
Auch der Bio-Getreidemarkt ist angespannt. Wie beim konventionellen Getreide sinken die Produzentenpreise.
Bio Suisse
Die Diskussionen rund um die Richtpreise seien intensiv gewesen, schreibt Bio Suisse in einer Mitteilung. Bei den beiden wichtigsten Getreidearten kommt es nun aber zu einer Senkung. Der Richtpreis für Bio-Weizen liegt neu bei 106.50 Fr./dt, jener für Bio-Dinkel bei 110.50 Fr./dt. Das entspricht einem Minus von 1.50 Fr./100 kg. Bei Bio-Roggen mit 95 Fr./dt und beim Bio-Speisehafer mit 87 Fr./dt gibt es keine Veränderung.
Knospe-Verarbeitungsmengen sinken
Der Abschlag beim Bio-Brotgetreide wird ähnlich begründet wie jener beim konventionellen Getreide. Die vollen Lager würden den Markt unter Druck setzen und für die Mühlen Mehrkosten verursachen, schreibt Bio Suisse. Konkurrenz erhält der Schweizer Knospe-Weizen zudem durch günstigeren EU-Bio-Weizen. Der Schweizer Mühlenmarkt stehe insgesamt unter Druck.
Für den Knospe-Getreidemarkt besonders beunruhigend: «Die Knospe-Verarbeitungsmengen zeigen eine sinkende Tendenz», heisst es in der Mitteilung. Für die Bauern ist der Abschlag eine schlechte Nachricht. Bio Suisse selbst schreibt: «Für Bio-Ackerbauproduzentinnen und -produzenten liegen die Produktionskosten für die Ernte 2026 auf einem hohen Niveau. Die Einkommen sind aufgrund der grossen Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr sehr variabel.»
Die beschlossenen Richtpreise seien als Kompromiss zu verstehen und würden die Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette abbilden. Sprich: Die Verarbeiter wollten einen stärkeren Abschlag, die Produzenten den Status quo.
Abschlag beim konventionellen Brogetreide
Bereits Mitte Juni wurde beim konventionellen Getreide eine Preissenkung beschlossen. Den grössten Abschlag gibt es bei Weizen Top. Hier sinkt der Richtpreis um 3 Franken auf 57 Fr./100 kg. Bei der Kategorie Weizen I gibt es einen Abschlag von 1.50 Fr. auf 55.50 Fr./100 kg. Bei Weizen II und Weizen Biskuit wurde eine Senkung um 0.50 Fr. auf 54 Fr./100 kg beschlossen. Der Roggen-Richtpreis sinkt um einen Franken auf 44 Fr./100 kg. Der Ernterichtpreis für Dinkel bleibt mit 58 Fr./100 kg auf dem Vorjahresniveau.

Swiss Granum
Coop will 100 Prozent Knospe-Getreide
2025 lag der Inlandanteil beim Weizen bei 77 Prozent. Für 2026 rechnet Bio Suisse mit 73 Prozent. Beim Roggen wird dieser Anteil bei rund 70 Prozent und beim Dinkel bei etwa 58 Prozent liegen. Im Rahmen der Bio-Ackerbautage orientierte Coop die Medien vergangene Woche über das «Projekt Fruchtfolge». Coop will seine Bio-Brote zu 100 Prozent aus Schweizer Knospe-Getreide herstellen. Die Rohstoffkosten für die Brote werden dadurch steigen.
Wie sich der höhere Inlandanteil auf die Produzentenpreise auswirken wird, zeigt sich erst in den kommenden Jahren. Der Preiskampf im Detailhandel bleibt jedoch hart. Um Marktanteile wird mit harten Bandagen gekämpft – auch im Bio-Segment. So sagte Coop-Chef Philipp Wyss im Interview mit dem «Schweizer Bauer»: «Wir setzen die Preise nie als Erste so an. Wenn sie aber sinken, dann müssen wir mitgehen. Ohne Wenn und Aber.»