Genfer Winzer: «Die Situation ist inakzeptabel»

Die Genfer Weinbranche verzichtet 2026 erstmals auf Richtpreise, da die Marktpreise die Produktionskosten nicht mehr decken. Genfer Winzer fordern deshalb rasche politische Massnahmen, um die Zukunft des Schweizer Weinbaus zu sichern. 

pd/ome |

Die Branchenorganisation des Genfer Weinbaus und der Genfer Weine (IVVG) sieht sich ausserstande, für die Ernte 2026 einen Richtpreis festzulegen und ihren Mitgliedern angemessene Preisempfehlungen abzugeben. Wie die IVVG mitteilt, reichen die am Markt bezahlten Preise nicht aus, um die Produktionskosten zu decken. Die Winzer seien bereits durch den sinkenden Weinkonsum, steigende Produktionskosten und massive Importe zu sehr niedrigen Durchschnittspreisen geschwächt.

Nun sehen sie sich die Winzerinnen und Winzer laut IVVG zudem mit Marktteilnehmern konfrontiert, die ihre Notlage ausnutzen und ihnen unangemessen niedrige Preise diktieren. «Diese Situation ist schlichtweg inakzeptabel.» Ob sich diese Situation ändern wird, hängt unter anderem von einer Anpassung der Verteilung des Zollkontingents für Wein ab, über die der Bundesrat im Herbst entscheiden wird (siehe Kasten). 

Trotz aussergewöhnlicher Qualität bleiben Trauben hängen

Trotz der schwierigen Lage unternehmen die Genfer Winzerinnen und Winzer nach eingenen Angaben grosse Anstrengungen , um ihre Produktion an die aktuelle Marktsituation anzupassen. Dazu gehören die Rodung eines Teils der Rebflächen, das zweijährige Brachlegen von Parzellen und die Senkung der Produktionsquoten für die Weinlese 2026. Diese Massnahmen sollen die Lagerbestände begrenzen und ein dauerhaftes Marktgleichgewicht sichern, so die IVVG.

Das Paradoxe an der Situation sei, dass der Jahrgang 2026 voraussichtlich von aussergewöhnlicher Qualität sein wird. Dennoch werde ein Teil der Trauben weder geerntet noch vermarktet, da es an Absatzmöglichkeiten fehlt, die den Produzenten eine kostendeckende Vergütung ermöglichen würden.

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«Die Spielregeln müssen unverzüglich ändern»

Die Anstrengungen der Branche allein werden jedoch nicht ausreichen, solange der Markt unter diesen Bedingungen funktioniert. Die Produktionsflächen zu verkleinern und gleichzeitig unter den Produktionskosten zu verkaufen, sichere der Branche keine Zukunft. Die Zukunft des Schweizer Weinbaus hänge zwingend davon ab, den Marktanteil der Schweizer Weine zu erhöhen. «Die Spielregeln müssen sich unverzüglich ändern», schreibt die IVVG. 

Obwohl Weingüter und Branchenorganisationen in den vergangenen Jahren bedeutende Investitionen zur Förderung der Qualität Schweizer Weine getätigt haben, machen diese noch immer nur rund ein Drittel des nationalen Weinkonsums aus. Diese Entwicklung gefährde auch den Nachwuchs. Denn laut IVVG sehen heute viele junge Winzerinnen und Winzer keine realistische Möglichkeit mehr, einen eigenen Betrieb aufzubauen.

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IVVG unterstützt strengere Importregeln

«Hinzu kommt eine Wettbewerbsverzerrung, die die Branche nicht länger akzeptieren kann», schreibt die IVVG. Die Genfer Winzer investieren jedes Jahr mehr, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und die Biodiversität zu fördern. Gleichzeitig stammen viele importierte Weine aus Produktionssystemen mit deutlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards. «Dieses Ungleichgewicht ist nicht länger tragbar.»

Vor diesem Hintergrund unterstützt die IVVG die vom Bundesrat auf Antrag der Branche durchgeführte Vernehmlassung (siehe Kasten). Diese sehe vor,  angelehnt an den Artikel 22 des Landwirtschaftsgesetzes , die Zuteilung von Importkontingenten an die Übernahme von Schweizer Produktion zu knüpfen.  Aus Sicht der IVVG könne nur eine solche Massnahme die Zukunft des Schweizer Weinbaus sichern.

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Vernehmlassung abgeschlossen – Entscheidung des Bundesrats ausstehend

Der Bund hat im März 2026 eine Vernehmlassung zur «Änderung der Verordnung über den Rebbau und die Einfuhr von Wein» erlassen. Die Verordnungsänderung betrifft die Verteilung des WTO-Zollkontingents für Wein. Der Bund möchte günstige Importkontingente an den Kauf von Schweizer Trauben koppeln. Winzer befürworten dies als Schutz für den heimischen Markt. Importeure, Economiesuisse und Grossverteiler lehnen die Reform hingegen strikt ab. Sie warnen vor Bürokratie, höheren Preisen und WTO-Konflikten. Die Vernehmlassung ist abgeschlossen. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Vernehmlassung wird der Bundesrat im Herbst 2026 eine Entscheidung treffen. ome

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