Landfrauenküche: Warum Anmeldung ein Zeichen der Liebe ist

Die «Landfrauenküche» ist ein Evergreen – dieses Jahr startet bereits die 19. Staffel. Vierte Gastgeberin ist Karin Landolt aus Mollis GL. Unsere Redaktorin Michelle Wüthrich verfolgt die Sendung ganz genau. Mehr dazu lest ihr im Blog.

Michelle Wüthrich |

Karin Landolt (47) führt zusammen mit ihrer Familie den Kupfernhof in Mollis im Kanton Glarus. Dort wo dieses Jahr das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest stattfand, sorgte also noch ein weiterer Anlass für Aufregung und Nervenkitzel.

Drei Jahrzehnte ein Paar

Zwischen dem gigantischen Bergpanorama liegt der Kupfernhof von Landolts. Hier lebt Karin Landolt gemeinsam mit ihrem Mann Fridolin. Zur Familie gehören die drei erwachsenen Kinder – Fritz, Matthias und Corina. Ihre Tochter hat bereits selbst wieder Kinder und so erfüllt Grossmuttersein Karins Herz mit einem weiteren warmen Kapitel.

Fast drei Jahrzehnte schon gehen Karin und Fridolin nun schon Seite an Seite. Kennengelernt an der Fasnacht und verliebt schliesslich beim regelmässigen Kaffeetrinken oder vielleicht eigentlich schon dann als Karin erstmals ihre Fasnachtsmaske vom Gesicht nahm.

Leben auf den Kopf gestellt

Der Alltag auf dem Kupferhof ist getaktet und arbeitsreich. Neben 30 behornten Milchkühen, prägten auch rund 120 Schweine den Arbeitsrhythmus. Aber eben prägten. Vor rund einem Jahr stellte das Leben auf dem Kupferhof plötzlich alles auf den Kopf. Ihr Mann spürte eine starke Veränderung und fand schliesslich nicht mehr zum Schlafen. Nach mehreren Abklärungen wurde eine Psychose diagnostiziert. Von einem Tag auf den anderen mussten sie den Betrieb drastisch herunterfahren. Noch heute kämpft Fridolin mit starker Erschöpfung und Müdigkeit.

Karin hält in dieser Zeit vieles zusammen: den Hof, ihren Mann, die Familie und sich selbst. Sie unterstützt ihn achtsam, ohne ihm Aufgaben wegzunehmen oder ihn seiner Verantwortung zu berauben. Gemeinsam suchten und suchen sie Wege, mit dieser neuen Realität umzugehen. Schritt für Schritt. Auch die drei Kinder sind eine enorme Stütze. Während Fridolin einen Monat in der Psychiatrie betreut wurde, brach Sohn Fritz sofort die RS ab, um auf dem Hof zu helfen.

Ein Schupf aus Dankbarkeit

Sie helfen alle drei, wo sie können. Karin nennt sie voller Stolz ihre «Super-Kinder». «Gemeinsam haben wir diese Zeit gemeistert», so ihre Worte und die Dankbarkeit ins Gesicht geschrieben. Eigentlich keine grossen Worte, aber in Gegenwart ihrer Bescheidenheit rührte es zumindest mich beinahe zu Tränen.

Die Teilnahme bei der SRF-Landfrauenküche wäre Karin nie in den Sinn gekommen. Zu bescheiden, zu still, vielleicht auch zu sehr im Hintergrund wirkend, als dass sie von sich ausgedacht hätte, «ich mache mit». Deshalb übernahm Fridolin das Zepter und meldete sie an. Einen Schupf aus Liebe, als Zeichen der Wertschätzung, mit einem stillen «Danke für alles». Dafür, dass Karin ihn getragen hat, gehalten hat, ausgehalten hat und immer noch tut.

Erfahrung

Ihre Kinder beschreiben sie als «typische Landfrau». Für sie sei es «Luxus», bei ihrer Mutter am Esstisch zu sitzen. Ein Kompliment, wie es schöner nicht ausgesprochen werden könnte. Sie erzählen, dass für ihre Mutter eine Auslandreise nie ein Thema war. Umso mehr freuen sich, dass sie nun dank der Sendung die Möglichkeit erhält, andere Regionen der Schweiz zu erkunden– und sie gönnen ihr diese Erfahrung von Herzen. Das verpasste mir schon ein Schmunzeln, weil diese Aussage einfach herzerwärmend ist.

