
Auf vielen Betrieben werden Konflikte nicht offen angegangen, sondern unter den Federn behalten.
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Ich wurde gefragt, ob es denn zwischen Vater und Sohn nie «chlöpft». Warum ich vorwiegend über Mütter und Schwiegertöchter schreibe, wenn es um Konflikte geht.Wo es wirklich gut funktioniert, ist dort, wo der Vater bereit ist, seine Identität als Hofbesitzer oder als auf dem Hof Arbeitender loszulassen. Wo er bereit ist, Arbeiten und Entscheidungskompetenzen abzugeben.
Das gelingt denjenigen am besten, die bewusst und eher früh übergeben, also sogar vor der Pensionierung. Und denjenigen, die bereit sind, noch etwas anderes zu machen. So wie ein 55-Jähriger, der mit Schmunzeln meinte: «Jetzt, wo ich den Hof meinem Sohn übergebe, muss ich noch lernen zu arbeiten.» Die meisten Landwirte waren nie angestellt und konnten es auf dem Hof so machen, wie man es eben macht. Oft mit ungeschriebenen Gesetzen.
Bei einem Arbeitgeber sind die Anforderungen dann plötzlich viel klarer, und man kann nicht einfach ausweichen und sein Ding machen.In den Fällen, in denen die Väter loslassen, kann die jüngere Generation im Coaching viel mehr an der Hofausrichtung, der eigenen Ehe oder dem eigenen Familienleben arbeiten. Man kann besser in die Zukunft bauen und muss nicht zuerst zermürbende Konflikte mit den Eltern bearbeiten.
Wenn es offen kracht
Wenn es zwischen Vater und Sohn «tätscht» und sie einen Konflikt offen austragen, dann oft recht heftig und mit Konsequenzen.
Meiner Beobachtung nach folgen auf offen ausgetragene Konflikte zwischen Männern eher schnell konkrete Entscheidungen und plötzliche Grenzziehungen. Beispiel: Der Sohn kündigt seinem angestellten Vater, nachdem dieser mehrmals in die Betriebsführung hineingefunkt hat.
Kolumne mit Barbara Eiselen
Barbara Eiselen ist Agronomin und war viele Jahre in der landwirtschaftlichen Lehre und Forschung in den Bereichen Betriebswirtschaft, Agrarpolitik und -märkte tätig. Sie schreibt einmal im Monat für den «Schweizer Bauer» und greift in ihrer Kolumne Themen auf, die unsere Leser beschäftigen.
In ihrer beruflichen Laufbahn erkannte sie, dass es sich bei Hofstrategien und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen meistens um tieferliegende Themen handelt.
Barbara Eiselen bildete sich fort in den Bereichen Coaching, Psychologie und Familiensysteme und ist heute selbstständige Beraterin. Sie hat die Vision, die Hemmschwelle für Tabu-Themen in der Landwirtschaft zu brechen, so dass man sich frühzeitig Hilfe für die wahren Probleme holen darf.
Sie nennt es «den Service für die Seele, die Psyche und die Ehe, genauso wie der Traktor auch seinen jährlichen Service bekommt». Eiselen ist Bauerntochter und Ex-Schwiegertochter einer Bauernfamilie.
Hier erfahren Sie mehr über Barbara Eiselen und ihre Arbeit.
Der trügerische Scheinfrieden
Was ich am häufigsten antreffe, ist, dass das Verhältnis zwischen Vater und Sohn einfach funktioniert – nicht gerade reibungslos –, aber es funktioniert. Es wird wenig bis gar nicht gestritten. Wenn es schwierig wird, wird viel eher davongelaufen, und man redet nicht miteinander. In diesen Fällen herrscht scheinbarer Frieden zwischen Vater und Sohn. Da kommen die Frauen unweigerlich ins Spiel, denn irgendwo müssen die Unstimmigkeiten hin.
Die Männer gehen dann oft und jammern sich bei ihren Frauen aus. Diese wiederum übernehmen nicht selten Vermittlerrollen und versuchen, das Problem zu lösen. Sie hören ihren Mann an, machen sich ihr eigenes Bild und reden mit allen anderen Beteiligten – meist hintenherum. Sie versuchen, das System zu stabilisieren, und funktionieren wie eine Telefonleitung zwischen Vater und Sohn.
Diese Frauen halten die Fäden im Hintergrund zusammen, sprechen mit dem einen und mit dem anderen, sodass sich die zwei nicht miteinander austauschen müssen. Am Schluss ist das für alle belastend, und Lösungen gibt es keine – denn die Reibungen zwischen Vater und Sohn bleiben immer dieselben. Es funktioniert tagein, tagaus so weiter. Und alle gewöhnen sich daran. Es ist halt einfach so. Sie können einfach nicht miteinander reden.

Die Agronomin Barbara Eiselen begleitet Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen auf ihrem Prozess hin zu einer stimmigen Hofstrategie. Barbara Eiselen arbeitet selbständig als Coach in der Landwirtschaft.
Anja Tschannen
Stillstand auf dem Betrieb
Wenn die Kommunikation zwischen den Männern kaum funktioniert, orientiert man sich im Betrieb daran, wie es immer schon gemacht wurde. Das Resultat ist, dass es betrieblich kaum Veränderungen gibt. Man macht einfach weiter.
Der Sohn folgt den ungeschriebenen Gesetzen, und es ist meist recht unklar, wer nun führt. In diesem Umfeld ist es für eine Schwiegertochter meist recht schwer, ihren Platz zu finden. Aber es herrscht auf diesen Betrieben Scheinfrieden.
Konflikte gehören zwischen Vater und Sohn
Der Vater sieht oft nicht, was er zu einer Konfliktlösung beitragen könnte. Er sieht nur, dass er doch gut hilft, dass er die Jungen machen lässt und dass man doch miteinander reden könne. Aber genau die Art dieses Miteinanderredens, bei der man Konflikte umgeht und es einfach reibungslos laufen sollte – obwohl es vielleicht massive Meinungsverschiedenheiten gibt –, funktioniert ja eben nicht.
Meist hat es der Vater über Jahrzehnte verpasst, eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, in der man ganz ehrlich und konfliktlösend miteinander spricht. Oft überliess er diese unangenehme Arbeit seiner Frau, auch als sein Sohn zur Schule ging. Und dann, Jahre später bei der Hofübergabe, zeigt sich eine Vater-Sohn-Beziehung, die schon lange nicht funktioniert, wenn es schwierig wird. Plötzlich müssten die zwei miteinander reden können.
Da, wo es zwischen Vater und Sohn «kracht», ist es schier besser als dort, wo nicht kommuniziert wird. Wenn es «kracht», machen sie ihre Sachen untereinander aus, und die Frauen sind nicht als Vermittlungskabel involviert, sondern freier. Noch besser ist es dort, wo Vater und Sohn miteinander den Alltag konstruktiv gestalten können. Dafür muss aber geklärt sein, wer führt. Und Vater und Sohn müssen lernen, ihre Konflikte dort auszutragen, wo sie hingehören: miteinander.
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