Dienstag, 9. August 2022
26.07.2022 18:38
Graubünden

«Wir fühlen uns vom Bund im Stich gelassen»

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Von: ats

Christa Buchli aus Safien GR ist die Präsidentin des Bündner ÄlplerInnenverein. Sie schildert, wie sich die Älpler und Älplerinnen in ihrer Region im Moment fühlen und wie sie die Wolfssituation beurteilt.

«Schweizer Bauer»: Wie sieht die aktuelle Situation für die Bündner Älpler und Älplerinnen aus?
Christa Buchli: Die Bündner Älplerinnen und Älpler sind im Moment sehr angespannt. In gewissen Gebieten ist der Wolfsdruck enorm hoch. Auch darf man nicht ausser Acht lassen, dass es im Moment schwierig ist, kompetente Älpler und Alppersonal zu finden. Wie man auf der Homepage «Zalp» gut sehen kann, gibt es immer noch offene Stellen, obwohl wir mitten in der Saison sind.

Wie fühlen sich die Älpler und Älplerinnen bezüglich des Wolfangriffs auf eine ausgewachsene und gesunde Mutterkuh?
Hilflos, ratlos, schockiert. Wir fragen uns: Wie soll das weiter gehen? Wir fühlen uns vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und von Simonetta Sommaruga im Stich gelassen.

Inwiefern?
Seit Jahren suchen wir den direkten Kontakt mit dem Bafu, ich persönlich habe auch bereits mehrere Gespräche mit der Bundesrätin Simonetta Sommaruga geführt, aber unsere Anliegen und Befürchtungen werden nicht ernst genommen. Es geschieht seitens des Bundesamtes nichts. Jeder, der selbst Alpwirtschaft betreibt, hat auf die Gefahren mit dem Beverinrudel hingewiesen, aber das wurde einfach ignoriert. Dass die Situation jetzt so eskaliert ist, dafür mache ich ganz klar das Bafu und Bundesrätin Sommaruga verantwortlich.

Was meinen Sie mit eskaliert?
Wir sprechen davon, dass jetzt ausgewachsene, gesunde Mutterkühe, die fast eine Tonne Körpergewicht haben, von den Wölfen angefallen und «getötet», beziehungsweise angefressen werden und an den Verletzungen verenden oder erlöst werden müssen. Wir haben jetzt eine grosse Eskalationsstufe überschritten. Und wir sind noch nicht am Ende der Eskalationsskala angelangt.

Können Sie das erläutern?
Ich persönlich bin schon mehrere Male den Wölfen begegnet, zum Glück noch nie dem ganzen Rudel auf einmal. Bei der letzten Begegnung waren es zwei Wölfe, und wir mussten sie mit Stöcken vertreiben, weil sie nicht weggegangen sind. Wenn dann auf einmal mehr Wölfe auftauchen, dann hat man auch keine grosse Lust und Chance mehr, denen mit Stöcken hinterher zu rennen. Wir sind hier seit Generationen mit unseren Hirtenhunden unterwegs. Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort in eine falsche Situation gerät, dann wird es nicht gut ausgehen.

Ein Wolfsrudel besteht meistens aus Mutter, Vater und den Kindern. Die Eltern, Rüde und Fähe, leben in einer monogamen Partnerschaft und bleiben ein Leben lang zusammen.
Pixabay

Was sind die grössten Herausforderungen im Moment?
Ganz klar die Wölfe! Es sind ganze Rudel unterwegs, darunter das berüchtigte Beverinrudel. Dieses Rudel muss dringend und zwingend entnommen werden.

Wieso?
Der Bund hat es bei diesem Rudel ganz klar verpasst, die Tiere scheu zu behalten. Es gibt in der Surselva auch andere, unauffällige Rudel, welche sich verziehen, wenn der Mensch kommt, so sollte es sein und funktionieren. Das Beverinrudel ist ganz anders. Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir Sommer wie Winter hier mit dem Rudel mitmachen müssen. Das ist kaum zu glauben. Im Winter sind die Wölfe in den Dörfern drin. Das Rudel ist völlig falsch geprägt und muss deshalb komplett entnommen werden, Alles andere ist eine Illusion.

Was sind die Ängste der Älplerinnen?
Wir schauen grossen und unlösbaren Herausforderungen entgegen. Uns wird die sorgenfreie Zukunft genommen.

