«Ist die Rehkitzrettung für Bauern Hobby oder Pflicht?»

Jedes Frühjahr geraten Rehkitze bei der Heuernte in Lebensgefahr. Moderne Technik und freiwilliges Engagement können viele Tiere retten. Doch rechtlich bleibt die Frage offen, wie weit die Verantwortung der Landwirte reicht. Eine parlamentarische Anfrage verlangte vom Freiburger Staatsrat Antworten.  

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Jedes Jahr im Frühling bringen Rehgeissen ihre Jungen im hohen Gras zur Welt. Die neugeborenen Kitze sind nahezu geruchlos und durch ihr geflecktes Fell perfekt getarnt. Bei Gefahr rennen sie nicht weg, sondern verharren regungslos am Boden. Dies ist ein angeborener Schutzinstinkt, der ihnen zwar gegenüber natürlichen Feinden hilft. Gegen moderne Mähmaschinen ist dieses Verhalten allerdings lebensgefährlich.

Gerade in den Monaten Mai und Juni fallen jedes Jahr zahlreiche Rehkitze der landwirtschaftlichen Mahd zum Opfer. Dank neuer technischer Möglichkeiten wie Wärmebilddrohnen und dank dem grossen Engagement von Freiwilligen gelingt es zwar zunehmend, Tiere zu retten. Doch die Frage nach der Verantwortung bleibt: Ist die Rehkitzrettung ein freiwilliges Hobby oder eine Pflicht der Landbewirtschafter?

Keine explizite Pflicht, aber klare Verantwortung

«Sind die Landwirte im Kanton Freiburg verpflichtet ihre Felder vor dem Einsatz von grossen Mähmaschinen nach Rehkitzen absuchen zu lassen?» Diese Frage stellte Grossrätin Julia Senti (SP) dem Freiburger Staatsrat in einer parlamentarischen Anfrage. In seiner Antwort hält der Staatsrat fest, dass eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht, Felder vor dem Mähen systematisch nach Rehkitzen absuchen zu lassen, nicht besteht. Dennoch ergebe sich aus dem Tierschutzrecht eine klare Verantwortung.

«Im Falle der Tötung eines Rehkitzes wäre es Aufgabe der Gerichtsbehörde, zu beurteilen, ob Straftatbestandsmerkmale, insbesondere eine vorsätzliche und qualvolle Tötung vorliegen»

Staatsrat des Kantons Freiburg

Gemäss dem eidgenössischen Tierschutzgesetz ist es verboten, Tieren ungerechtfertigt Schmerzen oder Leiden zuzufügen oder sie qualvoll zu töten. Ergänzend untersage die kantonale Verordnung zum Schutz wildlebender Tiere deren absichtliche Störung. Landwirtinnen und Landwirte, die mit der Anwesenheit von Rehkitzen rechnen müssen, sind daher verpflichtet, alles Zumutbare zu unternehmen, um die Tiere zu schützen.

«Im Falle der Tötung eines Rehkitzes wäre es Aufgabe der Gerichtsbehörde, zu beurteilen, ob Straftatbestandsmerkmale, insbesondere eine vorsätzliche und qualvolle Tötung vorliegen», heisst es in der Antwort des Staatsrates.

-> Wenn Hightech Herz zeigt: Rehkitzrettung mit Drohnen

Gut organisierte Freiwilligenarbeit

Senti wollte auch wissen, wie es bezüglich der Rehkitzrettung im Kanton aussieht. Der Antwort ist zu entnehmen, dass die Rehkitzrettung im Kanton Freiburg gut organisiert ist. Zwei spezialisierte Vereine (Rehkitzrettung Freiburg und Rehkitzrettung Sense-See) engagieren sich jedes Jahr unentgeltlich im Feld. Unterstützt werden sie dabei von Jägerinnen und Jägern, Landwirtinnen und Landwirten, Wildhütern sowie weiteren Freiwilligen.

Auf die Frage nach Unterstützung verweist der Kanton Freiburg darauf, dass die Freiwilligenarbeit finanziell gefördert wird. Gemäss einem Leistungsvertrag überweist der Staat jährlich 16’000 Franken an den Freiburger Jagdverband für die Organisation der Rehkitzrettung. Zusätzlich beteiligen sich mehrere Gemeinden direkt oder indirekt an der Finanzierung der Einsätze.

-> «In rund 99 Prozent der Fälle finden wir die Rehkitze»

Schweizweite Organisation, kantonale Verantwortung

Auf nationaler Ebene koordiniert der gemeinnützige Verein Rehkitzrettung Schweiz die Aktivitäten und unterstützt den Erfahrungsaustausch. Die konkrete Umsetzung liegt jedoch in der Verantwortung der einzelnen Kantone. Die Mehrheit setzt auf freiwillige Organisationen und entschädigt diese mit Pauschalbeiträgen. In Grenzregionen arbeiten die Kantone und Vereine eng zusammen.

Das Video unten zeigt, wie Sie Felder für einen Drohneneinsatz anmelden können.  -> Rehkitzrettung: Felder anmelden

Der Staatsrat betont, dass die Zahl geretteter Rehkitze in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist – dank besserer Sensibilisierung, technologischem Fortschritt und grossem ehrenamtlichen Einsatz. Landwirtinnen und Landwirte seien durch ihre Ausbildung mit der Problematik vertraut und wüssten, an wen sie sich für Unterstützung wenden können.

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