
In Regionen mit hohen Tierbeständen entstehen hohe Überschüsse an Stickstoff und Phosphor aus Gülle und Mist. Diese belasten die Umwelt.
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Die Reduktion von Nährstoffverlusten bis 2030 ist eine der zentralen Herausforderungen für die Schweizer Landwirtschaft. Der Kanton Luzern mit seiner hohen Tierdichte bietet ideale Voraussetzungen für eine praxisorientierte Forschung zugunsten einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Ein Betriebsnetzwerk von 26 Milchvieh- und Schweinebetrieben hat dazu für das im Jahr 2021 in Sursee gestartete Projekt «Versuchsstation Nährstoffflüsse» (VSLU) eine umfassende Datengrundlage geliefert.
Im ersten grossen Teilprojekt ging es darum, die Nährstoffflüsse zu erheben und auszuwerten. Mitte Juni haben die Projektverantwortlichen die Auswertungen dieses Teilprojektes zu den Stickstoff- und Phosphorflüssen präsentiert. Die Ergebnisse zeigen auf, wo auf den beteiligten Luzerner Praxisbetrieben Stickstoff und Phosphor anfallen, genutzt oder verloren gehen. Wie der Kanton Luzern mitteilt, bilden diese Informationen die Grundlage, um gezielte Massnahmen zur Reduktion von Nährstoffverlusten unter Praxisbedingungen zu bewerten.
Betriebsbilanzierung zeigt umfassendes Bild
Im Zentrum des Teilprojekts standen die Erhebung und Auswertung von Daten. Auf den beteiligten Betrieben wurden dazu sämtliche Nährstoffzuflüsse und -abflüsse erfasst und bilanziert, um mögliche Verluste systematisch zu identifizieren. Ergänzend wurden die Nährstoffgehalte in Futtermitteln und Hofdüngern analysiert und mit Referenzwerten verglichen.
«Das Projekt schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen in der Praxis.»
Die Ergebnisse zeigen eine gute Übereinstimmung mit den bestehenden Referenzwerten. «Gleichzeitig wurde deutlich, dass die grössten Fehlerquellen bei der mengenmässigen Erfassung vorliegen», schreibt der Kanton. Dazu zählen insbesondere Schätzungen von Gewicht und Menge von Futtermitteln wie Heu oder Siloballen. Diese Ungenauigkeiten beeinflussten die Bilanzresultate und seien bei deren Interpretation zu berücksichtigen.
«Mit der Betriebsbilanzierung erhalten wir ein umfassendes Bild der realen Nährstoffflüsse auf Betriebsebene», sagt Thomas Steinsberger, Leiter der Versuchsstation Nährstoffflüsse. «Das schafft Transparenz, bestätigt bisherige Annahmen und zeigt konkrete Ansatzpunkte, um Emissionen wirksam und praxisnah zu reduzieren.»
-> Landwirtschaft: Nährstoffverlust gesunken
Effizienzsteigerung auf Schweinemastbetrieb
Bereits im ersten Projektteil wurde gemeinsam mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) ein Fütterungsversuch für eine effizientere Schweinemast auf einem Betrieb der VSLU durchgeführt. «Die Ergebnisse zeigen, dass durch eine gezielte Veränderung in der Rezeptur der Futtermittel die Stickstoffeffizienz der Schweinemast erhöht werden konnte», heisst es. Die Erarbeitung und Anpassung der Rezeptur erfolgte gemeinsam mit dem Landwirt, um betriebsspezifische Faktoren zu berücksichtigen und die Akzeptanz der Massnahme zu erhöhen.
-> Schweinehaltung: Futteranpassung senkt Nährstoffüberschüsse
Versuchsstation Nährstoffflüsse
In Regionen mit hohen Tierbeständen entstehen hohe Überschüsse an Stickstoff und Phosphor aus Gülle und Mist. Diese belasten die Umwelt. Die Versuchsstation Nährstofflüsse im Kanton Luzern sucht nach Lösungen, um die Nährstoffeffizienz zu erhöhen und die Emissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren.
Herzstück der Versuchsstation ist ein Betriebsnetzwerk mit 26 Landwirtschaftsbetrieben. Umgesetzt wird das Projekt von folgenden Partnern: Agroscope, Kanton Luzern, Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV), Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), Suisseporcs, Agridea. pd
Technologie-Check an der Versuchsstation
Auch wurden in den letzten Jahren verschiedene Möglichkeiten getestet, um die Hofdüngerqualität auf den Betrieben zu evaluieren. Im Fokus standen ein hochmodernes Nahinfrarot-Spektrometer (NIRS) zur direkten Messung von Nährstoffen in der Gülle und ein einfaches Gülle-Hydrometer.

Laut Markus Kretz, dem Präsidenten des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, müssen nachhaltige Verbesserungen bei der Nährstoffeffizienz sowohl ökologische als auch betriebswirtschaftliche Anforderungen berücksichtigen.
Elsbeth Schär
«Die Auswertungen belegen, dass das NIRS den Praxistest wegen zu grosser Unterschiede zu den Labor-Messwerten nicht bestanden hat», lautet ein Fazit der Projektverantwortlichen. Dagegen konnte das Hydrometer die Trockensubstanz der Gülle zufriedenstellend messen.
-> Hier können Sie die wissenschaftlichen Publikationen zum Projekt einsehen.
Nächste Projektphase: Massnahmen unter Praxisbedingungen
In der nächsten Projektphase knüpft die Versuchsstation an die Arbeiten der Grundbilanzierung an. Auf Basis der erhobenen Daten und der bisherigen Erfahrungen werden Massnahmen zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten auf einzelbetrieblicher Basis identifiziert, überprüft und – wo sinnvoll – gemeinsam mit den Betrieben umgesetzt.
«Nachhaltige Verbesserungen bei der Nährstoffeffizienz müssen sowohl ökologische als auch betriebswirtschaftliche Anforderungen berücksichtigen», hält Markus Kretz vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband fest. «Das Projekt schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen in der Praxis.»
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