Mittwoch, 21. April 2021
07.03.2021 13:17
Milchmarkt

«Der Milchmarkt spielt nicht»

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Von: hal

Der Schwyzer Landwirt und SVP-Nationalrat ist über das bewilligte Milch-Importgesuch verärgert und handelt. Weiter spricht er über die Rolle der Branchenorganisation Milch (BOM) und über ihre verpasste Chance.

«Schweizer Bauer»: Marktkenner sagen, Milch sei gefragt, einen Milchmangel gebe es aber nicht. Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation ein?
Marcel Dettling: Aufgrund der Milchpreise hat man nicht den Eindruck, dass Milch gefragt ist. Butterimportgesuche zeigen aber, dass im Inland massiv zu wenig Butter verfügbar ist. Und mit dem jüngsten Entscheid der Eidgenössischen Zollverwaltung soll sogar Milch für den Veredelungsverkehr importiert werden. Der Markt spielt offensichtlich nicht.

Sie meinen, das Importgesuch der Käserei Imlig in Oberriet SG über offenbar drei Millionen Kilogramm Frischmilch sei genehmigt worden. Sie haben angekündigt, solche Importgesuche mit einem Vorstoss verhindern zu wollen. Wie ist diesbezüglich der aktuelle Stand?
So etwas darf in Zukunft nicht mehr vorkommen. Denn mit dem Veredelungsverkehr wird versucht, den Preis in der Schweiz zu drücken. Deshalb werde ich in diesen Tagen die Motion unter dem Titel «Stopp dem Milchchaos» einreichen. Diese soll den Bundesrat beauftragen, das Zollgesetz dahingehend zu ändern, dass Milch grundsätzlich nicht für den Veredelungsverkehr importiert werden darf. Ich sammle aktuell im Parlament überparteilich Unterschriften. Die Umstände, die mir bei der Erarbeitung dieser Motion begegnet sind, haben mich bewogen, eine weitere Motion aufzugleisen.

Erzählen Sie.
Ich wollte mich bei der Zollverwaltung über den Entscheid des Importgesuchs erkundigen. Dieser werde nicht kommentiert, hiess es. Das finde ich nicht richtig. Die Branche hat das Anrecht darauf, über den Entscheid zu solchen Gesuchen transparent informiert zu werden. Mit einem Vorstoss, den ich noch in der laufenden Session einreichen werde, will ich genau diese Transparenz herstellen.

Was stört Sie am meisten an diesem Milch-Importgesuch?
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat in seiner Stellungnahme festgehalten, das Gesuch sei in dem Punkt bewilligungsfähig, wenn die Branche den Milchpreis nicht auf EU-Preisniveau vergünstige. Auf meinem Betrieb erhielt ich im letzten Dezember für B-Milch, die bekanntlich für die EU bestimmt ist, 40 Rappen. Im Januar waren es 42 Rappen. Im Gesuch hielt die Käserei Imlig fest, sie wolle für 41 Rappen Milch einkaufen. Sobald der Milchpreis leicht anzieht, wird also sofort versucht, an noch günstigere Importmilch zu gelangen. Solchen Machenschaften müssen wir einen Riegel vorschieben.

Viele haben mit Argusaugen den Gesuchsentscheid erwartet. Befürchten Sie weitere Milch-Importgesuche?Ich gehe davon aus, dass gewiefte Unternehmer bald versuchen werden, ebenfalls Milch zu importieren. Und noch etwas: Mich stört sehr, dass die Milch über drei Jahre verteilt importiert werden darf.

Bleiben wir bei der B-Milch. Vor genau einem Jahr titelte diese Zeitung, dass B-Milch freiwillig werde. Milchproduzenten sollten gemäss Parlamentsentscheid nicht weiter gezwungen werden, B-Milch abzuliefern. Doch passiert ist gar nichts. Die BOM fühlt sich nicht verpflichtet, den Vorstoss umzusetzen.

