
Der Schweizer Milchmarkt steckt in der Krise.
Pixabay
Seit April 2025 wird in der Schweiz deutlich mehr Milch eingeliefert als in den Vorjahren 2024 und 2023. Gründe für die Mehrmengen sind gutes Futter, Absatzprobleme beim Export von Schweizer Käse sowie ein anhaltend hoher Importdruck.
Gleichzeitig laufen die Verarbeitungsbetriebe am Anschlag, während die Produzentenpreise markant gesunken sind. Es gibt wieder Kritik an den bäuerlichen Verbänden. Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) würden zu wenig tun.
«Milchproduzenten leiden»
Der Schweizer Bauernverband (SBV) spricht von einer ernsten Situation. «Die Milchproduzenten leiden unter den stark gesenkten Preisen, welche die Erstellungskosten nicht decken», heisst es in einer Mitteilung. Zwar handle es sich nicht um einen strukturellen Überschuss, und die längerfristigen Perspektiven seien gut. Kurzfristig brauche es jedoch entschlossenes Handeln.
SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein warnt gegenüber schweizerbauer.ch: «Es braucht ein schnelles Handeln, um die Übermengen zu drosseln, sonst wird der Milchmarkt noch lange bluten.» Solange Angebot und Nachfrage nicht im Gleichgewicht seien, bleibe der Preisdruck schmerzhaft.
Branche und Politik gefordert
Der SBV ruft alle Akteure zum Handeln auf. Landwirtinnen und Landwirte sollen die Milchmenge durch vorzeitige Schlachtungen, gezieltes Tränken von Kälbern und eine optimierte Fütterung reduzieren. Verarbeiter werden aufgefordert, ihre Kapazitäten für haltbare Produkte voll auszuschöpfen und auf zusätzliche Importe zu verzichten.
Auch der Detailhandel stehe in der Verantwortung, insbesondere durch eine Reduktion von Importkäse und anderen ausländischen Milchprodukten. Der SBV erwartet zudem vom Bundesrat eine rasche Anpassung des Veredlungsverkehrssystems.
Gleichzeitig appelliert der Verband an die Bevölkerung: Wer bewusst Schweizer Milchprodukte und insbesondere Schweizer Käse kauft, trägt dazu bei, die Marktanteile der einheimischen Produktion zu sichern und die Produzentenpreise zu stabilisieren.
SMP: Alle sind in der Pflicht
Für die Schweizer Milchproduzenten (SMP) stehen alle Erstmilchkäufer sowie alle Milchproduzenten in der Pflicht. Es brauche kurzfristig einen Beitrag zur Reduktion der Einlieferungen oder alternativ eine vollständige Ausfuhr der überschüssigen Mengen als C-Milch. «Ein Abseitsstehen einzelner Akteure ist inakzeptabel», teilte der Verband am 5. Februar mit.
Eine breit abgestützte Drosselung ist aus der Sicht der SMP unvermeidbar. Alle Marktteilnehmenden einen müssten einen proportionalen Anteil der C-Milchlast tragen. Die Verbandsleute üben auch Selbstkritik. «Künftig müssen solche Dynamiken früher erkannt und in gemeinsamer Verantwortung der Branche wirksam angegangen werden», schreiben sie. Einen Eingriff durch die Politik lehnen die SMP ab.
Umfrage wird verarbeitet.
Aktuelle Umfrage
Bezahle jede Woche 88 Franken nur an Verbandsbeiträgen. Wenn ich sehe, wie ruhig beim 924 Tonnen Gesuch, die SMP Angestellten sind, reut mich langsam jeder Rappen.