«Die Ursache konnte bisher nicht identifiziert werden», sagte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Freitag gegenüber wie der Nachrichtenagentur sda.
Verschiedene Tierhaltende berichten laut dem BLV insbesondere über Fieber und Durchfall, häufig verbunden mit einem deutlichen Rückgang der Milchleistung. Das Amt bestätigte damit Berichte von Fachmedien wie dem «Schweizer Bauer» und der «Bauernzeitung». Unspezifische Symptome wie Fieber oder Durchfall könnten dem BLV zufolge auf eine hochansteckende Tierseuche hindeuten. Hinweise auf ein Risiko für Konsumentinnen und Konsumenten durch den Verzehr von Milch oder Fleisch gibt es laut dem Bundesamt aber derzeit nicht.
Extremer Durchfall, Fieber und massiver Milchrückgang
«Extremer Durchfall, Fieber, massiver Rückgang der Milchleistung, Erhöhung der Zellzahlen und Fressunlust», schilderte Landwirtin Monika Helfer aus Courlevon FR gegenüber «Schweizer Bauer» vor einigen Taggen die Symptome ihrer Kühe. Was zuvor mit Einzeltieren anfing, griff rasant auf die ganze Herde über. Die Milchleistung der Herde ist von 32 kg pro Tier und Tag um knapp ein Drittel auf 22 kg eingebrochen. Manche Tiere geben, laut Helfer, fast keine Milch mehr.
«Eine mögliche Erklärung ist der Hitzestress», sagte Tierarzt Beat Berchtold zum «Schweizer Bauer». Das Immunsystem sei geschwächt. «Bei hohen Temperaturen wird mehr Blut in die Haut umgeleitet, um den Körper zu kühlen. Dadurch wird der Darm schlechter durchblutet und zeitweise mit weniger Sauerstoff versorgt. Die Darmbarriere kann geschädigt werden, wodurch Entzündungsreaktionen begünstigt werden», erklärte der Tierarzt.
Erreger, die natürlicherweise auf den Betrieben vorkommen, haben so leichtes Spiel. «Es werden Proben auf Blauzungenvirus, Schmallenberg und Coronavirus untersucht», so der Tierarzt. Neben Viruserkrankungen würden auch andere Ursachen, etwa Durchfallerreger, abgeklärt. «Wie stark sich die Auswirkungen auf Gesundheit und Leistung zeigen, hängt entscheidend davon ab, welche Massnahmen die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter frühzeitig ergreifen», führte er aus. Wenn aber bereits zahlreiche Massnahmen wie Grossraumlüfter oder Wassernebel umgesetzt worden seien, sei die Situation oft sehr anspruchsvoll.
-> «Welcher Erreger dahinter steckt, ist noch unklar»
SMP: «Lage ist kritisch»
Bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) beurteilt man die Gesamtlage dennoch als gravierend. «Die Lage ist kritisch», teilte der Verband auf Anfrage mit. «Tiefe Milchpreise, Trockenheit, Hitzestress, kranke Tiere und fehlendes Futter treffen zusammen. Diese Kumulation bringt zahlreiche Betriebe an ihre Grenzen und gefährdet wirtschaftliche Existenzen.»
Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen treffen die Höfe je nach Region unterschiedlich stark: Während manche Gebiete kaum betroffen sind, melden andere Betriebe Mengeneinbrüche bei den Milcheinlieferungen von bis zu knapp 10 Prozent. Betriebsaufgaben seien unter diesen Umständen «ein realistisches Risiko». Zwar sei die Milchversorgung nicht akut gefährdet, mittel- bis langfristig stehe die flächendeckende Produktion in der Schweiz aber unter Druck.
Ursachenforschung läuft in alle Richtungen
Auf der Suche nach den Auslösern laufen beim Bund derzeit Abklärungen in verschiedene Richtungen. Fachleute untersuchen sowohl stoffwechselbedingte (metabolische) als auch infektiöse Ursachen. An den Analysen sind Tierärztinnen und Tierärzte, Rindergesundheit Schweiz, veterinärmedizinische Universitäten, Labore sowie die Veterinärbehörden beteiligt. Bislang sei jedoch kein konkreter Erreger nachgewiesen worden.
Das BLV wies darauf hin, dass Symptome wie Fieber oder Durchfall auch auf eine hochansteckende Tierseuche hindeuten könnten. Tierhaltende sollten bei Auffälligkeiten umgehend die Veterinärmedizin beiziehen. Ein direkter Zusammenhang mit der aktuellen Hitzewelle ist laut Behörde bisher nicht wissenschaftlich belegt – hohe Temperaturen belasteten Hochleistungskühe jedoch erheblich und machten sie anfälliger für Erkrankungen.

Viele lachen aber ein Versuch ist es Wert.
Wünsche Euch alles Gute.