Schweinemarkt: Entlastungsabzug wird halbiert

Um die Angebotsüberhänge am Schweinemarkt abzubauen, hat die Branche Anfang Februar Entlastungsmassnahmen eingeführt. Diese haben Wirkung gezeigt. Der Abzug zur Marktentlastung wird halbiert. Doch die Situation bleibt angespannt.

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Der Schweinemarkt drohte wieder aus den Fugen zu geraten. Die zunehmende Professionalität und der Produktionsfortschritt führten im vergangenen Winter dazu, dass die angestrebte Zielmenge von 44'000 Schlachtschweinen pro Woche zunehmend überschritten wurde. «Das führt zu einer Überproduktion und entsprechend zu Verwerfungen auf dem Schweinemarkt», schrieb Proviande, die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, Anfang Februar.

Situation von 2022 verhindern

Eine Situation wie 2022 wollte die Branche unbedingt verhindern. Damals wurden Ferkel nach Deutschland exportiert. «Es ist die am wenigsten schlechte von schlechten Varianten», sagte der damalige Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister Ende Juli 2022 zu «Schweizer Bauer». Eine andere Variante wäre gewesen, tragende Muttersauen zu schlachten. «Das wollen wir unbedingt vermeiden», führte Pfister weiter aus.

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Im Herbst 2022 wurden weitere Entlastungsmassnahmen beschlossen. Einerseits wurde eine Einfrieraktion von Schweinefleisch beschlossen. Es wurden knapp 15'000 Schlachtschweine aus dem Markt genommen. Andererseits wurde der Export von Schweinefleisch organisiert. Für die Finanzierung des befristeten, privatrechtlich organisierten Exportgeschäfts wurde ein Fonds gebildet. Pro Kilogramm Schweinefleisch wurden 20 Rappen eingezogen.

Mit Abzug Fonds speisen

Um eine solche Situation abzuwenden, hat Suisseporcs, unterstützt durch den Verwaltungsrat von Proviande, im Winter 2025/26 eine branchenübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Diese hatte den Auftrag, kurz- und mittelfristige Massnahmen zur Entlastung des Schweinemarkts zu erarbeiten.

Eine Massnahme: Seit dem 16. Februar 2026 wird bei den Schweinehaltenden ein finanzieller Einzug von 0.20 Fr./kg Schlachtgewicht (SG) zur Speisung eines Fonds abgezogen, der bei Proviande eingerichtet und betreut wird. Die Schweinezüchtenden tragen zwei Drittel der Kosten dieses Fonds. Mit den Geldern soll ein Schweinestau bei den Schweinehaltenden verhindert werden. Über die Dauer des Einzugs entscheidet die erweiterte Fachkommission von Suisseporcs.

Noch 10 Rappen Abzug

Die Massnahme hat Wirkung gezeigt. Wie Proviande am Donnerstag in einer Mitteilung schreibt, wurde mit diesen finanziellen Mitteln der Markt entlastet. Zudem hilft die beginnende Grillsaison der Branche. «Aufgrund der saisonal steigenden Nachfrage nach Schweinefleisch hat die mit dem Auftrag betraute, branchenübergreifende Arbeitsgruppe unter der Führung von Suisseporcs beschlossen, den Einzug auf 0.10 Fr./kg SG für Schlachtungen ab dem 4. Mai 2026 zu reduzieren. Mit diesem Entscheid bleibt die Branche handlungsfähig», heisst es weiter.

Doch es gibt (noch) keine Entwarnung. Im kommenden Herbst rechnet die Branche mit «weiteren, grösseren Herausforderungen am Schweizer Schweinemarkt». Der Export von Schlachthälften könne dann eine mögliche Option darstellen, hält Proviande fest.

Stilllegungsprämien

Um die wiederkehrenden Verwerfungen im Schweinemarkt zu vermeiden, hat Suisseporcs mit der Unterstützung der Branche, ein Konzept zur freiwilligen Stilllegung von Zuchtschweineplätzen erarbeitet. Die Suisseporcs mit Präsident Andreas Bernhard will auf Stilllegungsprämien für Zuchtsauenplätze setzen – auch, weil Abnehmer Druck machen und sonst vermehrt Vertragsproduktion drohen könnte.

Mehr dazu im Interview. ->   «Wenn wir schlechte Jahre vermeiden, erreichen wir mit wenig Geld sehr viel»

Im Zentrum der Pläne steht ein freiwilliges Stilllegungskonzept für Zuchtsauenplätze. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten dauerhaft zu senken und den Markt zu stabilisieren. Produzenten erhalten eine Entschädigung, als Richtwert gelten rund 2000 Franken pro Platz. Finanziert wird das System über einen Fonds, gespeist durch Abzüge pro Schlachtschwein. Teilnehmende Betriebe verpflichten sich zu klaren Auflagen: In den betroffenen Ställen dürfen 25 Jahre lang keine Schweine gehalten werden, zudem gilt ein zehnjähriges Bauverbot für neue Schweineställe.

Dagegen gibt es Widerstand.  Die Sektion Ostschweiz von Suisseporcs fordert zusätzliche Abklärungen zum Stilllegungskonzept.  Konkret fordert die Sektion die Einsetzung einer breit abgestützten Arbeitsgruppe. Diese solle sich aus je einem praktizierenden Züchter und Mäster pro Sektion sowie dem Präsidenten des Zentralvorstandes zusammensetzen. Die Arbeitsgruppe solle den Auftrag erhalten, verschiedene Varianten zu prüfen, auszuarbeiten und diese anschliessend in die Vernehmlassung bei den Sektionen zu geben, heisst es weiter.

Der Entscheid fällt am an der Delegiertenversammlung (DV) von Suisseporcs, die am 6. Mai stattfindet.

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