.

Aufruf zu Protesten

Bekannt wurde Meier Anfang 2026 unter dem Pseudonym «Wilhelm Tell». Über soziale Medien mobilisierte er damals für eine Aktion in Kehrsatz bei Bern, wo mehrere Tage lang auf einem Feld campiert wurde. Meier trat später öffentlich als Organisator der Proteste auf.

Im März reiste der Ostschweizer Bauer trotz fehlender Bewilligung wiederum nach Bern – dieses Mal auf den Bundesplatz. Die Aktion, zu der er aufgerufen hatte, blieb aber klein. Gegenüber dem «Schweizer Bauer» erklärte Meier die Hintergründe seiner Aktion: «Es gibt viele Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen, die nicht mehr die Kraft haben, laut zu werden. Es gibt viele Betriebe, die im Stillen in Konkurs gehen.»

Meier kritisiert generell den Strukturwandel in der Landwirtschaft: «Jedes Jahr verschwinden 1,5 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe. Solange Höfe geschlossen werden müssen, die eigentlich nicht mit der Landwirtschaft hätten aufhören wollen, greifen die politischen Massnahmen nicht.» Zudem erklärte er, viele kleinere Betriebe würden trotz hoher Arbeitsbelastung wirtschaftlich immer stärker unter Druck geraten.

Der Schweizer Bauernverband distanzierte sich von den Aktionen und riet von einer Teilnahme ab. Meier kritisierte dies öffentlich. In einem Interview gab der Bauer zu verstehen, er finde der Verband setze zu stark auf politische Prozesse, während jedes Jahr weitere Höfe verschwinden würden.

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