Montag, 6. Dezember 2021
18.11.2021 08:09
Zürich

«Die leben doch in einer anderen Welt»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Susanne Sigrist

Hanspeter Bachofen aus Fehraltorf ZH nahm ein Stück Land unter den Pflug, welches eigentlich als Pferderennbahn dient. Das verärgerte Reitverein und Gemeinde.

Der Aufschrei in den Medien letzte Woche war gross: «Generationenstreit gefährdet Pferderennen», «Der grosse Fehraltorf-Schock» und «Osterrennen Fehraltorf vor dem Aus».

Nach 75 Jahren umgepflügt

Einige Tage später hat sich die Lage etwas beruhigt. Geblieben ist das etwa fussballplatzgrosse Stück Land, seit wenigen Tagen ungewohnt braun anzusehen, nicht mehr grün, so wie es 75 Jahre lang war. «Ich habe es umgepflügt und Winterweizen angesät», erklärt Hanspeter Bachofen, dem es gehört.

Auslöser war für ihn allerdings kein Generationenstreit: Weil er andernorts Land abtreten musste, hatte er sich entschlossen, dieses Stück zwischen Bahngleis und Reittribüne wieder zu bewirtschaften. Damit fehlt etwa ein Viertel des Bodens, auf dem die Rennen jeweils ausgetragen wurden. Diese, so meinen die Organisatoren, könnten nun nicht mehr durchgeführt werden.

Minderes Land angeboten

Ein schriftlicher Vertrag mit dem Reitverein, der die Osterrennen jeweils organisiert, bestand nicht. Aber natürlich war auch ihm klar, dass seiner Entscheidung Reaktionen folgen würden. Unappetitlich waren die anonymen Droh- und Hassbriefe, die ihm geschickt wurden. Und Anfeindungen in sozialen Medien. Aber natürlich gab es auch solche, die verstehen, dass er sich sein Land wieder «geholt» hat.

«Ich war immer offen für einen fairen Landabtausch», erklärt er. «Aber was mir angeboten wurde, war von minderer Qualität», sagt er. «Möglichkeiten hätte es mehrere gegeben, zumal einige Mitglieder im Reitverein ebenfalls Landbesitzer in Fehraltorf sind. Aber es ist halt schon so: Jeder will beim anderen feiern, nicht auf seinem eigenen Land.

Achtung und Wertschätzung

Wenn jetzt von einem Verlust für die Gemeinde gesprochen wird, wundere ich mich: Es sind vor allem auswärtige Reiter, welche an den Rennen teilnehmen. Mit den 15’000 Franken, welche die Gemeinde jeweils an die Rennen beigetragen hat, kann man andere Dorfvereine unterstützen». Doch es geht ihm nicht nur um Geld, sondern auch um Achtung und Wertschätzung.

«Ich bekomme 1000 Franken fürs Land – und was zahlen sie für Preisgelder? Die leben doch in einer anderen Welt. Ich als Bauer werde von den Veranstaltern der Osterrennen wie ein Unterhund behandelt, für die Pferdebesitzer zählt nur ihr Hobby. Nun ist alles anders: Altes geht weg, Raum für Neues entsteht», sagt Bachofen.

Die Osterrennen sehen die Organisatoren in Gefahr.
Osterpferderennen Fehraltorf

OK sieht Rennen in Gefahr

Das Organisationskomitee sieht die Rennen auf der Anlage in Gefahr. «Wenn der Bauer das Land in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stellt, bedeutet dies das Aus für die Osterrennen Fehraltorf, die seit 1934 ausgetragen werden», teilte das OK in einer Mitteilung Anfang November mit. Der Anlass sei mit seinen bis zu 12’000 Zuschauern einer der wichtigsten wiederkehrenden Anlässe im Zürcher Oberland.

«Der Besuch ist für viele Einwohner eine Tradition, die über Generationen weitergegeben wurde», schreibt des OK weiter. Die Gemeinde zeigte sich über das Vorgehen des Bauern geschockt. «Für die Gemeinde wäre das Aus der Rennen ein Riesenverlust. Der Gemeinderat bedauert, dass ein Einzelner einen solchen Anlass für tausende Bewohner der Region einfach verhindern kann», liess sich Gemeinderat Fritz Schmid in der Mitteilung zitieren. 

