Testgehege: Junger Wisentstier tot aufgefunden

Auf der Sollmatt bei Welschenrohr SO lebt seit 2022 eine Wisentherde. Nun wurde ein auf der Anlage geborenes Jungtier tot aufgefunden. Bereits vor gut einem Monat kam es zu einem Zwischenfall.

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In Welschenrohr wird getestet, ob die Wiederansiedlung des europäischen Bisons in der Schweiz möglich ist.

Nun kam es zu einem Zwischenfall. Am 29. September 2026 wurde ein Tier tot aufgefunden. Das männliche Jungtier wurde im Jahr 2025 geboren. Vermisst wurde es bereits seit Mitte September. Anschliessend hat das Projektteam mehrere Tage intensiv nach dem vermissten Tier gesucht. «Insbesondere in jenen Bereichen, in denen sich die Herde gemäss den GPS-Daten aufgehalten hatte», schreibt der Verein Wisent Thal.

Verletzungen im Bauchbereich

Doch die Suche blieb erfolglos. «Das 100 Hektaren grosse Gehege umfasst rund 87 Hektaren Wald und weist teilweise felsiges und zerklüftetes Gelände mit stark eingeschränkter Sicht auf», heisst es in der Mitteilung weiter. Eine Suche sei so schwierig. Erst Ende September wurde der Kadaver bei einem Kontrollgang dank Fotofallen entdeckt.

Der junge Stier wies Verletzungen im Bauchbereich auf. Als Todesursache kommt ein Hornstoss eines anderen Stiers oder ein Absturz im Gelände infrage. Gemäss dem Projektteam sind tödliche Verletzungen durch Hornstösse bei Wisenten nicht aussergewöhnlich. Das komme auch bei anderen grossen Hoftieren vor. Das tote Tier wurde im schwer zugänglichen Gebiet geborgen und anschliessend entsorgt. Der Schädel soll nach Möglichkeit präpariert werden.

Ranger angegriffen

Anfang September kam es bereits zu einem Zwischenfall. Der Wisent-Ranger und Landwirt Benjamin Brunner näherte sich einem Wisentstier auf eine Distanz von rund ein bis zwei Metern, um das Tier zum Ausweichen zu bewegen. Der Stier wich aber nicht zurück und erfasste Brunner. Dabei musste Brunner mit Verletzungen ins Spital geflogen werden.

Gemäss dem Verein Wisent gelten Wisente grundsätzlich als scheue und friedliche Wildtiere. Beim vorliegenden Fall gebe es keine Hinweise auf ein aggressives Verhalten des Tieres, teilte der Verein mit. Der Landwirt habe die Situation falsch eingeschätzt. Der in den Verhaltensrichtlinien festgelegte Mindestabstand wurde unterschritten. «Der Wisentstier fühlte sich durch die Nähe bedrängt und griff Brunner an, als dieser versuchte, sich aus der Situation zu lösen», schrieb der Verein.

Leben in Herden

Im September 2024 wurde das Gehege von rund 50 auf 100 Hektaren erweitert. Den Tieren stehen seitdem etwa 87 Hektar Wald sowie 13 Hektar Wiesen und Weiden zur Verfügung. Durch die grössere Fläche können die Wisente ihr natürliches Verhalten besser ausleben und haben gleichzeitig weniger direkten Kontakt mit Menschen. Das Testgelände gehört der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt und Wisent-Ranger Benjamin Brunner. Es ist für die Dauer des Versuches eingezäunt. Die Flächen werden während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Ab 2027 tritt die dritte Phase des Projekts ein – die Halbfreiheit. Der Zaun wird nach rund weiteren drei Jahren entfernt. Danach kann sich die Test-Herde in einem definierten Gebiet von rund 7 km² Grösse auch in den angrenzenden Wäldern der ersten Jurakette aufhalten. «Wegen der bestehenden Weidezäune werden die Wisente auch in der dritten Phase den Wald nur an wenigen Stellen verlassen können. Ausserdem werden mit virtuellen oder stellenweise auch echten Zäunen die Wisente am Verlassen dieses Gebietes gehindert», heisst es auf der Website.

Wisente werden bis zu 920 kg schwer und ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Rinden und Blättern. Sie erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 1,90 Meter. Sie leben in Herden von etwa 20 Tieren. Diese bestehen aus Kühen, Kälbern und Jungstieren, während ältere Stiere oft als Einzelgänger umherziehen. Innerhalb der Herde gibt es klare Rangordnungen, angeführt von einer Leitkuh. Wisente leben in lichten Laub- und Mischwäldern und sind bis zu 60 km/h schnell.

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