Ist die Lage punktuell oder überall angespannt?
Die Lage ist überall angespannt. Punktuell nicht mehr haltbar!

Was motiviert Sie, trotzdem weiterzumachen?
Die Alpwirtschaft ist unser Leben, unsere Zukunft. Dafür kämpfen wir. Wir sind uns als Älpler und Bergler gewohnt, dass auch mal ein rauer Wind weht. Wir kämpfen für unsere Alpen und die Tradition «z Alp» zu gehen!

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Dass endlich eine präventive Regulierung des Wolfsbestandes möglich ist. Das Älplerinnen und Älpler sich nicht vor Wolfsattacken fürchten müssen. Dass wir unserem Tagewerk nachgehen und z Alp gehen, geniessen können.

Welches Ziel hat der Verein?
Der Verein mit 230 Mitgliedern tritt für die Interessen der Älplerinnen und Älpler Graubündens ein und fördert deren Aus- und Weiterbildung. Neben fachlichem Austausch hat auch Geselligkeit im Verein eine grosse Bedeutung.

Beenden Sie die Sätze…
Älpler und Älplerinnen sind… naturverbunden, tierliebend und Nomaden der Berge.

Der Wolf ist… unsere grösste Herausforderung seit Generationen

Landwirtschaft ist… unser Rückgrat unser Ernährer. Für mich ist die Berglandwirtschaft meine Heimat und wichtigster Pfleger der Biodiversität.

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31 Responses

  1. Simonettchen mimt immer die Betroffene, die mitfühlt, aber in Tat und Wahrheit zieht sie ihr Programm durch. Und die ÄlplerInnen werden damit so was von verarscht. Das ist die heutige Politik: Unehrlich und im Grunde arrogant, wie sie diejenigen nicht ernst nimmt, die direkt Betroffene sind. Ausweichen, hinterrücks handeln, das ist Devise, wie im Stierkampf: Ole und dann den Degen ins Rückenmark.

  2. Hat ernsthaft jemand den Glauben, dass Politik oder Bundesämter für Nutztierhalter gegen den Wolf kämpfen ? Was soll ihnen das bringen ? Es sind 70 % der schweizer für den wolf , also warum soll sich jetzt ein politiker seine stimmen und sein Ruf vernichten ? Der wolf wird sich so lange vermehren, bis der letzte Nutztierhalter aufgegeben hat . Dann sind wir halt staatsangestellte und werden auch grün. Warum sollen wir uns abmühen , die grünen und Wohlstandskranken brauchen uns ja nicht.

  3. Wie so wusste ich schon das Buchli noch in die Medien geht, und wieder nichts als schlecht über die Wölfe redet. Und hatte sie Risse auf der Alp dieses Jahr nein, und wie schön schreibt Gruppe Wolf Schweiz Der Wolf belebt die Hirtenkultur und genau so ist es. Und ja mag sein das es weniger Personal gibt man schaue auf das letzte Jahr zurück da wurde eine einzige Frau mit fast 1000 Schafen auf einer Alp im Bündnerland geschickt, wie wäre wenn man mehr bezahlen würde.

  4. So das nicht nur eine Frau auf die Alp muss sondern zwei oder drei, aber eben man spart wie immer am falschen Ort. und wie schön schreibt Gruppe Wolf Schweiz ( Zitat Anstatt den Herdenschutz weiter zu verstärken, schiesst man lieber ein paar Wölfe. Auch eine Möglichkeit, um die Landwirtschaft an die Wand zu fahren. ) Es tut mir leid aber ich glaube nicht allen Bauern die hälfte von den Geschichten für sie muss einfach der Wolf weg damit man es einfacher hat.

  5. Waren sie schon einmal auf einer Alp mit Wölfen? Haben sie sich das mit dem Herdenschutz mal vor Ort auf einer Alp angesehen? Wenn ein Herdenschutzhund ein Hündli angreift ist der Bauer schuld, wenn ein Hirsch oder ein Wanderer sich in einem Schutzzaun mit viel Strom verfängt ist auch der Bauer schuld. Sie schreiben als wär das alles so einfach.

