
Im Sommer 2025 kam es im Tessin zu einem Zusammenschluss zweier grosser Mühlenunternehmen.
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Wenn es darum geht, Geschäftstätigkeiten zu optimieren, fällt schnell das Schlagwort «Synergie». Synergien entstehen auch, wenn Partner ihre Stärken und Ressourcen bündeln, um gemeinsam effizienter zu arbeiten als allein. Nach diesem Prinzip haben die Mühlenunternehmen Groupe Minoteries SA (GMSA) und Mulino Maroggia im Juni 2025 eine strategische Partnerschaft geschlossen. Dabei haben sie sich das Tessin regional untereinander aufgeteilt.
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Diese Zusammenarbeit hat für den Verein «Faire Märkte Schweiz» (FMS) die Frage aufgeworfen, wo Synergien enden und eine wettbewerbsbeschränkende Koordination beginnt. «Im Tessin hat sich unter dem Deckmantel einer ‘Partnerschaft’ ein Mühlen-Kartell gebildet», teilte FMS damals mit. Der Verein liess den Deal deshalb von der Wettbewerbskommission (Weko) prüfen. In einer Mitteilung gibt FMS nun das Ergebnis dieser Untersuchung bekannt.
«Anzeichen für kartellrechtliches Zusammenwirken»
Die GMSA ist laut FMS die schweizweit grösste Mehl-Lieferantin der gewerblichen Bäckereien. Im Vorgehen der GMSA erkenne FMS ein Muster: «Erst eliminiert GMSA den Wettbewerb und positioniert sich dann als Retter für die Regionen, in dem sie mit regionalen Schlüsselakteuren ‘Partnerschaften’ eingeht».
Die FMS sieht im Zusammenschluss der beiden Mühlenunternehmen «Anzeichen für ein kartellrechtlich problematisches Zusammenwirken». Sie befürchtet, dass solche Partnerschaften den Wettbewerb verringern und die Preise für die Bauern verschlechtern könnten. Auf Antrag von FMS führte die Weko eine Marktbeobachtung wegen einer möglichen unzulässigen Wettbewerbsabrede durch.
Marktbeobachtung geht Hinweisen nach
Die Weko hat die Zusammenarbeit zwischen der Groupe Minoteries mit der Mulino Maroggia im Tessin mittels einer «Marktbeobachtung» geprüft. Marktbeobachtungen dienen dazu, ersten Hinweisen nachzugehen und die Marktverhältnisse näher zu analysieren. Laut FMS prüfte die Weko unter anderem eine mögliche Aufteilung von Gebieten und Kundengruppen, den Austausch wettbewerblich sensibler Informationen sowie den Vertrag über die Zusammenarbeit.
Als Ergebnis dieser «Beobachtung» habe die Weko einige Vertragsanpassungen angeregt. «Zur Vermeidung von Missverständnissen über das künftige Verhalten der Unternehmen regte die Weko mehrere Anpassungen der vertraglichen Bestimmungen an», heisst es in der Mitteilung. Wie diese Anpassungen genau lauten wird von FMS nicht konkretisiert.
«Situation bleibt problematisch»
Dass die Wettbewerbskommission die Zusammenarbeit geprüft und Anpassungen angeregt hat, sei jedoch ein erster Erfolg auf dem Weg zu faireren Marktstrukturen im Tessin, so FMS. «Die Situation bleibt aber problematisch», stellt der Verein fest. Entscheidend sei, ob Bäckereien, Getreideproduzenten und andere kleinere Marktteilnehmer auch künftig über echte Ausweichmöglichkeiten verfügen.
FMS befürchtet, dass eine enge Zusammenarbeit der wichtigsten Marktakteure den Wettbewerb schwächen und Abhängigkeiten verstärken könnte. Für die regionale Getreideproduktion seien eigenständige Liefer-, Verarbeitungs- und Absatzkanäle wichtig.
FMS bleibt wachsam
Besonders kritisch sei die Zusammenarbeit angesichts der bereits starken Stellung von GMSA im Schweizer Mühlenmarkt. Eine weitere Konzentration könnte die Verhandlungsmacht kleiner Abnehmer und Produzenten schwächen und die dezentrale Versorgung im Tessin beeinträchtigen.
«Vertragsanpassungen allein reichen nicht aus», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. Entscheidend sei die tatsächliche Umsetzung. FMS erwartet deshalb, dass die beiden Mühlenunternehmen ihre geschäftlichen Entscheidungen weiterhin unabhängig voneinander treffen.
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