Mit Jersey-Milch zum Erfolg: Wie ein Hof neue Wege ging

Als die Milchpreise in den 1990er-Jahren einbrachen, suchte Martin Zemp nach neuen Wegen für seinen Hof im Entlebuch. Was als Nische im Hofladen begann, findet sich heute in den Regalen zahlreicher Detailhändler.

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Der Hitzesommer sorgt auf dem Hof Schintbühl im Entlebuch für reges Treiben. Auf dem in vierter Generation geführten Hof packen nicht nur Martin Zemp und Manuela Thalmann an, sondern auch die sechs Kinder und die Grosseltern.

Aus hofeigener Milch ihrer Jersey-Kühe und mit möglichst regionalen Zutaten produzieren sie Glace mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Neben Klassikern wie Vanille, Erdbeere oder Schokolade gibt es auch ausgefallenere Sorten wie Schwarzwälder, Lebkuchen oder «Heubeeri». Die Glacéproduktion läuft auf Hochtouren.

Ein theatralischer Startschuss

Die Grundlage für den Erfolg der Schintbühl-Glace wurde bereits in den 1990er-Jahren gelegt, wie das «SRF-Regionaljournal Zentralschweiz» berichtete. Der damals starke Rückgang des Milchpreises liess Martin Zemp eine Idee weiterverfolgen, die er während seiner Abschlussreise zum Landwirt bei einer Bauernfamilie im süddeutschen Raum aufgeschnappt hatte. Dort erkannte er, dass sich aus der Milch der Kühe mehr herstellen lässt als «nur» Käse.

Den entscheidenden Schub erhielt das Projekt jedoch im Hitzesommer 2003. Damals produzierte Zemp für das Landschaftstheater Escholzmatt erstmals grössere Mengen Glace. Die Resonanz war gross und bestätigte ihn in seinem Vorhaben. «Das war für uns der Startschuss für grössere Investitionen», erzählte Martin Zemp dem Regionaljournal. Der 27 Hektaren grosse Betrieb beschäftigt heute acht Teilzeitangestellte. 

30 verschiedene Glace-Sorten

Die Produktion wurde zunehmend professionalisiert. Zunächst wurden die Produkte im Hofladen verkauft, später kamen Gastronomiebetriebe als Kunden hinzu. Heute ist die Schintbühl-Glace auch in den Regalen von Coop, Landi, Spar und Volg erhältlich. Das Sortiment umfasst 30 Glace-Sorten.

Die Milch stammt von den 38 Jersey-Kühen des Hofes, der auf rund 700 m ü.M. in der Bergzone 1 liegt. Der Betrieb ist auf Vollweide ausgerichtet. Die Tiere liefern besonders gehaltvolle Milch mit einem hohen Protein- und Fettanteil. Laut der Familie eignet sich diese Milch ideal für die Glacéproduktion. Zudem benötigen Jersey-Kühe weniger Wasser und verursachen geringere Treibhausgasemissionen.

Qualität und Nachhaltigkeit

Qualität und Nachhaltigkeit stehen für die Familie an oberster Stelle. Die Zutaten stammen vom eigenen Hof oder, wenn immer möglich, aus der Region. Die verwendeten Becher bestehen aus Faserkarton und sind biologisch abbaubar. «Wenn man bei der Qualität zu viele Kompromisse eingeht, kann man das Produkt nicht verkaufen», sagte Zemp dem Regionaljournal.

Ein wichtiger Faktor für die Vermarktung sei zudem die Dachmarke «Echt Entlebuch». Diese habe dem Betrieb viele Türen geöffnet und dazu beigetragen, die Produkte über die Region hinaus bekannt zu machen. Der Hitzesommer 2026 kommt dem Hof Schintbühl gelegen: «Für unser Glacegeschäft ist es wunderbar, wenn wir einen solchen Sommer haben», so Manuela Thalmann.

Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Artikel: 

-> Erfolgreich mit eigener Glacé vom Hof -> Der Glace-Coach verhilft zu Mehrwert für Milch vom Hof

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