
Die Scheune wird für Mutterkühe, Rinder und Jungvieh genutzt.
Kanton St. Gallen
Der Hof auf rund 1000 Metern über Meer wurde während dreissig Jahren von der Familie Fässler bewirtschaftet. Der Ackerbau ist infolge der Niederschläge und der ungenügenden Wärmeverhältnisse stark eingeschränkt. Die bisherigen Pächter haben den Betrieb in Form einer graslandbasierten Mutterkuhhaltung geführt. Ende 2025 lief der Pachtvertrag aus, das Ehepaar trat den Ruhestand an.
Besitzerfamilie
Der Betrieb umfasst insgesamt 78 Hektaren – davon 41 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, 16 Hektaren Weideland sowie 37 Hektaren Wald mit moderater Hanglage. Der Wert wurde auf 2,17 Millionen Franken veranschlagt. Der Kaufpreis war jedoch gesetzlich auf 2,8 Millionen Franken begrenzt.
Der Kanton hat die weitläufige Liegenschaft im Juni verkauft, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Die neue Besitzerfamilie wird die Liegenschaft als Landwirtschaftsbetrieb weiterführen. Weitere Angaben machte der Kanton nicht. Nach einem halbjährigen Leerstand gibt es auf dem Betrieb nun wieder Leben. Das ist ganz im Sinne mehrerer Politiker des Kantonsrats. Denn bei der Nachfolgeregelung gab es einige Hürden zu meistern.
Kritik am Kanton
Bereits im April 2025 wurde das Vorgehen des Kantons kritisiert. Dies deshalb, weil er nicht wusste, ob er den Betrieb verkaufen oder erneut verpachten soll. Landwirt und SVP-Kantonsrat Bruno Schweizer aus Brunnadern SG sagte damals zum «St. Galler Tagblatt»: «Wer sich etwas auskennt, weiss: Ein geregelter Übergang zu einem neuen Bewirtschafter ist faktisch nicht mehr möglich.» Man hätte spätestens ein bis zwei Jahre vor dem Ende des Pachtvertrags einen Grundsatzentscheid fällen müssen, sagte er weiter. Schweizer warnte, dass es mehrere Monate dauern würde, bis ein neuer Bewirtschafter einziehen werde. Der Landwirt hielt den Verkauf für die sinnvollste Lösung.
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Pikant: Bereits vor zwölf Jahren wollte der Kanton den Hof Barenegg verkaufen. Pächter Fässler wehrte sich vor Gericht. Er erhielt Recht, weil die Kündigungsfrist nicht eingehalten worden war.

Walter und Heidi Fässler haben den Hof Barenegg bis Ende 2025 geführt.
Susanne Meier
Im Herbst 2025 startete schliesslich der Verkaufsprozess. In der ersten Bieterrunde gingen 74 Angebote ein. Ende März endete die zweite Phase für die verbindlichen Angebote. Interessenten, die die Vorgaben des bäuerlichen Bodenrechts erfüllten, konnten ihr Angebot einreichen. Insgesamt machten 30 Parteien davon Gebrauch. Doch nicht allein das Angebot war ausschlaggebend. «Der Entscheid erfolgt auf der Grundlage einer Gesamtbeurteilung der eingegangenen Angebote», sagte der Kanton im April 2026 zum «St. Galler Tagblatt» . Berücksichtigt wurden unter anderem die Selbstbewirtschaftung und die persönliche Führung des landwirtschaftlichen Gewerbes.
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Stacheldraht
Auf dem Betrieb Barenegg gab es noch ein weiteres Problem zu beheben – den Stacheldraht. SVP-Kantonsrat Mirco Rossi hielt in seinem Vorstoss von Anfang 2026 fest, dass sich auf Land des Betriebs mehrere Kilometer Stacheldraht befinden. In seiner Interpellation forderte der Kantonsrat, dass der Kanton als Grundeigentümer seine eigenen Gesetze einhält, eine Vorbildfunktion zum Schutz des Wildes wahrnimmt und den Stacheldraht rasch entfernt. Denn der Einsatz von Stacheldraht ausserhalb des Sömmerungsgebiets ist seit dem 1. Oktober 2025 verboten. Bei Nichteinhaltung drohen Bussen bis 20'000 Franken.
→ Hof Barenegg: Ein Verkauf mit «Stacheldraht-Hypothek»?
Gemäss der St. Galler Regierung verliefen rund 2,9 Kilometer Stacheldrahtzaun innerhalb der Parzelle entlang der bewaldeten Flächen. Weitere rund 0,4 Kilometer befanden sich entlang der Grenzen zu den benachbarten Grundstücken. Die Kosten für die Entfernung muss aber nicht der neue Besitzer tragen. Das Hochbauamt hat ein Unternehmen mit der Entfernung des Stacheldrahts beauftragt. Die Arbeiten wurden nach der Schneeschmelze Ende April 2026 ausgeführt, schreibt der Kanton St. Gallen . Nur noch ein kleines Teilstück entlang des Sömmerungsgebiets ist vorhanden.
Hof Barenegg
Zum Hof gehören ein unter Denkmalschutz stehendes Wohnhaus mit neun Zimmern, einer Stückholzheizung, einer eigenen Quelle und einer Jauchegrube, ein Nebenhaus/Ferienhaus mit acht Zimmern, einem älteren Standard und einer Ofenheizung, mehrere frühere Milchvieh- und Rindviehställe, Scheunen, ein Alpstall sowie eine grössere Rindviehscheune aus dem Jahr 1987. Letztere wurde 2012 mit einer Jauchegrube, zusätzlichen Liegeplätzen und einem Hofdüngerlager ausgebaut und ist für Mutterkühe, Rinder und Jungvieh eingerichtet. Der Stall verfügt über einen grossen Strohlagerraum und einen Hofdüngerlagerraum. Die Stalleinrichtung ist für Mutterkühe ausgelegt und umfasst Entmistungsschieber, ein Güllerührwerk sowie einen fest installierten Mistkran.
Laut Verkaufsdokumentation des St. Galler Tiefbauamts ist die landwirtschaftliche Nutzfläche überwiegend steil bis stark geneigt und besteht teilweise aus drainierten Moorböden, was die maschinelle Bewirtschaftung erschwert. Der 78 Hektar grosse Hof ist unterteilt in 41 Hektaren LN, 16 Hektaren Weideland und 37 Hektaren Wald.