
Der Genfer Weinsektor sieht sich mit einer markanten Verschärfung der Marktlage konfrontiert. (Symbolbild)
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Der Genfer Weinsektor sieht sich mit einer markanten Verschärfung der Marktlage konfrontiert. In den vergangenen Tagen haben mehrere Genfer Winzerinnen und Winzer erfahren, dass ein bedeutender Abnehmer ihre künftigen Ernten ab 2026 nicht mehr übernehmen kann.
«Diese Nachricht macht deutlich, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Problem, sondern um eine strukturelle Krise handelt, die die Existenz zahlreicher Betriebe bedroht», heisst es in einer Mitteilung von AgriGenève und der Interprofession des Vignobles et des Vins de Genève (IVVG).
Positive Signale vom Bund
Die Unsicherheit über den Absatz der kommenden Ernten belaste nicht nur die einzelnen Weingüter, sondern wirke sich auch auf die Beschäftigung, die Investitionen und die gesamte kantonale Wertschöpfungskette aus. Ohne rasche und angemessene Reaktionen, drohen dem Kanton Genf laut den beiden Organisationen langfristige wirtschaftliche, soziale und auch landschaftliche Folgen.
Positiv bewertet die Branche die angekündigte Erhöhung des Bundesbeitrags um zehn Millionen Franken für strukturelle Verbesserungen. Diese Mittel können dabei helfen, Betriebe in einer schwierigen Übergangsphase zu stabilisieren. Gleichzeitig betonen AgriGenève und die IVVG, dass Massnahmen zur Verkleinerung des Weinbaugebiets freiwillig und reversibel bleiben müssen. Entscheidend sei nun, dass diese Übergangsinstrumente ohne Verzögerung aktiviert werden.
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Stärkerer Grenzschutz gefordert
Solche Massnahmen allein würden jedoch nicht ausreichen, um die Marktverschlechterung zu stoppen. Deshalb fordert die Branche zusätzliche, wirksame Eingriffe auf Marktebene. Dazu gehöre insbesondere die rasche Anwendung des Zollkontingents, das die Importe besser steuern und die einheimische Produktion stärken soll. Aktuell decken Schweizer Weine lediglich rund 30 Prozent des nationalen Konsums ab. Ohne regulierende Instrumente bleibt der Konkurrenzdruck durch internationale Anbieter gross.
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«Die Genfer Winzerinnen und Winzer sind mobilisiert und bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Analysen liegen vor, Lösungen sind bekannt», heisst es in der Mitteilung. Nun liege es an den politischen Entscheidungsträgern, diese Erkenntnisse in konkrete Taten umzusetzen. «Mit den Herausforderungen, denen sich die Branche gegenübersieht, steht ein ganzes Erbe auf dem Spiel: von Generation zu Generation weitergegebene Weingüter, lokale Arbeitsplätze und eine Landschaft, die unseren Kanton prägt.»