Tessin: 12’000 fordern Schutz vor Wölfen

Rund 12’000 Personen unterstützen eine Tessiner Petition zum Schutz der Alpwirtschaft vor der zunehmenden Wolfspräsenz. Gefordert werden rasche, wirksame und unbürokratische Massnahmen von Bund und Kantonen.

pd/ome |

Der Kanton Tessin ist geprägt von zahlreichen kleinen Alpen, von denen gemäss einer kantonalen Studie über 80 Prozent nicht ausreichend geschützt werden können. Mit dem Anstieg der Wolfspopulation haben in den letzten Jahren insbesondere die Angriffe auf Ziegen stark zugenommen, während die Zahl der Schafalpen gleichzeitig rückläufig ist.

Seit 2011 ist die Anzahl der mit Schafen und Ziegen beweideten Alpen von 145 auf heute noch 95 gesunken. Im Jahr 2025 wurden im Tessin rund 70 Wölfe gezählt. Zudem wurden eine Rekordzahl von 233 Nutztierrissen sowie 95 vermisste Tiere registriert. Wie der Tessiner Bauernverband mitteilt , ist dies eine unhaltbare Situation. In einer Petition wird der Schutz der Tessiner Viehzucht und Alpwirtschaft gefordert.

Petition fordert entschlossenes Handeln

Die von den wichtigsten Tessiner Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsverbänden lancierte Petition hat innerhalb von weniger als drei Monaten fast 12’000 Unterschriften gesammelt. Sie fordert von den kantonalen und eidgenössischen Behörden entschlossenes Handeln zum Schutz der Alpwirtschaft, die im Tessin ebenso wie in der ganzen Schweiz durch die unkontrollierte Zunahme von Grossraubtieren zunehmend bedroht ist.

-> Wölfe im Tessin: Bauern fürchten um ihre Alpwirtschaft

Die Petition «Basta perdere tempo! Salviamo ora o mai più l’allevamento e l’attività alpestre in Ticino!» («Keine Zeit mehr verlieren! Retten wir jetzt oder nie die Viehzucht und die Alpwirtschaft im Tessin!») wurde am 11. Mai den Mitarbeitenden von Bundesrat Albert Rösti übergeben. Sie zeigt die Grenzen passiver Schutzmassnahmen auf und verlangt wirksame Massnahmen zugunsten der Berg- und Alpwirtschaft. Gerade im UN-Jahr der Weiden und Hirten sowie im Hinblick auf die Anerkennung der Alpsaison als immaterielles Unesco-Kulturerbe wäre Untätigkeit eine bittere Ironie.

-> Bauer warnt vor Wolfsdruck (vgl. Bild oben).

Sichtungen auch in Siedlungsnähe

Die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs durch die Berner Konvention, wodurch er nun in derselben Kategorie wie der Steinbock eingestuft wird, markiere einen wichtigen Schritt. Dieser sei im Bundesrecht jedoch noch nicht vollständig umgesetzt. Zahlreiche vom Parlament angenommene Motionen belegen die breite politische Unterstützung dieser Anliegen.

-> Leben mit dem Wolf: Sie handeln, um die Herde zu retten (vgl. Bild unten)

Die Folgen der zunehmenden Wolfspräsenz betreffen nicht mehr nur Bergregionen. Sichtungen in Siedlungsnähe sorgen für Unsicherheit, gefährden private und öffentliche Investitionen und verursachen laut Tessiner Bauernverband jährliche Überwachungs- und Schutzkosten in Millionenhöhe, ohne dass ein Nutzen nachgewiesen werden konnte, wie verschiedene Studien zeigen.

Mit den Motionen Regazzi und Farinelli ( ->Wölfe auf Grund ihrer Anzahl regulieren ) haben die eidgenössischen Räte die Festlegung regionaler Höchstbestände für Wolfsrudel und Einzeltiere unterstützt . Diese Regulierung ist notwendig, verhältnismässig und mit dem Artenschutz vereinbar. «Die Regulierung muss effizient und unbürokratisch sein und unter Einbezug von entsprechend geschulten Dritten erfolgen», schreibt der Tessiner Bauernverband. 

-> Tessiner Viehzüchter demonstrieren gegen Wolf

Kommentare (4)

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  • Erich | 17.05.2026
    Flächendeckender Herdenschutz 👍.Abschuss nur selektiv, wie jener in Holland etc. Gerade speziell für Ziegen gäbe es eine Rasse der HSH, die schon eingeführt wurde in den letzten Jahren. Und wen wundert es, ja genau ins Tessin. Denn nur HSH sind 24/7 bei der Herde und können als erste dynamisch, auf verändertes Verhalten des Wolfes reagieren. Auf einer Website werden genau solche Hunde vermittelt. Ich habe mich schon bei der Demo letztes Jahr gefragt, wo denn die Hunde sind. Die Tierhalter dort müssten zumindest nicht noch erst die Sprache lernen, um sich solche Hunde zu holen. Unschützbare Gebiete sind für die Natur. Solche Motionen sind ein Gradmesser für den Willen zur Koexistenz von Menschen und Wildtieren.👎 Der Mensch braucht auch nicht in den hintersten Winkel zu gehen. Und die Waldgrenze ist Ende. Aber genau aus diesem Grund ist die Schweiz auch eine Randnotiz bei der Biologischen Vielfalt. Aber für jeden Wolfsabschuss Unsummen ausgeben!!! Das fehlt für HSH und anderes.
    • Monika Schertler | 18.05.2026

      Danke für den Kommentar!


      Absolut meine Meinung!


      Nicht schätzbare Almen sollen der Natur gehören. Dort haben Weidetiere nicht verloren.

  • Ambühl Baumann Therese | 16.05.2026
    Nirgendwo in der Welt schickt man Weidetiere ohne die Begleitung eines Hirten in die Berge und kassiert dafür noch Supventionen!!!
    Betreut die Tiere wie es sich gehört
    Und es gibt keinen Schaden!!
    • Monika Schertler | 18.05.2026
      In Österreich ist das auch so: Schafe werden auf die Almen gestellt und alle paar Tage schaut wer nach ihnen.
      Per Tierschutzgesetz sind Tierhalertinnen verpflichtet, ihre Tiere vor Beutegreifern zu schützen!
      Abschüsse mindern die Zahl der Weidetierrisse nicht nur flächendeckender Herdenschutz!
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