Milch: Richtpreis-Entscheid vertagt und weiteres Geld für Export

Die Situation am Schweizer Milchmarkt ist angespannt. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat deshalb zusätzliche Mittel zur Marktentlastung beschlossen. Der Richtpreis für industrielle Milch im A-Segment bleibt im Januar 2026 unverändert.

Reto Blunier |

Wie hoch der A-Richtpreis ab Februar 2026 ausfallen wird, ist noch unklar. Der Entscheid fällt der BOM-Vorstand Mitte Dezember in einer ausserordentlichen Sitzung. Der Druck vonseiten der Verarbeiter und des Handels für eine Senkung dürfte hoch sein. Wichtig: Die Richtpreise gelten ausschliesslich für Molkereimilch.

Die letzte Erhöhung des Richtpreises erfolgte auf den 1. Juli 2024. Zuvor kam es zu einer Senkung. Im November 2023 hatte die BOM entschieden, den A-Richtpreis für Industriemilch nicht bei 81 Rappen pro Kilo Milch zu belassen, sondern diesen um 2 Rappen zu senken.

Fünf weitere Millionen

Der BOM-Vorstand hat zudem weitere Entlastungsmassnahmen beschlossen. Aufgrund der hohen Milcheinlieferungen in diesem Jahr sind die Butterlager hoch. Die Lage sei angespannt, schreibt die Branchenorganisation in der Mitteilung. «Zu den bereits freigegebenen Geldern kommen weitere Freigaben für 1530 t Butter hinzu», schreibt die BOM. «Die Zusatzstützung wird rund 5 Millionen Franken kosten», sagt der BOM-Geschäftsführer zu schweizerbauer.ch.

Die vom Fonds gestützte Butter muss zwingend aus C-Milch hergestellt sein. Das soll bei den Milchproduzenten Transparenz schaffen, welcher ihr Anteil an der Marktentlastung ist. Die Lieferung von C-Milch ist freiwillig. «Die Milchkäufer müssen den Produzentinnen die Wahl lassen», schreibt die BOM.

Insgesamt 21 Millionen

Anfang September hat die BOM erstmals Gelder für die Marktentlastung gesprochen. Über den bestehenden Fonds Regulierung wird der Export von 2000 t Rahm und 2000 t Butter unterstützt. Diese Massnahme kostet bis zu 11 Millionen Franken. Insgesamt werden also 3530 Tonnen Butter und 2000 Tonnen Rahm durch Gelder aus dem Fonds Regulierung gestützt.

Weiter wurde Anfang September die bereits bestehende Stützung für Exporteure von Schokolade und anderen verarbeiteten Nahrungsmitteln erhöht. Diese Massnahme kostet rund 5 Millionen Franken. Insgesamt werden für die Marktentlastung rund 21 Millionen Franken aufgewendet. Die Gelder sind bestimmt für Exporte bis zum 30. Juni 2026.

Erstmals seit 2018 wird wieder C-Milch gehandelt. Hier gilt normalerweise der Weltmarktpreis. Im August lag der C-Milch-Richtpreis bei rund 37,4 Rp./kg, im November nur noch bei 29 Rp. Um den Ausfall bei den Bauern abzumildern, kommt der Fonds Regulierung zum Einsatz. Das Kilo Milch wird mit den Geldern indirekt auf den B-Milch-Richtpreis gestützt. Im August lag hier der Richtpreis bei 54,7 Rp., im November bei 53,7 Rp.

Milchmenge soll nicht wegbrechen

Um die durch den Zollhammer verursachten Verwerfungen abzumildern, hat die Branchenorganisation Milch (BOM) Ende August Massnahmen zur Marktstabilisierung beschlossen. Sie befürchtet, dass die Milchmengen für immer wegbrechen. «Die Branche rechnet damit, dass ein grosser Teil der bisher rund 100 Mio. kg Milch, die in Form von Käse oder Schokolade in die USA exportiert wurden, gefährdet ist», warnte die Branchenorganisation Anfang September.

Im besten Fall werde diese Milch nicht mehr produziert. Dieses Szenario wollen die Abnehmer verhindern.

Richtpreis und Segmentierung

Die Richtpreise der BOM bilden eine Entscheidungsgrundlage für Preisverhandlungen zwischen den Marktpartnern und gelten ausschliesslich für Molkereimilch. Sie entsprechen somit nicht den realisierten Milchpreisen, sondern verstehen sich als Preise franko Rampe des Verarbeiters. Richtpreise werden für alle drei Segmente A, B und C festgelegt. Der effektiv ausbezahlte Durchschnittsmilchpreis je Milchverarbeiter oder Handelsorganisation hängt stark vom Produkteportfolio bzw. den in den einzelnen Segmenten hergestellten Milchprodukten der Akteure ab.

Der Richtpreis für A-Milch wird mithilfe des Molkereimilchpreisindex (BLW) und der prospektiven Markteinschätzung des Vorstandes der BOM quartalsweise festgelegt. Der Richtpreis im B-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Weltmarkt und Butter für den Inlandmarkt. Der Richtpreis im C-Segment entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Weltmarkt.

Kommentare (5)

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  • Samuel Reichenbach-Wüthrich | 20.11.2025
    Die Bauern sind selbst, wenn sie nicht geglaubt hätten nur die Milchmenge sei das einz und O und haben auf die Milchmenge und somit auf die Milchbetonte Kuh gestellt und haben das mitemas vergessen
  • Knecht | 19.11.2025
    Wie immer, wir Produzenten pöbeln einander an, der andere solle weniger melken......genau wie es die Verarbeiter wollen, sie können uns so angeben, es werde zu viel Milch produziert, und wir Produzenten seien selber Schuld an der Milch-Preissenkung. Und das Spiel widerholt sich immer wider.
    Wann merken die Produzenten dass sie verarscht werden?
    Bin ja nur Knecht.....kann mir egal sein.
  • emil | 18.11.2025

    Ich finde es bedenklich das keine Erklärung - Aufschrei hier im Kommentar erscheint . Die Vertreter der Milchproduzenten müssten Klarheit über die Machenschaften - Lügengebäude der FROMARTE und BOM aufdecken . Oder sind wir schon soweit wie bei der Mafia oder das Schweigen der Lämmer . j

  • Gesunder Menschenverstand | 18.11.2025
    Die C-Milch wird mit den Geldern der Produzenten indirekt auf den B-Milch-Richtpreis gestützt.--> so geht die Milchmenge socher nicht zurück.
    Klüger wäre, den C- Milchpreis nicht stützen, dann kann jeder Milchproduzent selber entscheiden, ob er für 29 Rp. melken will!
  • Werner Locher | 18.11.2025
    Was will die BOM eigentlich? Will sie verhindern, dass die produzierte Menge zurückgeht oder fordert sie die Produzenten auf, weniger Milch anzuliefern?
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