Wassermangel setzt Pflanzen zu – die Folgen

In den Kartoffeln oder Spezialkulturen ist die Bewässerung Usus. In anderen Kulturen lohnt sie sich nicht. Entsprechend fahren die Pflanzen das Wachstum herunter.

sum/bki |

Anfang Woche meldete die Raindancer-App auf dem Handy von Hansueli Strahm einen Alarm: Ein Schlauch war geplatzt. Da hiess es dann rasch handeln, damit kein Schaden in der Kultur oder im angrenzenden Wohnquartier entsteht.

Mit dem Modul Raindancer überwacht der Landwirt aus Münsingen BE seine Bewässerung. Die einiges kostet. Um eine Wassermenge von 30 Millimetern auf einer Fläche von einer Hektare auszubringen, rechnet der Landwirt mit rund 500 Franken. «Ein Aufwand, der sich nur in den Kartoffeln lohnt», so Hansueli Strahm.

Deutlich weniger Silo und Dürrfutter geerntet

Die Trockenheit hat die Schweiz seit Wochen fest im Griff. Bereits darf in einigen Kantonen kein Wasser mehr aus den Seen, Flüssen und Bächen entnommen werden. In trockenheitsgefährdeten Gebieten wie dem Kanton Schaffhausen ist die Lage besonders prekär. «Beim Futterbau sieht es gar nicht gut aus», beobachtet Lena Heinzer, Leiterin im Fachbereich Pflanzenbau beim Landwirtschaftsamt Schaffhausen. «Schon der erste Schnitt brachte nur rund zwei Drittel des normalen Ertrags, der zweite noch die Hälfte, und der dritte wächst schon gar nicht mehr.» Auf der Weide fänden die Tiere zudem kaum mehr Futter und müssten im Stall zugefüttert werden, ergänzt Heinzer.

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«Auf der Weide finden die Tiere kaum mehr Futter.»

Lena Heinzer, Landwirtschaftsamt ­Schaffhausen

Die Fachbereichsleiterin weiss aus den letzten Jahren, dass Schaffhauser Betriebe immer Futterreserven halten würden. «Aber da die Trockenheit und die Hitze schon so früh kommen, dürfte es doch da und dort eng werden.» Sie erzählt, dass Viehhalter bereits Mais auf Feldern von viehlosen Betrieben reservieren würden, um diesem im Herbst stehend ab Feld kaufen zu können. Weiter werde das Silieren von Getreide mehr und mehr zum Thema und dürfte künftig an Bedeutung gewinnen, sagt Heinzer.

Auch die Hitze macht zu schaffen

Benno Niederberger vom Ebenrain in Sissach BL weiss aus Rückmeldungen der Landwirtinnen und Landwirte der beiden Basler Halbkantone, dass zusätzlich zur Trockenheit die Hitze den Kulturen zu schaffen macht – je nach Lage der Betriebe aber unterschiedlich ausgeprägt. «Im Ackerbau ist der Wassermangel vor allem beim Mais gut sichtbar. Insbesondere späte Ansaaten bräuchten dringend Wasser.» Viele Kulturen würden nun das Wachstum und den Reifeprozess als Schutzmechanismus einstellen.

Entsprechend sind in den Rüben welke Pflanzen zu sehen. Das vor allem an den Nachmittagen. «Die Pflanzen schützen sich bei der Hitze vor hohen Verdunstungsraten», erklärt Samuel Jenni von der Fachstelle für Zuckerrübenbau. Die Folgen für den Ertrag seien im Moment schwierig abzuschätzen. Bei anhaltender Hitze und Trockenheit wie 2003, 2015 oder 2018 müssten sich die Pflanzer mit 60 Tonnen pro Hektare im IP-Suisse- und im Extenso-Anbau und mit 70 Tonnen pro Hektare im konventionellen Anbau zufriedengeben, schätzt Jenni.

Am kommenden Montag endet die Hitzewelle. Wie viel Regen fallen wird, ist noch unklar. Die Trockenheit dürfte mit den Niederschlägen nicht beendet sein.

-> Ausführliche Ortsprognosen gibt es hier

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