    1. Die bauern sind nicht tierliebhaber sondern tierausbeuter.
      Sie überschätzen sich und ihren nutzen. Und nein, angewiesen wie sie meinen, sind wir nicht auf sie ..man kann sich nämlich völlig tierleidfrei ernähren oder mit importierten lebensmitteln

      1. Eine durchschn. Person in der Schweiz isst ca. 250 kg Milch und Milchprodukte, 50 kg Fleisch, 15 kg Eier. Das sind vorwiegend einheimische Produkte die mit Schweizer Umweltstandards und an die Schweiz angepasste Produktionsweise hergestellt wurden. In importierten Produkten stellen die kantonalen Labors viel höhere Schadstoffkonzentrationen fest. ‚En Guete‘ beim nächsten Produkt aus irgendwo.

      2. Was hesch de du z gfüeu wär die angerä läbesmittu produziert u vorauem uf welnä fäuder we kener tier ume si wo die sache pflegä? U was de für läbesmittu importierä vo wäm wes bure nid brucht?

        1. Ja auch Bauer aber nicht so Jammer säcke wie wir hier haben der grösste Teil, und man kann sehr gut ohne Fleisch leben stell Dir mal vor

      3. Ihr Veganer sind die ersten die verhungern werden bei einer schlimmsten Krise wenn nichts mehr importiert wird.

    2. Ich war wahrscheinlich auf mehr Alpen als Du denkst, lieber Gelder ablehnen für Wolfsschutz Hauptsache der Wolf ist weg aber das schöne ist es wird immer Wölfe geben. Einfach sich daran gewöhnen und gut ist, ist halt nicht mehr wie früher im Sommer die Schafe auf die Alp treiben und vielleicht ein zwei mal im Monat mal Salzgeben jetzt wird von Euch erwartet das Ihr zu den Tieren schaut richtig so.

      1. Als was waren sie auf der Alp? Als Wanderer? Oder haben sie schon mal 1.2 m hohe Schafnetze als Wolfsschutz aufgestellt auf einer Alp? Das ist zäh. Wenn nicht dann sind ihre Kommentare überflüssig.

      1. Hi Charly der Wolfs Kuschler, Wölfe die sich nicht an passen wollen ,müssen Geschossen werden, das heisst wenn ein Wolf in Bewonhten und auf der Weide rumläuft und Jagt das er gleich geschossen werden sollte.

  6. Ich kann die Älplerin nicht ernst nehmen wenn die ein Wolf sieht auf 150 Meter sind es im Schluss bestimmt nach ihrer aussage 25 Meter gewesen, aber so ist es im Leben die einen müssen vor der Medien stehen damit sie Glücklich sind das ist wie der Blümchenbiologe der meint auch er sei ein Raubtierexperte ja ja und ich bin der Papst.

    1. Bist du eigentlich fähig einen einzigen Satz fehlerfrei zu schreiben Wolfskuschler und Bauernhasser?

      1. Ich hasse keine Bauern ich bin für beide Seiten denk was Du willst melde Dich mit eigenen Name dann reden wir wieder

  7. So kann es doch nicht weitergehen: warum organisiert der „Schweizer Bauer“ nicht einen nationalen Runden Tisch zum Thema “ Raub- vs Nutztier “ ? Der oberste Wildhüter Reinhard Schnydrig – der ja sehr gute Beziehungen zur Mongolei hat – soll den dortigen Jagdverwalter einladen damit wir erfahren, wie dort der Wolf „gemanagt “ wird. Zudem alle Pro und Kontra Wolf -Organisationen Es sollte doch möglich sein im 21. Jahrhundert eine sachliche und vernünftige Lösung zu finden !

    1. Tönt sehr vernünftig. Könnten Sie diese Runde gleich organisieren. Die Zeit dazu ,werden Sie sicher finden, da das Photogeschäft, doch nicht mehr all zu viel Zeit in Anspruch nimt.

  8. Ich bin kein Vegetarier und glaubt ihr was ihr wollt ich esse meistens nur noch Geflügel mehrheitlich und stell Dir vor ein paar Hühner könnte ich selber halten 🙂

  9. Der Hunger in der Welt, ist zunehmend. Mit der stetig wachsenden Bevölkerungszahl, in der Schweiz, sind wir näher daran,als wir gerne glauben. Versorgungsengpässe, für den Import, können, wie uns gegenwärtig, vor Augen geführt wird, sehr leicht produziert werden. Um die in der Schweiz lebenden Menschen zu ernähren, werden einige Selbestversorger, auch mit Hühnchen, oder als Veganer, nicht mehr so viel beitragen können.

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