Freitag, 20. Mai 2022
06.05.2022 12:30
Wolf

«Ist die Nutztierhaltung noch zu retten?»

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Von: blu

In der Schweiz gibt es immer mehr Wölfe. Und sie reissen immer mehr Nutztiere. Der Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren wendet sich in einem offenen Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Die Tierhalter sind besorgt. Sie fordern rasche Abschussbewilligungen für schadenstiftende Wölfe.

In diesem Jahr kam es zu zahlreichen Angriffen von Wölfen auf Nutztiere. Und die Raubtiere breiten sich auch allmählich im Mittelland aus. So wurden unter anderem in Bonstetten in der Nähe der Stadt Zürich 25 Schafe getötet. In den Kantonen Schwyz, Thurgau, Wallis, Graubünden und Bern gab es ebenfalls Vorfälle.

Im Kanton Tessin gingen die Bauern mit den toten Tieren in die Stadt. Nach mehreren Schafsrissen hatten Bauern aus dem Maggiatal mehrere tote Schafe auf die Piazza Governo vor den Regierungssitz in Bellinzona gelegt. Der Tessiner Bauernverband fordert eine sofortige Abschussfreigabe für «gefährliche Wölfe».

In der Frühlingssession 2022 ging Bundesrätin Simonetta Sommaruga während der Fragestunde auf den Wolf ein. Gemäss der Bundesrätin leben derzeit rund 150 Wölfe in der Schweiz. Die Wachstumsrate werde sich nun aber stark verlangsamen, die die Lebensräume immer mehr besetzt seien. «Der Wolf wird kein Territorium mehr finden», führte sie aus. Die sei jedoch nur ein theoretisches Szenario, da eine Regulierung der Wolfsbestände immer wahrscheinlicher werde.

Für den Verein Schweiz zum Schutz der ländlichen Lebensräume vor Grossraubtieren gibt es vor allem in den Berggebieten zu viele Wölfe. Diese würden «enorme Schäden» anrichten. Der fordert der Verein rasche und unbürokratische Abschussbewilligungen für schadenstiftende Wölfe. In einem offenen Brief «Ist die Nutztierhaltung noch zu retten?» wendet sich der Verein an Bundesrätin Simonetta Sommaruga, der Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Bund

«Es droht die Vergandung ganzer Talschaften»

«In der sehr kurzen Zeitspanne seit Beginn der Weidesaison 2022 häufen sich in der gesamten Schweiz die Risse an Nutztieren durch die Wölfe massiv. Insbesondere die Bergkantone Tessin und Wallis haben enorme Schäden zu beklagen. Die allermeisten Wolfsangriffe haben mitten im Siedlungsgebiet stattgefunden. Alleine im Tessin fielen bereits über 50 Nutztiere dem Wolf zum Opfer. Im Kanton Wallis sind es weit über 30 Nutztiere.

Die Weidetierhalter im Tessin machten Ende April ihrer Frustration und Verzweiflung Luft und führten dem Staatsrat die Folgen der schleppenden Wolfspolitik vor Augen. Dutzende vom Wolf getötete Muttertiere und Lämmer wurden vor dem Regierungsgebäude in Bellinzona in einer illegalen Aktion deponiert. Spannt sich die Situation weiter an, ist aus Sicht des Vereins anzunehmen, dass die Weidetierhalter zum Schutz ihrer Tiere das Heft selber in die Hand nehmen – sie werden damit in die Illegalität gedrängt.

Zurzeit läuft die Stellungnahme der DZV, welche den Herdenschutz stärken will. Zudem arbeitet das Bundesamt für Umwelt (BAFU) an der Umsetzung der vom Parlament geforderten Not-Sofortmassnahmen zum Schutz der Weidewirtschaft für das Jahr 2022. Doch all diese Massnahmen kommen spät, wenn
nicht zu spät!

Wir möchten Sie deshalb bitten, die kantonalen Dienststellen aufzufordern, nach geltendem Recht die Abschussbewilligungen für schadenstiftende Wölfe rasch und unbürokratisch zu erteilen. Zudem fordert der Verein den Bundesrat auf, Wolfsrudel mit Streifgebieten in siedlungsnähe umgehend und zielführend zu regulieren, damit die Sicherheit der Bevölkerung und der Landwirtschaft gewährleistet bleibt.

Ohne die Möglichkeit und die Perspektive den weiter massiv zunehmenden Wolfsangriffen etwas entgegen zu setzen, steigt die Verunsicherung der betroffenen Bevölkerung ins Unerträgliche. Der verfassungsmässige Auftrag der Offenhaltung und Pflege der Berg- und Alpweiden und die dezentrale Besiedelung können nicht mehr gewährleistet werden. Es drohen die Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben und damit verbunden die Vergandung ganzer Talschaften.

Im Namen der betroffenen Bevölkerung danken wir für die Berücksichtigung unserer Anliegen.»

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14 Responses

  1. Das Nettli wird wohl kaum fähig sein, dieses riesige Problem zu lösen. Da brauchte es Leute die hinstehen und Lösungen durchziehen.

    1. Analyst, so wie du Frau Sommaruga bezeichnest, zeigt deinen wahren Charakter auf. Du scheinst Angst zu haben vor einer starken Frau Simonetta Sommaruga. Fehlen dir ehrliche Argumente, dass du deine „Gegnerin“ lächerlich machen willst?

    1. Es ist überfällig dass der Wolf sich in die Städte ausbreitet. Auch die Stadtbevölkerung soll in den Genuss der damit verbundenen Probleme kommen. Die betroffene Bergbevölkerung teilt diese Erfahrungen gerne.

  2. Es heisst immer der Herdenschutz sei nicht überall zumutbar. Frage; warum mutet man denn den Tieren zu dort zu weiden? Es ist nicht der Kleinbauer welcher ungenügend für seine Tiere schaut, es ist der Grossbauer mit mehreren dutzend Tieren. Für ihn sind diese Tiere Gebrauchsgegenstand, eben Nutztiere welche einen Nutzen zu erfüllen haben. Jedes Jahr 5000 tote Tiere ohne den Wolf scheinen niemanden zu interessieren! Die werden stillschweigend übergangen…die gibt es nicht!

      1. Das sind genau die Antworten welche ein Kopfschütteln verursachen. Wenn Herdenschutz funktionieren würde, so würden beide Zahlen stark nach unten korrigiert werden! Ist es weniger schlimm, wenn Schafe mit offenen Brüchen Tage lang in einem Tobel liegen und dort elendiglich verrecken? Also, warum ein Aufschrei bei Rissen und beim anderen Elend diskret auf die Seite schauen und somit das Hauptproblem nicht sehen wollen?

  3. man sollte ja leben können von der LandwirtSchaft.
    mir 5 Tieren nicht gut möglich…Tiere weiden gerne auf den Alpen.
    im Sommer kühler als im Tal.
    Herr Hösli .Sie haben keine Ahnung,
    sie sollten mal einen Tag zäune stellen im steilen Gelände…

    1. Habe ich schon gemacht und habe mich wieder für dieses Jahr angemeldet-ohne einen Franken zu verdienen, sondern weil ich das aus freiem Willen mache um zu helfen, weil mir Risse nicht egal sind und weil das Ziel sein muss, dass der Wolf seine Nahrung im Wald sucht und nicht am Selbstbedienung Buffet ungeschützte Herde!

  4. Wenn bei meiner Schafherde auch einmal Wolfsrisse stattfinden, werde ich die gerissenen Tiere auch an der Hauptstrasse und vor dem Regierung sgebäude in Stans hinlegen.

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