
Die Migros ist seit Ende März wieder Mitglied der Branchenorganisation Milch.
Migros
Die Aufnahme der Migros und deren Tochter Elsa in die BOM wird begrüsst. «Der jetzt erfolgte Wiedereintritt stärkt die Milchbranche. In Zukunft werden die Entscheide in der BOM unter Einbezug der Migros gefällt», schreibt die Branchenorganisation Milch in einer Mitteilung.
Migros will in BOM-Vorstand
Mit dem Wiedereintritt hat die Migros die Möglichkeit, in den BOM-Gremien Einsitz zu nehmen. «Ihr steht der Weg in den 20-köpfigen Vorstand offen», heisst es weiter. Das will die Detailhändlerin auch tun. Matthias Wunderlin, CEO der Migros Industrie, stellt sich an der Delegiertenversammlung vom 29. April 2026 zur Wahl. Der Vorstand hat in einer Konsultativabstimmung einstimmig entschieden, seine Kandidatur zu unterstützen.
Ende 2017 verliess die Migros die BOM. Sie war verärgert. Man habe sich immer an die Regeln gehalten. Einzelne Akteure hätten die Diskussion um den Milchpreis für ihre Partikularinteressen genutzt und sich nicht an Abmachungen gehalten, teilte die Migros im Juni 2017 mit.
Kritik entstand nach BOM-Sitzung
In Kritik kam die Migros nach einer Vorstandssitzung Ende Mai 2017. Der Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment wurde bei 65 Rappen pro Kilo belassen. Die Mehrheit von Industrie und Handel lehnte einen Antrag der Produzentenvertreter auf Erhöhung ab. Es wurde befürchtet, dass mit einer Preiserhöhung weitere Marktanteile gegenüber Importprodukten verloren gehen und der Einkaufstourismus zunehmen würde.

Der Austritt schüttelte die Branche durch. Die Migros fühlte sich zu Unrecht kritisiert.
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Gemäss Informationen von «Schweizer Bauer» hatten nur Cremo und Emmi die Erhöhung des Richtpreises mitgetragen. Der Coop-Vertreter, der offiziell zwar für eine Erhöhung gewesen wäre, fehlte wegen Ferienabwesenheit an der Sitzung. Coop sagte im Anschluss an die Sitzung, dass man 3 Rappen mehr bezahle, auch wenn der Richtpreis nicht erhöht worden sei.
Migros fühlte sich verraten
In der Folge gab es aus Bauernkreisen Boykottaufrufe gegen die Migros. Auch der damalige Emmi-Boss Urs Riedener kritisierte die Migros. In einem Interview mit «20 Minuten» schob er die Verantwortung dem Detailhandel zu. Diese würden Preisveränderungen durchsetzen. «Ich finde es sehr gut, dass Coop den Bauern ab Juli mehr bezahlt. Aber erst wenn auch die Migros als grösster Schweizer Milchverkäufer mit eigenem Verarbeitungsbetrieb nachziehen würde, würde es Bewegung geben», sagte Riedener weiter.
Die Migros fühlte sich von den Aussagen von Coop und Emmi verraten. Einige Mitglieder der BOM hätten sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten, indem sie interne Informationen den Medien zugetragen hätten. «Die Migros wurde zu Unrecht an den Pranger gestellt», kritisierte die Migros das Verhalten einzelner Akteure der BOM. Die Migros bezahle einen höheren Milchpreis als der Durchschnitt der Branche und halte sich als Einzige der grossen Abnehmer an den A-Milch-Richtpreis der BOM. Emmi, Cremo oder Hochdorf lagen mit ihren Preisen teilweise deutlich darunter.
BOM zeigte sich überrascht
Der Konzern führte weiter aus, dass man eine enge Partnerschaft mit seinen Produzenten pflege. Diese widerspiegle sich in langjährigen Verträgen und einem überdurchschnittlich hohen Produzentenpreis. Die Migros führte zudem aus, man wolle künftig die Energie dort einbringen, wo sie Wirkung erziele. Ränkespielchen und Profilierungsversuche wolle sie anderen überlassen. «Für die Milchlieferanten der Migros ändert sich durch diesen Entscheid nichts», versicherte die Migros.
Bei der BOM war man über den Austritt der Migros überrascht. Den Entscheid bedauerte man ausserordentlich, teilte die Branchenorganisation damals mit. «Die Migros hat für die Branche eine grosse Bedeutung, sowohl als Verarbeiterin als auch im Handel», sagte BOM-Präsident Peter Hegglin. Auch Bauernvertreter zeigten sich wenig erfreut. «Es ist ein grosser Verlust für die Branche. Es ist wichtig, dass die grossen Player mit am Tisch sind», sagte BOM-Vizepräsident Ruedi Bigler. Die Rückkehr der Migros in die Branchenorganisation dürfte Bigler glücklich stimmen.