Traktoren legen Europas Verkehrsadern lahm

Von Spaniens Mittelmeerautobahn AP-7 bis nach Paris blockieren Landwirte wichtige Routen – aus Protest gegen steigende Kosten, politische Vorschriften und Freihandelsabkommen. Wie sich die Protestaktionen nach dem Ja der EU zum Mercosur-Freihandelsdeal entwickeln werden, ist offen.

ats/ blu |

Landwirte im Mittelmeerraum und in weiteren EU-Ländern blockieren seit Tagen Autobahnen und Strassen, um gegen steigende Produktionskosten, Bürokratie und das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen zu protestieren.

Wie zahlreiche Posts in den sozialen Medien sowie diverse Medienberichte in den entsprechenden Ländern zeigen, versperren Hunderte von Traktoren die zentralen Verkehrsachsen, wodurch wichtige Handelswege vorübergehend stillstehen.

Spanien: AP-7 als Schlüsselroute

Im Norden Kataloniens sperrten Bauern Teile der Autobahn AP-7 (Mittelmeerautobahn) bei Pontós sowie Zufahrten zur N-II und zum Hafen von Tarragona. Die AP-7 ist eine zentrale Nord-Süd-Verbindung Spaniens und wichtig für den Transport von Gemüse und Früchten, Getränken und anderen temperaturempfindlichen Gütern nach Frankreich und in den Rest Europas.

Proteste in Frankreich, Belgien und Griechenland

Auch in Griechenland blockierten Landwirte für 48 Stunden zentrale Autobahnabschnitte, darunter die Strecke Athen–Thessaloniki. Die Landwirte forderten eine raschere Auszahlung von Agrargeldern. Zudem brachten sie ihre Ablehnung gegenüber dem Mercosur-Deal zum Ausdruck. «Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir nicht mehr weitermachen können. Sie haben uns in die Verzweiflung getrieben», sagte Yiannis Baritas, ein Gemüseproduzent und Vater von fünf Kindern, an einer Strassensperre in Südgriechenland zu den Medien. 

In Frankreich fuhren Traktoren bis ins Zentrum von Paris und blockierten Zufahrten trotz Verbots. Auch an der Grenze zu Belgien kam es zu Strassensperren. Die Proteste setzten sich auch in Belgien und anderen Teilen Europas fort.

Ausschreitungen bei Bauernprotest

Am 18. Dezember protestierten in Brüssel Tausende Landwirtinnen und Landwirte gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten sowie gegen die vielen Vorschriften protestiert. Es kam zu Konfrontationen mit der Polizei. ->  Hier gehts zum Artikel

EU-Mehrheit für Mercosur-Freihandel

Trotz des anhaltenden Widerstands von Bauern und mehreren Regierungen haben sich ausreichend viele EU-Mitgliedstaaten im Rat für das Mercosur-Abkommen ausgesprochen und damit den Weg für dessen Abschluss frei gemacht . Dies gelang insbesondere, weil Italien seine Zustimmung erteilte, nachdem der EU-Kommission Zugeständnisse gemacht wurden, um Bedenken des Agrarsektors zu adressieren. Damit wurde die erforderliche Mehrheit erreicht, die eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ermöglicht.

Die EU-Kommission rechnet mit deutlich gesteigerten Exportmöglichkeiten, besonders für Industrieprodukte und Fahrzeugteile. Kritiker befürchten jedoch, dass billigere Agrarimporte wie Rindfleisch, Geflügel, Zucker und weitere Produkte verstärkt auf den europäischen Markt gelangen könnten, was die lokalen Bauern zusätzlich unter Druck setzt.

Diese Mengen hat die EU den Mercosur-Staaten zugestanden

Gemäss der  deutschen Bauernzeitung  werden folgenden zollfreie Kontingente zugestanden:

  • Geflügel: 180’000 Tonnen. Das entspricht 1,3 % der europäischen Jahresproduktion.
  • Rindfleisch: 99’000 Tonnen. Das entspricht 1,5 % der jährlichen europäischen Schlachtmenge.
  • Zucker: Das Freikontingent entspricht etwa 1 % des EU-Verbrauchs.

Es ist ein Abbau von Zöllen für Butter (um 30 %) und Joghurt (um 50 %) vereinbart. Zudem werden Quoten für Käse und Milchpulver geschaffen.

Hintergrund und laufende Proteste

Die Protestierenden sehen den Mercosur-Deal als Bedrohung für die heimische Landwirtschaft. Regierungen versuchen unterdessen, den Dialog zu fördern und mögliche Kompromisse bei Agrargeldern, Energiepreisen und Handelspolitik auszuloten, während der Druck auf EU-Institutionen und nationale Parlamente anhält.

Der Mercosur-Deal sei nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht und Landwirtinnen und Landwirte auf die Strassen getrieben habe, sagen Bauern in ganz Europa. Die Vorschriften würden immer strenger und der administrative Aufwand nehme laufend zu. Zudem machen den Landwirtschaftsbetrieben tiefere Produzentenpreise bei steigenden Produktionskosten zu schaffen.

Kommentare (1)

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  • Christoph Büschi | 10.01.2026

    In der Schweiz hat der Bundesrat das Abkommen stillschweigend unterzeichnet. Ohne öffentliche Debatte, ohne ernsthafte Auseinandersetzung, ohne spürbaren Widerstand. Kaum jemand hat hingeschaut, kaum jemand hat nachgefragt.



    Doch dieses Schweigen wird nicht folgenlos bleiben. Die Rechnung für diese Gleichgültigkeit wird kommen früher oder später, aber mit voller Wucht.



    Besonders schmerzlich ist das Verhalten der Schweizer Landwirtschaft. Anstatt aufzustehen, anstatt ihre Existenzgrundlage mit Nachdruck zu verteidigen, wird der Unmut hinter vorgehaltener Hand geäussert. Die Faust bleibt im Sack, während andere über die Zukunft unserer Bauernhöfe entscheiden.



    Diese Haltung ist menschlich verständlich, aber politisch fatal. Wer schweigt, wird übergangen. Wer sich nicht wehrt, wird mitentschieden jedoch nicht zu seinen Gunsten. Wenn die Bauern jetzt nicht ihre Stimme erheben, werden sie sich eines Tages fragen müssen, warum niemand mehr für sie gesprochen hat.

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