Micarna-Schlachthof: Beschwerde gegen Baubewilligung

Die Migros-Tochter Micarna plant in Saint-Aubin FR den Bau eines neuen Geflügelschlachthofs. Das Projekt zählt zu den grössten Investitionen der Schweizer Fleischbranche der letzten Jahre. Seit längerem sorgt es für heftigen Widerstand. Nun wurde Beschwerde gegen die Baubewilligung eingereicht.

ome/pd |

Greenpeace Schweiz, der Verein EcoTransition-La Broye und 30 Einwohner von Saint-Aubin FR und Umgebung haben beim Kantonsgericht Freiburg Beschwerde gegen die Baubewilligung für den geplanten Micarna-Schlachthof eingereicht. Zuvor hatte der Oberamtmann des Broyebezirks die Einsprachen gegen das Projekt abgewiesen. Im geplanten Geflügelschlachthof der Migros-Tochter Micarna sollen jährlich über 30 Millionen Hühner verarbeitet werden.

Wie Greenpeace mitteilt, richtet sich die Beschwerde nicht nur gegen den Schlachthof selbst, sondern auch gegen die Detailerschliessung, die Mobilitätsplattform, die Pfahl-Tragfähigkeitsprüfungen sowie die geplanten Wasserleitungen. Seit 2022 engagieren sich Anwohner und Umweltorganisationen gemeinsam gegen die Pläne für den neuen Schlachthof in Saint-Aubin FR ( -> Widerstand gegen Geflügelschlachthof ).

Migros will veralteten Standort Courtepin ersetzen

Der neue Betrieb soll die rund 60 Jahre alte Anlage in Courtepin FR ersetzen, da diese laut Micarna das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hat. In St-Aubin sollen künftig jährlich über 30 Millionen Hühner verarbeitet werden, ursprünglich waren sogar von bis zu 40 Millionen Tieren pro Jahr geplant.

Migros begründet den Neubau mit der steigenden Nachfrage nach Schweizer Pouletfleisch, der Sicherung der Inlandproduktion ( -> Über ein Drittel wird importiert ), moderneren und effizienteren Produktionsprozessen sowie dem Erhalt regionaler Arbeitsplätze.

-> Neuer Geflügelschlachthof: Micarna erhält Baubewilligung

Widerstand von Greenpeace und Bürgerbewegungen

Besonders aktiv gegen das Projekt engagieren sich Greenpeace Schweiz und die Bürgerbewegung «Eco Transition La Broye». Sie kritisieren insbesondere die industrielle Tierhaltung, den hohen Importanteil beim Tierfutter, die Belastung von Klima und Biodiversität, den zusätzlichen Verkehr, den Wasserverbrauch, die mögliche Gewässerverschmutzung sowei die Lärm- und Geruchemissionen (->  Hunderte Einsprachen gegen Micarna-Hühnerschlachthof ).

Greenpeace argumentiert zudem, dass ein Innovationscampus wie AgriCo, der für den Schlachthof vorgesehen ist, besser für die Produktion pflanzlicher Lebensmittel oder die Verarbeitung von Hülsenfrüchten genutzt werden sollte.

Im Jahr 2025 erlitt der Widerstand einen Rückschlag, als das Freiburger Kantonsgericht eine Beschwerde gegen die Ortsplanung abwies. Das Gericht befand, die Einsprache sei verspätet erfolgt und hätte bereits im Jahr 2020 eingereicht werden müssen (- > Micarna: Rückschlag für Schlachthof-Gegner ). Im Frühjahr 2026 erhielt das Projekt die Baubewilligung des Freiburger Broyebezirks. Bewilligt wurden neben dem eigentlichen Verarbeitungsbetrieb auch die oben erwähnten Infrastrukturprojekte.

Beschwerde gegen Baubewilligung

Mit der nun eingereichten Beschwerde gegen die Baubewilligung kritisieren Greenpeace Schweiz, der Verein EcoTransition-La Broye und die 30 Einwohnerinnen aus Saint-Aubin FR unter anderem Verstösse gegen den Grundwasser-, Natur- und Klimaschutz sowie eine ungenügende Umweltverträglichkeitsprüfung. «Der Bau dieses Schlachthofs ist mit den Klimazielen unvereinbar», sagt Sera Pantillon von Greenpeace Schweiz.

Laut den Beschwerdeführern fehlen insbesondere Angaben zu den Klimaauswirkungen des Projekts. Zudem seien die Zonenkonformität, die Planungsmassnahmen und die Interessenabwägung mangelhaft. «Der Standort ist für eine Anlage dieser Art schlecht gewählt. Die Risiken wurden nicht ernsthaft geprüft», erklärt Alaric Kohler, Präsident von EcoTransition-La Broye. Gleichzeitig wird die aufschiebende Wirkung der Beschwerde beantragt. Damit solle verhindert werden, dass mit den Bauarbeiten begonnen wird, bevor das Kantonsgericht Freiburg entschieden hat.

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