Donnerstag, 21. Januar 2021
24.12.2020 14:32
Tierkrankheit

IBR: «Mindestens zwei weitere Tiere betroffen»

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Von: blu

Nach knapp 30 Jahren wurde in der Schweiz die Krankheit Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) bei einer Kuh nachgewiesen. Der Betrieb aus der Region Prättigau/Davos wurde sofort gesperrt. Kantonstierarzt Giochen Bearth geht davon aus, dass noch mehrere Tiere betroffen sind.

Seit 1993 hat die Schweiz den Status «Frei von IBR». Nun ist die gemäss Tierseuchengesetz auszurottende Tierseuche bei einem Rind im Kanton Graubünden festgestellt worden.

«Im Zusammenhang von Untersuchungen von einem Rinderabort wurde im Dezember 2020 bei einem Rind im Kanton Graubünden ein Verdacht auf IBR festgestellt», teilt das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit des Kantons Graubünden am Mittwoch in einem Communiqué mit.

Ausrottungsprogramm in den 1980er-Jahren

Die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) trat in der Schweiz erstmals im Jahr 1977 massiv auf. Die Krankheit wurde mit einschneidenden Massnahmen bekämpft. 1983 wurde ein Ausrottungsprogramm gestartet. 1993 schliesslich erreichte die Schweiz den Status «Frei von IBR». Das Programm zur Ausrottung kostete 135 Millionen Franken.

Um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, wurde das Rind umgehend geschlachtet. Der betroffene Betrieb wurde gesperrt. schweizerbauer.ch hat beim Kantonstierarzt Giochen Bearth nachgefragt.

Wie wurde die Krankheit entdeckt. Zeigte das Tier bereits erste Krankheitsanzeichen oder wurde das Virus erst im Labor nachgewiesen?
Giochen Bearth: Eine neunjährige Kuh hat abortiert. Der Tierhalter hat den Abort anschliessend korrekt dem behandelnden Tierarzt gemeldet. Dieser wiederum hat die vorgeschriebenen Laboruntersuchungen in die Wege geleitet. Der Befund IBR wurde im Referenzlabor bestätigt.

Sind noch weitere Tiere auf dem Hof von IBR betroffen?
Es sind noch mindestens zwei weitere Tiere im gleichen Betrieb betroffen. Bei diesen sind die Untersuchungen im Referenzlabor aber noch nicht abgeschlossen. Die Resultate erwarten in den kommenden Tagen.

Wie lange bleibt der betroffene Betrieb nun gesperrt?
Der Betrieb bleibt mindestens 30 Tage nach dem Ausmerzen des letzten positiven Tieres gesperrt.

Was heisst das für die Bauern in der Region? Gibt es Vorsichtsmassnahmen, die beachtet werden müssen?
Die Behörden haben den Tierverkehr der betroffenen Tiere analysiert und vier weitere Betriebe unter Sperre 1. Grades gestellt. Die Untersuchungen in diesen Betrieben laufen bereits. Zusätzlich wurden die Tierärzte und Tierhalter sensibilisiert. 

Die einfache Sperre 1. Grades wird verhängt, wenn zur Verhinderung der Verschleppung der Seuche die Unterbindung des Tierverkehrs notwendig ist. Jeder direkte Kontakt von Tieren, die der Sperre unterworfen sind, mit Tieren anderer Bestände ist verboten. Die gesperrten Bestände dürfen weder durch Abgabe von Tieren in andere Bestände noch durch Einstellen von Tieren aus solchen verändert werden. Die Abgabe von Tieren direkt zur Schlachtung ist gestattet

Gibt es bereits einen Hinweis, wie die Krankheit auf den Betrieb eingeschleppt wurde?
Nein, hier haben wir noch keine Anhaltspunkte, wie sich die Tiere infiziert haben. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Kuh in der Schweiz infiziert hat.

Wann wurde letztmals im Kanton Graubünden IBR nachgewiesen?
Das ist mir nicht bekannt.

Das sich die Krankheit in der Schweiz rasch ausbreitet, befürchtet Bearth nicht. «Die schnelle Abwicklung von diesem ersten bekannten Fall ist jetzt wichtig. Es ist erfreulich, wurde er früh erkannt und schnell reagiert», sagte er zu «20 Minuten». Die Krankheit müsse nun rasch ausgemerzt werden. 


Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR)

IBR ist nicht heilbar. Ist ein Tier infiziert, kann sich der Erreger, ein Herpes-Virus, über längere Zeit ohne Symptome im Nervensystem der Tiere verstecken. Die Krankheit kann jederzeit, zum Beispiel bei Stress, wieder ausbrechen. Dabei werden jeweils Viren ausgeschieden, die andere Tiere anstecken können. Deshalb müssen alle infizierten Tiere getötet werden. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. Sie befällt vor allem Rinder.

Beim Milchvieh sind eine länger andauernde reduzierte Milchleistung, Aborte und Fertilitätsprobleme frühe Anzeichen einer IBR-Infektion.

Der Erreger ist ein Virus der Gattung Varicellovirus. Er wird durch direkten Tierkontakt (vor allem Mastbetriebe) oder über die Luft übertragen (Tröpfcheninfektion). Ausscheidungen der Nasen und Augen, bei Aborten das Fruchtwasser und die Plazenta sowie der Samen angesteckter Stiere enthalten den Seuchenerreger. Zudem kann die Krankheit indirekt übertragen werden, z.B. über Futtertröge und Geräte. Auch Tiere ohne Symptome können den Erreger lebenslang ausscheiden.

Impfstoffe gegen die Krankheit existieren, sind aber in der Schweiz nicht zugelassen.

-> Mehr zur Krankheit gibt es hier

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