Welche Bedeutung hat für Sie die Branchenorganisation?
Es ist ein sehr schwaches Zeichen der BOM. 185 Nationalräte stimmten diesem Vorhaben zu. Die BOM muss sich gut überlegen, was sie macht und vor allem, dass sie etwas macht. Ich verspreche Ihnen, dass wir im Parlament das Thema genau im Auge behalten und weiterverfolgen werden.

Weshalb verlangt der Bundesrat keine Umsetzung dieser Motion?
Das ist ein weiterer enttäuschender Punkt. Der Bundesrat hat bisher tatsächlich nicht viel unternommen. Er versteckt sich immer dahinter, dass die Segmentierung privatrechtlich organisiert sei. Dann verlange ich von ihm aber auch, dass er bei den Butter- und neuerdings auch bei den Milchimporten eingreift und dass er diese nicht bedingungslos bewilligt!

Sie sagen, der Markt spiele bei der Milch nicht. Welche Rolle spielt dabei die BOM?
Ein Beispiel: In der Branchenorganisation Proviande des Schweizer Fleischmarktes sind die Verarbeiter auf der einen Seite und die Produzenten auf der anderen Seite zu gleichen Teilen im Verwaltungsrat vertreten. Dort funktioniert die Entscheidungsfindung meist hervorragend. Auch beim Fleisch werden Importe bewilligt, dafür sind die Produzentenpreise korrekt. Nicht so bei der Milch, wo Importe bewilligt werden, obschon die Preise nicht stimmen. Und die BOM hat dazu nicht einmal Stellung genommen. Die Zusammensetzung im BOM-Vorstand ist nicht optimal. Die Interessenvertretung ist gerade auf der Seite der Produzentenvertreter nicht eindeutig. Die Organisation, wie sie heute aufgestellt ist, muss überdacht werden.

Dann stufen Sie es als verpasste Chance ein, dass die BOM letzte Woche das Gesuch der Milchbauern-Basisorganisation BIG-M um eine Mitgliedschaft abgelehnt hat.
Ich bin erstaunt darüber, dass die BOM Angst vor der BIG-M hat. Egal, in welchen Vereinen: Man versucht immer, die grössten Kritiker miteinzubinden. Nur so kommt man weiter. Ich kann diesen Entscheid nicht nachvollziehen. Es ist eine verpasste Chance, dass die BOM BIG-M nicht in der Verantwortung miteinbeziehen will.

Die Milchpreise sind für viele Produzenten nicht kostendeckend. Wie lange verbleiben Sie selbst in der Milchproduktion?
Es ist immer eine Frage der Alternativen. Ich im Berggebiet kann weder auf Acker- noch auf Obstbau ausweichen. Ich muss Fleisch oder Milch produzieren.

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16 Responses

  1. Wieso werden auf der Milchabrechnung automatisch Beiträge verrechnet ,
    Beitrag SMP/SBV
    Marketing SMP/SBV
    BOM Fonds
    und so weiter…
    Wo ist später der sogenannte Mehrwert für mich als Produzent?

    1. Wer wehrt sich für deine Milch?
      Der Mehrwert ist nicht einfach zu bestimmen. Das fände man nur heraus, wenn sich keine Organisation mehr für höhere bzw. stabile Milchpreise einsetzen würde.
      Hinterfragen muss man auch sich, und herausfinden ob man noch Milch produzieren soll und will.

  2. Mehr als 20 Jahre Entscheid um Entscheid gegn die Milchproduzenten, nun haben wir den Schlamassel. Nach dem Krieg hätte man sofort das Bundesamt für Kriegswirtschaft stark verschalnken sollen. Mit den staatlichen Fesseln, die diesen Beamten überzogen wurden , konnte es mit einer gesunden Milchwirtschaft nicht gut kommen. Als die Milchrechnung des Bundes eine Milliarde Franken betrug, überlief das Fass. Wichtig ist jetzt, dass nicht noch viele teure Vorschriften entstehen. Wunschdenken ?

