
Ein Wisent-Stier hat einen Betreuer verletzt, als dieser ihm zu nahe kam. (Symbolbild)
Michael Gäbler / wikipedia.ch
Am Montagnachmittag ereignete sich im Wisentgehege auf der Sollmatt in Welschenrohr SO ein Unfall. Wie der Verein «Wisent im Thal» mitteilt, näherte sich der Wisent-Ranger und Landwirt Benjamin Brunner einem Wisentstier auf eine Distanz von rund ein bis zwei Metern, um das Tier zum Ausweichen zu bewegen.
Der Stier wich jedoch nicht zurück und erfasste Brunner. Dabei wurde dieser verletzt und musste mit der Rega zur weiteren medizinischen Behandlung ins Spital geflogen werden. Der Verein bedauret den Vorfall sehr.
Scheue und friedliche Wildtiere
Trotz ihres imposanten Erscheinungsbildes gelten Wisente grundsätzlich als scheue und friedliche Wildtiere. Laut dem Verein gibt es auch im vorliegenden Fall keine Hinweise auf ein aggressives Verhalten des Tieres.

Die Geburt eines Kalbes im Juli 2023 zeigte, dass sich die Tiere in ihrem neuen Lebensraum wohlfühlen.
Roger Stöckli
Nach aktuellem Kenntnisstand kam es jedoch zu einer Fehleinschätzung der Situation, wodurch der in den Verhaltensrichtlinien festgelegte Mindestabstand unterschritten wurde. Der Wisentstier fühlte sich durch die Nähe bedrängt und griff Brunner an, als dieser versuchte, sich aus der Situation zu lösen. Dabei wurde der Ranger zu Boden gestossen und verletzt, heisst es in der Mitteilung.
Wiederansiedlungsprojekt
Mit der Ansiedlung einer Wisentherde im Rahmen des Projekts «Wisent im Thal» wird untersucht, ob Europas grösstes Landsäugetier nach seiner Ausrottung im Mittelalter wieder dauerhaft in der Schweiz leben könnte. Das Projekt gilt als schweizweit einzigartig und wird wissenschaftlich begleitet.
Die ersten Wisente, bestehend aus einem Stier, drei Kühen und einem Kalb, wurden im September 2022 in ein Eingewöhnungsgehege auf der Sollmatt gebracht. Seit November desselben Jahres lebt die Herde in einem grossen Gehege, das Wald- und Weideflächen umfasst und von Besucherinnen und Besuchern betreten werden kann. Ziel des auf fünf Jahre angelegten Versuchs ist es, Erkenntnisse über die ökologische Rolle des Wisents sowie seine Verträglichkeit mit Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naherholung zu gewinnen.
Erste Geburt seit 1000 Jahren
Ein bedeutender Meilenstein wurde im Juli 2023 erreicht. Das erste Wisentkalb wurde geboren. Laut dem Verein «Wisent im Thal» war dies die erste Wisentgeburt im Solothurner Jura seit rund 1000 Jahren. Das weibliche Kalb war ein wichtiger Erfolg für das Projekt und zeigte, dass sich die Tiere in ihrem neuen Lebensraum wohlfühlen. Bereits kurze Zeit später wuchs die Herde durch weitere Geburten an.
Der folgende SRF-Beitrag wurde am 7. Juli 2023 ausgestrahlt. Darin ist auch Benjamin Brunner zu sehen. Der Geschäftsführer des Solothurner Bauernverbandes, Edgar Kupper, übt darin Kritik an den Projektzielen.
Im September 2024 wurde das Gehege von rund 50 auf 100 Hektaren erweitert. Den Tieren stehen seitdem etwa 87 Hektar Wald sowie 13 Hektar Wiesen und Weiden zur Verfügung. Durch die grössere Fläche können die Wisente ihr natürliches Verhalten besser ausleben und haben gleichzeitig weniger direkten Kontakt mit Menschen. Das Testgelände gehört der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt und Wisent-Ranger Benjamin Brunner. Es ist für die Dauer des Versuches eingezäunt. Die Flächen werden während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt.
Die nächste Projektphase sieht vor, die Wisente in die «Halbfreiheit» zu entlassen. Dass es dazu auch kritische Stimmen gibt, lesen Sie in folgenden Artikel:
Kommentare (1)