Zum Abschalten geniesst Karin gelegentlich einen Ausritt auf ihrem Pferd. Das ist für sie Erholung und ein Ort zum Kraft tanken, damit die Batterien für den Alltag wieder aufgeladen werden. Auch Nähen geniesst sie sehr, einfach Zeit für sich. Sogar die Bluse fürs Landfrauenessen hat sie selbst genäht.

Hundertfach nervös

Nervös sei sie – sehr sogar – für den bevorstehenden Abend. Auf einer Skala von 1 bis 100 beschreibt Karin ihre Gefühlslage mit «200 Prozent nervös». Und trotzdem sieht man ihr das kaum an: immer ein Lächeln im Gesicht, eine freundliche Mimik, keinerlei sichtbare Anspannung – zumindest wirkte es für mich so.

Für das Essen hat sie sich vorgenommen, möglichst viele Produkte vom eigenen Betrieb zu verwenden – so wie es die meisten Landfrauen auch tun. Bei der Dekoration setzte sie auf schlichten, traditionellen Schmuck. Alles andere hätte mich ehrlich gesagt auch erstaunt. Das passt total zu ihrer Persönlichkeit. Und eines soll gesagt sein: Weniger ist manchmal mehr.

Ein Teller voller Identität

Zur Vorspeise servierte sie einen Gartensalat mit Wachtelei an einer Zigersalatsauce sowie einen «Glarnertropfen». Auf dem Hinweg wurde unter den Frauen gerätselt, ob der Glarnertropfen ein Schnaps oder eine kulinarische Kreation in Tropfenform sei. Hingegen löste die Zigersauce nicht bei allen Frauen Vorfreude aus. Doch Karin hatte mitgedacht und eine zusätzliche Alternative vorbereitet, da sie sich der unterschiedlichen Geschmäcker bewusst war.

Zum Hauptgang servierte sie ein Kalbs-Stroganoff mit Kartoffelstock und Bohnen. Die Sauce wurde als «der Hammer» beschrieben – manche wollten am liebsten darin baden, weil sie so gut war. Beim Dessert spielte der Tropfen erneut eine Hauptrolle und zog sich wie ein roter Faden durch das Menü: «Glarnertropfen»-Meringue, Magenträs-Mousse mit Zwetschgenkompott. Auch dieser Gang war gelungen und traf den Geschmack der Frauen.

Mit Bravour gemeistert

Abschliessend würde ich sagen, dass die Landfrau aus meiner Perspektive einen absolut souveränen Abend hingelegt hat. Und nicht nur Karin und ihre Küchenhilfe, die eigene Tochter, waren souverän, sondern auch ihr Mann Fridolin, der mit Bravour servierte. Mit viel Ruhe, Charme und stets einem schelmischen Schmunzeln konnte er ebenfalls punkten.

Am Ende war die Glarnerin sichtlich erleichtert und erfreut, den Abend erfolgreich gemeistert zu haben. Das Menü war sehr gelungen und sie musste keine offensichtliche Panne in Kauf nehmen. Eine Mitbewerberin meinte sogar, das Menü sei so typisch und stimmig gewesen, dass die Landfrauen es auch dann erkannt hätten, wenn sie nicht gewusst hätten, dass es von Karin stammt. Was für ein schönes Kompliment.

Unbeschwertheit wieder finden

Persönlich wünsche ich mir für Karin, dass dieser «Ausbruch» in die Fernsehwelt für sie nicht nur kulinarisch in Erinnerung bleibt, sondern vielleicht sogar ein kleines Stück Leichtigkeit hinterlässt – eine, an der sie immer wieder Freude und Unbeschwertheit findet, auch wenn die Kamera längst wieder schweigt.

In der nächsten Folge steht Irène Meier am Herd. Ihre Nervosität gilt jedoch zunächst nicht dem Kochen, sondern den hundert Metern, die sie mit dem fertigen Menü zurücklegen muss. Ob sie diese Challenge meistert, dürfte ihr in den schlaflosen Nächten vor der Sendung wohl mehr als einmal durch den Kopf gegangen sein. Wir werden es sehen und garantiert mitfiebern.

Die weiteren Blog-Einträge zur Sendung:

->  Blog 1: Lorena serviert das Menü am Haken

->  Blog 2: Milena serviert schwimmende Simmentaler

->  Blog 3: Vegetarierin tischt den Braten auf

Kommentare (1)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Oswald - Laager Christian und Veronika | 23.11.2025
    Eine wunderbare authentische Sendung
    Bravo Karin und Familie
    Gruss aus dem Aargau
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