Freitag, 3. Februar 2023
12.07.2022 11:48
Graubünden

Wolfsangriff: Mutterkuh Schweiz will Notmassnahmen

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Von: blu

In Graubünden haben mehrere Wölfe in der Nacht auf Samstag eine Mutterkuh angegriffen und getötet. Mutterkuh Schweiz zeigt sich über den Vorfall beunruhigt. Die Organisation fordert den Bundesrat auf, Notmassnahmen zu beschliessen.

Der Vorfall hatte sich auf der Alp Nurdagn am Schamserberg ereignet, wie der Kanton Graubünden am Samstagabend mitteilte. Der Fundort des toten Nutztieres lag im Streifgebiet des sogenannten Beverin-Rudels.

Situation für Bauern immer schlimmer

Die siebenjährige Kuh befand sich nach Angaben der kantonalen Behörden zusammen mit weiteren Artgenossen innerhalb eines eingezäunten Areals auf der Alp Nurdagn. Dieser Zaun gelte aber nicht als Herdenschutzmassnahme. Bei grösseren Nutztieren seien keine solche Vorkehrungen mehr vorgesehen, teile der Kanton weiter mit.

Für Mutterkuh Schweiz ist mit dem Riss der Mutterkuh eine neue Dimension erreicht. «Bei aller Hoffnung auf einen Einzelfall fehlt der Glaube, dass es so sein würde», heisst es in einer Mitteilung von Dienstag. Die Situation für Bauern und Älpler sei schlimm und werde immer schlimmer. «Für die Tierhalter ist die Vereinbarkeit von Weidehaltung, Landschaftspflege, Biodiversität und Tourismus eine extrem grosse Hürde», warnt die Organisation.

Proaktiv regulieren

Und das exponentielle Wachstum der Wolfspopulation bewirkt gemäss Mutterkuh Schweiz immer neue Konflikte. Die Risse führen zu Tierleid und Tierverlusten. Für Mutterkuh Schweiz sind aber die grösste Unberechenbarkeit die Rinderherden selbst. Wegen den Angriffen seien diesen unruhig und würden teilweise gegenüber Wandernden und Älplern aggressiv reagieren.

Deshalb fordert Mutterkuh Schweiz den Bundesrat auf, umgehend Notmassnahmen zu beschliessen. «Die stark wachsende Wolfspopulation muss mit geeigneten Massnahmen, auch proaktiv, reguliert werden können», heisst es in der Mitteilung. Deshalb seien die gesetzlichen Regelungen mit Hochdruck anzupassen.

Wolfs-Notstand verlangt

Der Bündner Bauernverband zeigt über den Riss der Mutterkuh bestürzt. Der Verband habe wiederholt von solchen Angriffen gewarnt, heisst es in einer Mitteilung von Montag. Die Umweltorganisationen hätten aber stets betont, dass ausgewachsene Kühe nicht Opfer von Wolfsattacken werden würden. «Diese Theorie ist nun widerlegt», so der Verband.

Der Bündner Bauernverband der Bündner ÄlplerInnen Verein machen sich «grosse Sorgen» um die Sicherheit der Älplerinnen und Älpler. Sie fordern deshalb ein umgehendes Handeln des Bundes und des Kantons. Der Verband verlangt die Ausrufung eines «Wolfs-Notstandes». Weil das Beverin-Rudel in den vergangenen Wochen und Jahren immer wieder für Nutztierrisse sorgte, verlangt der Bauernverband den Rüden M92 zusammen mit dem Rudel zu entfernen.

Bafu sieht keinen Handlungsbedarf

Beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) sieht man derzeit keinen Handlungsbedarf. Die meisten Nutztiere würden nach wie vor an Orten gerissen würden, an denen keine Massnahmen zum Herdenschutz ergriffen worden seien, sagte das Bundesamt zu SRF. Um die Situation in den Gebieten mit wachsendem Wolfsbestand kurzfristig zu entschärfen, habe der Bundesrat die Eidg. Jagdverordnung für den Alpsommer 2022 bereits angepasst. Damit werde der Herdenschutz verstärkt.

Der Bündner Regierungsratspräsident ist über die Aussage erzürnt. Das Bafu scheine den Ernst der Lage zu verkennen, schrieb Marcus Caduff auf Twitter. Solche Aussagen seien ein Hohn und ein Schlag ins Gesicht für alle Bemühungen der betroffenen Personen. «Ich mag die Aussagen nicht mehr hören. Ein Beverin-Rudel müsste längst unschädlich gemacht werden. Und dann wundert man sich, wenn die Akzeptanz für Grossraubtiere schwindet», schreibt Caduff weiter.

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3 Responses

  1. Wolfsriss Mutterkuh
    Ich war schon wiederholt im Emsland (Niedersachsen) unterwegs. Dort hat es viele Wolfsrudel und viele Pferdezuchtbetriebe. Das Gelände und das Klima lassen eine pferdefreundliche Weidehaltung zu. Stuten dürfen draussen im Herdeverband gebären. Das war einmal. Die Wölfe überfallen mittlerweile gebärende Stuten, fressen ihnen die Fohlen während der Geburt aus der Scheide. Die Stimmung ist gedrückt. Die Züchter müssen schweigen.

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