Sonntag, 23. Januar 2022
19.11.2021 06:33
Milchmarkt

Bei Mooh-Klimaprogramm profitiert Bauer

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Von: blu

Die Mooh Genossenschaft lanciert Anfang 2022 ihr neues Klimaprogramm. Mit einem Futtermittelzusatz wird der Methanausstoss der Kühe reduziert. Für diese Leistung für das Klima wird der Produzent entschädigt.

Mit der Lancierung des Programms will Mooh etwas Gutes für das Klima tun, ihre Position im Markt stärken, aber auch einen Mehrwert für ihre Mitglieder generieren. «Die Leistung für das Klima kommt vom Produzenten und er soll dafür belohnt werden», lässt sich Martin Hübscher, Präsident der Mooh, in der Mitteilung zitieren. 

100 Franken für eine Tonne CO2

Mit dem Futtermittelzusatz Agolin wird der Methanausstoss der Milchkühe reduziert. Diese Reduktion der Emissionen wird Mooh über ein zertifiziertes Programm in Klimazertifikate umwandeln. Die Zertifikate werden anschliessend verkauft, was die Entschädigung für die teilnehmenden Produzenten finanziert.

Alle Mooh-Mitglieder können am Programm teilnehmen. Sie können bei den von Mooh anerkannten Futtermittelfirmen ihr Mineralfutter mit Agolin beziehen. Dazu melden sich die Milchbauern  über das Intranet beim Programm an. Mooh entschädigt die Reduktion einer Tonne CO2 mit 100 Franken.

Kosten gedeckt 

Die Mooh in der Mitteilung ein Beispiel aufgeführt. Mit 30 Kühen werden ungefähr 10 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart, was einem Bonus von 1000 Franken entspricht. «Die Kosten von 10 bis 15 Franken pro Kuh und Jahr für den Futtermittelzusatz inklusive der Einmischung ins Mineralfutter sind so gedeckt und es wird eine zusätzliche Entschädigung generiert», schreibt Mooh.

«Das Programm stärkt das Image unserer Branche», sagt René Schwager, Geschäftsführer der Mooh, zu «Schweizer Bauer». «Unsere Erwartung ist, dass der Milchproduzent, welcher wie in diesem Fall einen Mehrwert leistet, dafür auch entsprechend honoriert wird», fährt er fort. «Mit diesem Programm machen wir einen wichtigen Schritt in Richtung unserer Vision 2025 – denn damit macht Mooh für alle mehr aus ihrer Milch», ergänzt Mooh-Präsident Hübscher.

Die Mooh vereint als Milchproduzentenorganisation rund 3900 Milchproduzenten mit täglich etwa 1,5 Mio. Kilo Milch. Sie ist damit nach eigenen Angaben die führende Milchproduzentenorganisation in der Schweiz.

Fenaco hat ein Programm im Juli lanciert

Im Juli dieses Jahres hat die Fenaco ein Programm zur Reduktion von Treibhausgasemissionen lanciert. Die Landwirtschaft verursacht in der Schweiz rund 13 Prozent dieser Emissionen. Laut Fenaco stossen die rund 550’000 Milchkühe in der Schweiz beim Verdauen insgesamt rund 75’000 Tonnen Methan aus, das entspricht 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.

Methan hat jedoch einen massiv grösseren Effekt. Dieser ist rund 25 Mal so gross jener von CO2. Die Fenaco will mit ihrem Tochterunternehmen UFA beim Methan ansetzen. Mit dem Programm UFA Swiss Climate Feed (USCF) will der Konzern einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Futterhersteller UFA hat im Mai das Mineralfutter UFA 295 Biotin USCF auf den Markt gebracht. Mit dem Futtermittelzusatz stossen die Tiere 10 bis 20 Prozent weniger Methan aus. Der Zusatz kommt wie bei Mooh von Hersteller Agolin.

Fenaco handelt Reduktionsrechte

Die Milchbauer erhalten den Mineralstoff ohne Zusatzkosten. Die Fenaco gibt den Zusatz nicht «kostenlos» ab. Nehmen die Bauern das Angebot der Fenaco an, treten sie die Emissionsreduktionsrechte an den Konzern ab, die durch das Verfüttern des klimaschonenden Futtermittels erzielt werden. Anders als bei Mooh erhalten die Bauern keine Entschädigung.

Diese Rechte wiederum sollen in CO2-Zertifikaten umgewandelt werden. Aus den Handelserlösen der Zertifikate will die Fenaco laut Mitteilung die Kosten für das Methan hemmende Zusatzprodukt sowie den Aufwand für den Zertifizierungsprozess decken. «Das ist eine Win-Win-Situation», sagt Anita Schwegler, Leiterin Nachhaltigkeit und Umwelt bei der Fenaco. «Deshalb gehen wir in eine finanzielle Vorleistung und ermöglichen damit ab sofort einen Beitrag zum Klimaschutz», fährt sie fort.

Agolin

Agolin wurde im Jahr 2006 in der Schweiz gegründet. Die Firma mit Sitz in Bière VD erforscht, entwickelt, produziert und vermarktet Futtermittelzusatzstoffe auf der Basis pflanzlicher Wirkstoffe, die nach eigenen Angaben effektiv, einfach in der Anwendung, sicher und durch unabhängige Forschung nachgewiesen wirksam sind. Sie ist in Europa, Asien und Nordamerika aktiv.

Der Futterzusatzstoff Agolin Ruminant ist laut Agolin eine sorgfältig formulierte Mischung von Aromastoffen in einer Mikroverkapselung mit einer nachgewiesenen Wirkung bei Wiederkäuern, und er ist der erste von Carbon Trust zertifizierte methanreduzierende Futtermittelzusatzstoff bei Wiederkäuern. Der Bund bescheinigte dem Produkt in seinem Swiss Cleantech Report 2020 eine bessere Verdauung und eben eine Reduktion von bis zu 20 Prozent des Methanausstosses. sum

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