
Eine Übertragung von Tuberkuloseerregern zwischen Wildtieren und Rindern ist in beide Richtungen durch direkten Tierkontakt oder durch verunreinigtes Wasser oder Futter möglich.
Proviande
Die Rinder-Tuberkulose beschäftigt im österreicischen Vorarlberg seit Monaten. Nun wurden in zwei bereits gesperrten Betrieben im Bezirk Bregenz erneut infizierte Tiere festgestellt. Bei vier von fünf am 2. Oktober 2026 diagnostisch getöteten Rindern sei die PCR-Untersuchung positiv ausgefallen, teilt das Land Vorarlberg mit.
Die neuen Befunde beträfen den am 25. September gemeldeten Betrieb sowie einen weiteren, seit rund vier Monaten gesperrten Betrieb. Neue Betriebe seien nicht hinzugekommen, schreibt das Land Vorarlberg.
Im Bezirk Bregenz ist der erste Fall von Rinder-Tuberkulose (TBC) nach Abschluss der diesjährigen Alpsaison aufgetreten. https://t.co/qNDi0nJ4cZ
— Kronen Zeitung (@krone_at) September 25, 2026
Positive Befunde auf Gemeinschaftsweide
Im ersten Betrieb seien zwei weitere Rinder auf einer Gemeinschaftsweide im Hauttest auffällig gewesen. Eines davon habe einen positiven PCR-Befund aufgewiesen. Bereits zuvor seien im Betrieb vier Tiere positiv getestet worden.
Da die Rinder auf einer Gemeinschaftsweide gehalten worden seien, müssten auch Kontakttiere berücksichtigt werden. Bei einem bestätigten Nachweis mittels Bakterienkultur würden auch diese für den Tierverkehr gesperrt, teilt das Land Vorarlberg mit.
Sperre teilweise aufgehoben
Im zweiten Betrieb seien bei einer Nachuntersuchung drei Rinder im Hauttest auffällig gewesen. Alle drei hätten positive PCR-Befunde ergeben. Die Sperre bleibe für diesen Teilbestand bestehen. Für die seit Anfang Juni getrennt gehaltenen Kühe, deren Nachuntersuchungen negativ ausgefallen seien, werde sie dagegen aufgehoben, informiert das Land Vorarlberg weiter.
Bereits im April 21 Rinder getötet
Die Rinder-TBC hatte Vorarlberg bereits im April beschäftigt. In einem Betrieb im Bezirk Dornbirn mussten 21 Rinder getötet werden, nachdem mehr als die Hälfte des Bestands infiziert war. Die Fälle standen laut damaliger Mitteilung im Zusammenhang mit einer Alpung ausserhalb Vorarlbergs. Ein weiterer Betrieb im Bezirk Dornbirn wurde vorsorglich gesperrt.
Ob die aktuellen Fälle im Bezirk Bregenz mit dem Ausbruch im April zusammenhängen, geht aus den Mitteilungen des Landes Vorarlberg nicht hervor.
Tuberkulose
Die Schweiz gemäss Behörden bei Nutz- und Wildtieren als frei von der bakteriellen Infektionskrankheit. Die Tuberkulose ist eine chronisch verlaufende, bakterielle Infektionskrankheit. Wildtiere, Nutztiere und Menschen können daran erkranken. Der aktuell dominierende Erreger bei den Tuberkulosefällen bei Rothirschen in Westösterreich und Süddeutschland ist das Bakterium Mycobacterium caprae. Es kann auf Rinder, aber auch auf den Menschen übertragen werden.
Wildtiere (vor allem Rotwild, Schwarzwild und Dachse) können sogenannte «Reservoire» der Tuberkuloseerreger sein. Das heisst, die Krankheit kann sich zum Teil unbemerkt über lange Zeit in den freilebenden Populationen erhalten und so immer wieder zu Ansteckungen bei Rindern führen. Eine Übertragung von Tuberkuloseerregern zwischen Wildtieren und Rindern ist in beide Richtungen durch direkten Tierkontakt oder durch verunreinigtes Wasser oder Futter möglich.
Beim Rind kann die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Anzeichen der Krankheit Monate bis Jahre dauern. In einer späten Phase der Erkrankung zeigt sich die Tuberkulose bei Rindern als chronisch-auszehrende Krankheit mit vergrösserten Lymphknoten, Fieberschüben, Milchleistungsrückgang und Abmagerung. Diese Symptome können aber auch bei anderen Krankheiten auftreten. Ohne Abklärung im Labor kann die Diagnose Rindertuberkulose nicht abschliessend gestellt werden. Alle Säugtiere und der Mensch können sich anstecken. Die Rindertuberkulose kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden.
Die Tuberkulose ist eine auszurottende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt melden.