OK-Präsident Urs Schenkel doppelte nach: «Wir vom OK-Pferderennen und vom Reitverein vom Kempttal können nicht fassen, dass die Arbeit, die über Generationen geleistet wurde, auf diese Weise vernichtet wird.» Der Anlass sei für alle Dorfvereine ein wichtiger Anlass, um Einnahmen zu generieren.

Mehr zum Thema
Regionen

In Rhäzüns GR kollidierte ein Fahrzeug mit Holzstämmen. - Kapo Graubünden Am frühen Sonntagmorgen hat sich in Rhäzüns GR ein Selbstunfall mit einem Personenwagen ereignet. Vier Personen wurden dabei leicht…

Regionen

Glarus liegt in der geografischen Mitte des gleichnamigen Kantons an der Linth und am Fusse des rund 2300 m hohen Vorderglärnisch. - Pixabay Der Bundesrat hat am Freitag den Einzonungsstopp…

Regionen

Auch im Tessin wird die Population immer grösser. - Amt für Wald beider Basel Im oberen Onsernonetal ist ein bislang unbekanntes Wolfspaar gesichtet worden. Gemäss Mitteilung des Tessiner Amts für…

Regionen

Mathias Rüesch wird Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes (SGBV). - zvg Ab dem 1. April wird Mathias Rüesch die Geschicke des St. Galler Bauernverbandes (SGBV) leiten. Er wird damit Nachfolger…

22 Responses

  1. Offenbar war es den Veranstaltern nicht bewusst, wie stark sie auf den Goodwill des Landbesitzers angewiesen sind. Für eine solche Nutzung ist ein Preis von 15 Fr./ a das Minimum. Anstatt vom Ross herab über ihn herzuziehen, bestünde die Lösungssuche mit einem Gespräch auf Augenhöhe.

  2. že je to tak, ako to je
    In der Muttersprache meiner Exfrau. Ich finde schade, dass es soweit kommen musste. Allerdings währe die ganze Sache abwendbar gewesen !!

  3. že je to tak, ako to je ; auf deutsch : es ist ist so wie es ist. am besten würde man gerade die ganze Fläche umpflügen, das von der NASA beschriebene Dalton-Minimum könnte welteit für Hunger sorgen. Letzten Samstag habe ich hungrige Mäuler lästern gehöhrt, die auf das bestellte Fondue ( zulange ) warten mussten.

  4. Anscheinend lernen gewisse Leute nur so, das die Landflächen der Bauern kein Selbstbedienungsladen sind. Sie hätten halt anständig Entschädigen müssen.

  5. Pferderennen sind sowieso Tierquälerei. Die Menschen jubel, während die Pferde in der Zielgeraden mit der Peitsche geschlagen werden. Darum gar nicht schlecht, dass nach 75 Jahren Quälerei ist jetzt Schluss damit ist……

  6. Sehe es von beiden Seiten. Bin sowohl Pferdebesitzer und selber in einem Reitverein. Aber das Vorgehen von dem Verein gegen den Landwirt ist sehr fragwürdig. Wenn dem Verein und der Gemeinde die Rennen so wichtig sind, hätten sie schon vor Jahren anständige Pachtverhältniesse schaffen können. Man muß nicht Meinen dass man öffentlich gegen die Landwirtschaft schiesse kann und dann aber noch profitieren wohlen. Vielleicht können der Verein und die Gemeinde endlich einen Schritt machen.

  7. Wenn es Personen gibt die im Reitverein Landbesitzer sind, ist sicher nicht der Landwirt der „Depp“ sonder die jenigen die nicht bereit sind ein Stück Land dem Landwirt abzugeben, wie viel sind diesen Leuten die Pferderennen wert, nichts denn diese verhindern die Rennen und nicht der Landwirt.

