
Philipp und Sandra Rosset vom Grienhof oberhalb von Reigoldswil BL verfüttern ihren Kühen bereits jetzt Heu, das eigentlich für den kommenden Winter vorgesehen war. (Symbolbild)
H. Hach
Die Weiden sind vertrocknet, Regen ist kaum in Sicht und die Preise für Heu steigen weiter. Die Lage für viele Milchwirtschaftsbetriebe spitzt sich zu. So auch auf dem Grienhof oberhalb von Reigoldswil BL auf gut 600 m ü. M.: Philipp und Sandra Rosset bewirtschaften dort ihren Biobetrieb mit 30 Milchkühen.
Crowdfunding gestartet
Bereits jetzt verfüttern sie ihren Tieren Futter, das eigentlich für den kommenden Winter vorgesehen war – wie viele andere Betriebe in der Schweiz auch. Philipp Rosset beziffert im Regionaljournal Basel Baselland die möglichen Kosten für den kommenden Winter: «Wir reden für die für uns nötige Heumenge über rund 30'000 Franken.»
Um zusätzlichen Futternachschub finanzieren zu können, haben die Rossets deshalb spontan ein Crowdfunding gestartet. Rund 3500 Franken sollen zusammenkommen. Der Zukauf dank Spenden wäre zwar nur ein Tropfen auf den heissen Stein, sagt Philipp Rosset. Sandra Rosset freut sich aber, dass bereits rund 2000 Franken eingegangen sind. «Ich bin sehr positiv überrascht», sagt sie gegenüber SRF zu den Reaktionen auf die Spendenaktion . Es hätten sich sogar Menschen gemeldet und Geld gespendet, die sie nur sporadisch kenne.
Ein spezielles Jahr
Für den Schweizer Bauernverband (SBV) ist die Aktion ungewöhnlich. Zwar hätten Betriebe in der Vergangenheit bereits Crowdfunding für Neubauten oder Betriebsumstellungen genutzt. «Für Heu ist das eine Premiere. Aber es ist ja auch ein spezielles Jahr», erklärt SBV-Medienverantwortliche Sandra Helfenstein gegenüber dem Regionaljournal.
Helfenstein sieht durchaus Chancen für solche lokalen Sammelaktionen. Spendende wüssten genau, wohin ihr Geld fliesse – und für Nachbarn im Dorf gebe man möglicherweise eher etwas. Würden mehr Bauern diesen Weg gehen, könnte zudem das Bewusstsein wachsen, wie stark die Trockenheit die Landwirtschaft belastet.
Zölle aussetzen
Auch Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbands beider Basel, zeigt Verständnis für den Spendenaufruf. Die meisten Betriebe hätten zwar Heureserven, «aber keinen halben Jahresbedarf. Es ist wirklich extrem jetzt». Winterreserven würden normalerweise nicht vorzeitig angetastet; das tue man nur, «wenn man am Hag ist».
Derweil wird die Lage auf dem Raufuttermarkt in der Schweiz und im nahen Ausland immer angespannter. Laut dem Schweizer Bauernverband ist die Situation auch in Ländern wie Frankreich und Deutschland schwierig. Er hat deshalb beim Bund beantragt, die Zölle auf Raufutter vorübergehend auszusetzen. Bereits Mitte Juli haben Futterhändler gegenüber «Schweizer Bauer» eine Zollsenkung verlangt. «Wenn wir einen Lastenzug Heu importieren, gehen etwa 900 Franken direkt in die Bundeskasse. Das ist krass», sagte Samuel Hofer, Inhaber der Heu- und Strohhandel GmbH in Möhlin AG. Schon im Frühjahr sei Heu knapp gewesen.
«Es sieht schlimmer aus, als man denkt. Es wächst nichts nach.» Thomas Flury, Futtermittelhändler aus Feldbrunnen SO, spart nicht mit Kritik an den Behörden: «Der Bund sollte unbedingt reagieren und diesen Zoll abschaffen. Man hat die Situation schon im Mai gesehen.»
-> Zoll auf Raufutterimporte sorgt für Kritik
Tiere schlachten
Sandra Rosset wird emotional: «Wenn wir nicht genug Futter einkaufen oder produzieren können, müssen wir die Tiere, die uns sehr am Herzen liegen, schlachten». Sie schildert gegenüber SRF die Konsequenzen, die dem Betrieb im schlimmsten Fall drohen, wenn es weiterhin keinen Regen gibt.
In der vergangenen Woche haben mehrere Bauernorganisationen die Landwirtinnen und Landwirte aufgefordert, Schlachtkühe gestaffelt zu liefern, um einen Preisverfall zu verhindern. Gemäss SBV hat der Appell Wirkung gezeigt. Gemäss SBV-News sind für die Woche vom 20. Juli 2026 gut 100 Kühe weniger angemeldet worden, nämlich 844 gegenüber 946 in der Vorwoche. «Der Aufruf ist weiterhin zu befolgen», hält der SBV fest.
-> Preisdruck verhindern – Schlachtkühe gestaffelt liefern
Denn die Wetteraussichten sehen wenig vielversprechend aus. Ein Blick auf die Wetterprognosen lässt bezüglich Regen wenig Hoffnung aufkommen. Bis zum 3. August 2026 rechnen sowohl Meteoschweiz als auch SRF-Meteo nicht mit flächigen Niederschlägen auf der Alpennordseite. Regional könne es sogar komplett trocken bleiben. Zudem kommt ab nächster Woche die dritte Hitzewelle auf die Schweiz zu. Die Trockenheit dürfte sich damit noch mehr verschärfen.