    1. Es gäbe eine gute Möglichkeit, endlich aus diesem Schlamassel zu kommen. Grenzschutz, Verkäsungszulage, Schoggigesetz usw. usw. aufheben und sich dem freien Markt stellen.
      Leider ist es wie bei den Drogenabhängigen: Entweder erlöst man sich mit einer Schocktherapie oder man bleibt ewig vom staatlichen Drogenprogramm abhängig.
      Nur die wirklich Guten und Starken schaffen den Entzug (von Grenzschutz, Subventionen und staatlicher Drogenabgabe)

      1. Der alte Bauer ist und war sicher kein Bauer.
        Eher ein freihandel- Fanatiker, wahrscheinlich verdient er am Import gute Kohle.
        Und wir Schweizer Bauern sollen mit den schweizerischen Kosten zum Weltmarktpreis produzieren.
        Soll der gute Herr uns vormachen, wie das geht!

      2. @alter Bauer Sobald es keinen CH Lohnschutz mehr gibt, keinen geschützten Arbeitsmarkt, keine Schweizzuschläge auf importierten Hilfsmitteln/Maschinen, divergierende Produktionsvorschriften etc., können wir über den Grenzschutz diskutieren. Damit bleibt aber immer noch der Nachteil, dass die ausl. Konkurrenz weiterhin subventioniert wird.
        Würdest du so bauern wollen, wie du verlangst? Oder sind das die üblichen Worthülsen?

  3. mich würde noch interessieren wie solche Milchdeals mit den Swissnessbestimmungen klarkommt ? für was gehn wir eigentlich noch über Freihandel und solchen Scheiss abstimmen wenn diese Sesselfurzer (in Homeoffic) sowieso mache was sie wei !!

  4. Es wäre schon lange Zeit das die BOM und alle Mitorganisationen nicht einfach automatisch Beiträge von unserem Milchgeld abziehen,denn wenn es Zuwenig Butter hat,und der Milchpreis im Keller bleibt,stimmt etwas nicht.Ich finde das ist Betrug und ungetreue geschäftsführung von unserem abgezogenen Milchgeld

  5. Am besten die Tierhaltung in der Schweiz sofort ganz verbieten anstatt den Bauern das Leben so schwer machen, dass sie vom selbst aufhören…

    1. Aber nur verbieten, wenn die DZ weiterhin so reichlich fliessen. Mit diesem feudalen, bedingungslosen Grundeinkommen lässt es sich auch ohne Tiere gut leben……

      1. Wir brauchen keine DZ, wenn ihr lieben Konsumenten uns für unsere produzierten Nahrungsmittel ein gerechten Preis zahlt.
        Wir produzieren im teuren schweizer Umfeld!

  6. Ich bin dagegen dass sich die Politik in den Milchmarkt einmischt mit so stumpfsinnigen Motionen. Für mich ist das der Rückschritt zur Käseunion, Milchkontingentierung. Der Vergleich BOM -Proviande hinkt massiv. Beim Fleisch haben wir einen vollen Grenzschutz,bei der Milch ist nur die weisse Linie (Rohmilch) geschützt,.Das ist der Grund weshalb die Preisdifferenz CH Milchpreis zu EU MIlchpreis wichtig ist. Imlig wird diese Milch kaum importieren,zu gross wäre der Imageschaden für seine Firma

    1. Du hast dich wahrscheinlich verschrieben!
      Du bist kein Milchproduzent!
      Du bist eher ein Milchverarbeiter, sonst würdest du auch ein marktgerechter Milchpreis fordern.
      Wenn die Milch knapp ist, muss der Milchpreis steigen!

    2. Ich finde die Motion richtig. Jahrelang wurde uns der tiefe Milchpreis damit gerechtfertigt das zu viel Milch am Markt sei und nun, bei den ersten Anzeichen von Knappheit wird importiert ohne den Preis entsprechend anzuheben. Wie Dettling sagt, der Markt spielt nicht.

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