  8. Bin zwar auch nicht gerade ein ‚Rösseler-Fan‘, aber wenn sie ihr Land für Traktor-Pulling zur Verfügung stellen müssten, sähen das wohl viele Bauern ganz anders… Hätte ja auch viel mehr mit Landwirtschaft zu tun!? 😉

  9. Habe auch Land, das andere gerne für Nix kaufen würden. Meine Familie hat das über Generationen gepflegt. Ich verstehe den Landwirt.
    Dass die Rösseler keinen Vertrag mit ihm haben, ist pure Blödheit. Das sind ja super Geschäftsleute.

  10. Schön Herr Schmid wenn der Gemeinde die Rennen soviel wert sind ,warum bietet die Gemeinde Herr Bachhofen nicht doppelt soviel Land guter Qualität an. Ist halt wie andern Orts wollen Land für Renaturierung oder anderes . Wollten Ersatz-Land ,geht nicht haben wir nicht. Bezahlung unter dem Hund und willst Du nicht werden wir enteignen. Ist schon komisch wie wenig denen plötzlich die Natur wert ist.

  11. Hanspeter Bachofen ist der moderne Winkelried.
    Die Fehraltorfer Ritter sind unerträgliche Heuchler.
    Bauern steht auf.Für C-Milch 4,5 Rappen,Millionen für den Boss.
    Das gleiche Spiel mit den Mostäpfel.

  12. Was soll man da noch sagen? 1’000.- Fr für 70 a (Fusballfeldgross) macht ca 15.- Fr pro Aare. Der Jahresertrag von Wiesland liegt gemäss ZBV bei unter 40 Fr. Also eine stolze Summe für den Reitanlass im Frühjahr, der kaum der Jahresertrag schmälert. Es kann also nicht ums Geld gehen … Auch die teilweise geforderte Landabtauschung mit der doppelten Fläche ist unverfrohren (kenne ein Beispiel aus der Region Winterthur, wo das gemacht wurde für eine Sportanlage, die Nachwirkungen dauern an)

  13. Der Beitrag zeigt ja, dass es nicht nur ums Geld geht, sondern auch um den fehlenden Respekt. Eine Ameise schieben und dann hoch zu Ross den Bauern als Deppen zu belächeln. Fertig lustig. Eine Tradition der Arroganz geopfert. Nicht schade.

  14. „Achtung und Wertschätzung“!!! DARUM geht es doch! Diese beiden kostenbaren immateriellen Güter sind uns von der Gesellschaft geraubt worden! Kaum jemand schätzt mehr volle Lebensmittelregale, schöne Wanderwege, sauberes Wasser, ohne Lebensgefahr begehbare Wälder, gepflegte Tiere auf der Weide, etc. etc. …… Alles ist selbstverständlich und normal geworden! Ich gratuliere Bauer Bachofen für seinen Mut und wünsche ihm viel Kraft für seinen „Kampf“ gegen die „Ritter“ den er für UNS ALLE führt!

  15. Antwort an Junger Bauer 1. Der Präsident des Reitvereins ist Bauer ( Mindestens früher waren beide ; Pflüger und Präsident in anderen , für die Gemeinde bedeutene Vereine TV Feuerwehr etc.. 2. es ist eben kein Wiesland, sondern wie bewiesen Ackerland… der Jahresertrag wird je nach Witterung allerdings stark geschmälert. 3. Wenn ein Bauer auf einen Chlapf 5 ha Verliert , neigt er zu Reaktionen. Aneinenander Vorbeireden richtet Schaden an…..

  16. An junger Bauer
    Wie heisst es so schön Bauern sollen sich nach dem Markt richten. Nur wenn der Bauer sagt soviel wollt ihr von mir und ich sage was es mir Wert ist . Sagen Sie das ist unverfrohen.Das ist freier Markt entweder sollen sie das zahlen/ersetzen oder es sein lassen. Wir Bauern müssen lernen nicht immer zu kuschen und den Preis fordern der gerechtfertigt ist. Dann ist esder Gesellschaft meistens nicht mehr wert irgendwas zu realisieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE