Innert kürzester Zeit seien ungewohnt viele Bundesentscheide zum Nachteil der einzigen Schweizer Pferderasse bekannt geworden. In einem Brief, der letzte Woche vor dem Grossanlass Marché-Concours in Saignelégier JU veröffentlicht wurde, äusserte der SFV die Befürchtung, dass sich der Bund schrittweise aus dem Pferdesektor zurückzieht.
«Wir wollten deshalb die Politiker, die am Marché-Concours anwesend waren, für diese Problematik sensibilisieren, damit sie bei den Bundesbehörden intervenieren, um unsere Sorgen weiterzugeben», sagte Pauline Queloz, Geschäftsführerin des SFV, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Zahlreiche Personen aus der Politik, darunter Bundesrat Albert Rösti und Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, waren am Wochenende in Saignelégier JU.
Rassenerhaltungsbeiträge könnten halbiert werden
Für grosse Sorge sorgt beim Verband die geplante Neueinstufung des Freibergerpferdes im genetischen Monitoringsystem GENMON des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Der Gefährdungsstatus soll voraussichtlich von «kritisch» auf «gefährdet» gesenkt werden. Diese Einstufung hat direkte finanzielle Folgen: Der Bundesbeitrag für den Erhalt der Rasse würde sich von derzeit 500 auf 250 Franken pro geborenem Fohlen halbieren.
Der SFV kann diese Einschätzung nicht nachvollziehen. Nach Angaben des Verbands sinkt die Zahl der Fohlengeburten seit Jahren weiter. Gleichzeitig hätten sich weder der Inzuchtgrad noch der Verwandtschaftsgrad verbessert. Der Verband steht deshalb mit dem BLW im Austausch und verlangt eine nachvollziehbare Begründung für die neue Bewertung. Aus Sicht des SFV würde eine Kürzung die Motivation der Züchter und ihre Investitionsbereitschaft zusätzlich schwächen und den Fortbestand der Freibergerzucht gefährden.
Weniger Geld für die Vermarktung
Bereits im Mai informierte das BLW den Verband darüber, dass die Bundesmittel für die Absatzförderung schrittweise gestrichen werden sollen. Der heutige Beitrag von 60'000 Franken soll 2027 auf 40'000 Franken, 2028 auf 20'000 Franken sinken und ab 2029 vollständig entfallen.
Mit diesen Geldern finanzierte der SFV unter anderem Auftritte an Messen wie der BEA und der OFFA sowie Verkaufsveranstaltungen und Projekte wie «FM in der Reitschule», «e-FM» oder die Fohlenauktion des National FM in Avenches. Nach Einschätzung des Verbands wären solche Projekte ohne Bundesgelder künftig kaum mehr realisierbar.
Forschung am Nationalgestüt vor dem Aus
Zusätzliche Unsicherheit bringt die Ankündigung von Agroscope, den Forschungsbereich Pferd am Schweizer Nationalgestüt in Avenches aufzuheben. Dort wird unter anderem zu Tiergesundheit, Genetik, Fortpflanzung, Tierwohl und nachhaltiger Pferdehaltung geforscht.
Der SFV bezeichnet den geplanten Abbau als erheblichen Verlust für die Schweizer Pferdezucht. Das Nationalgestüt sei mehr als ein Hengstdepot und erfülle einen gesetzlichen Auftrag als Kompetenzzentrum für die Pferdebranche.
Verband fordert Anerkennung der Bedeutung des Pferdes
Grundsätzlich beobachtet der Verband, dass die Bedeutung des Pferdes innerhalb der Landwirtschaft zunehmend infrage gestellt werde. Begründet werde dies unter anderem mit dem geringen Beitrag zur Ernährungssicherheit.
Der SFV widerspricht dieser Sichtweise deutlich. Pferde seien für zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe eine wichtige Einkommensquelle – etwa durch Zucht, Pensionshaltung, Tourismus oder Freizeitangebote. Zudem leisteten sie einen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft, zur Biodiversität sowie zur wirtschaftlichen Entwicklung ländlicher Regionen. Die Bedeutung des Pferdes dürfe deshalb nicht allein auf die Fleischproduktion reduziert werden.
