Wildschweine: Wie Zürcher Bauern ihre Kulturen wirksam schützen

Die wachsende Population der Wildschweine stellt die Landwirtschaft vor grosse Herausforderungen: Immer grössere Schäden im Kulturland, steigende Kosten. Statt die Sauen nur abzuschiessen, setzt der Kanton Zürich auf eine Strategie, die erfolgreicher sein soll. Der Landwirtschaft kommt dabei eine aktive Schlüsselrolle zu.

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Landwirtin Franziska Näf aus Glattfelden ZH geht über eine ihrer Wiesen, die eigentlich der Futterproduktion dienen sollte. Doch statt einer futterreichen Wiese findet sie eine Fläche vor, die einem umgepflügten Acker gleicht. Wildschweine haben auf der Suche nach Nahrung den Boden grossflächig aufgewühlt und dabei teils tiefe Löcher gegraben. Der Schaden ist immens. 

Von den rund 25 Hektar Naturwiesen, die als Futtergrundlage für ihre Milchkühe vorgesehen sind, fällt ein erheblicher Teil aus. Die fehlende Menge muss sie teuer zukaufen. Zwar erhält sie eine Entschädigung für die Wildschweinschäden, doch diese deckt die effektiven Kosten nicht. «Es ist ganz schlimm. Ich begutachte die Felder teils nicht mehr, weil man so niedergeschlagen ist», sagt die Landwirtin gegenüber der Nachrichtensendung «10 vor 10». Das Zürcher Projekt «Wildschwein­management 2025+» soll die Landwirtinnen nun entlasten.

3-Säulen-Konzept gegen Wildschweinschäden

Die Wildschweinpopulation nimmt in der Schweiz seit den 1990er Jahren stark zu. Dadurch kommt es vermehrt zu erheblichen Schäden an Kulturen.  Gerade auf energiehaltige Kulturen wie Mais, Weizen, Kartoffeln und Wiesenflächen haben es die Wildschweine besonders abgesehen. Doch trotz intensiver Jagd bleiben die Schäden und die Kosten für Entschädigungsmassnahmen aber unverändert hoch. So belaufen sich diese im Kanton Zürich jährlich auf rund 350'000 Franken, wie «10 vor 10» weiter berichtet.

Als Lösung hat der Kanton Zürich mit dem Projekt «Wildschwein­management 2025+» ein integriertes Konzept mit drei Säulen entwickelt. Dieses sieht neben der Bestandsregulierung durch gezielte Bejagung und einer angemessenen Vergütung unvermeidbarer Schäden auch die Schadensverhütung im Ackerland vor. So sollen beispielsweise auf den Feldern Lautsprecheranlagen aufgestellt werden, die die Aufnahmen von Gewehrschüssen und Warnlauten der Wildschweine abspielen, um die Tiere zu vergrämen.

-> Zürcher Bauern leiden unter Wildschweinschäden

Wildschweine auf Feldern erlegen

Bezüglich der Jagd sollen die Wildschweine vor allem direkt auf den Feldern geschossen werden. Nicht nur, weil dort die Schäden am grössten sind, sondern auch um die Wildschweine zu konditionieren. Für sie soll es heissen: Feld gleich Gefahr, Wald gleich Sicherheit. Durch Jagddruck direkt auf den Fruchtflächen wird ihr Verhalten gelenkt. Alte, erfahrene Leitbachen sollen dabei geschont werden, weil sie die Rotten führen und ihr Verhalten prägen.

Die Leitbachen erinnern sich an Gefahren und meiden problematische Flächen, was die Tiere bis zu einem gewissen Grad steuerbarer macht. Die Jagd ist aber nur eine Säule des Wildscheinmanagements. Denn «Kantone, die nur auf die Jagd setzen, werden scheitern», sagt Wildtierbiologe Stefan Suter, der das Projekt wissenschaftlich betreut. Nur eine Kombination von Jagd und Präventionsmassnahmen würden zum Erfolg führen.

-> Auch der Kanton Bern ist stark betroffen: «Wildschweinplage nimmt zu»

Massnahmenkatalog für die Landwirtschaft

Der «Massnahmenkatalog Wildschweinschadenabwehr» des Kantons Zürich beschreibt wirksame Präventionsmassnahmen, deren Umsetzung auch Voraussetzung für Entschädigungen ist. So regelt er neben den Zahlungen für Präventionsmassnahmen auch Kürzungen bei der Schadensvergütung, die teils erheblich sein können, wenn keine geeigneten oder ungenügende Massnahmen getroffen werden.

Bezüglich der Präventionsmassnahmen unterscheidet der Katalog drei Hauptbereiche:

  • technische Massnahmen (insbesondere korrekt unterhaltene Elektro- oder Wildschutzzäune)
  • Vergrämungsmassnahmen (geruchlich, geschmacklich, akustisch, mit Hunden)
  • kulturbezogene Massnahmen wie alternative Sortenwahl, Saatgutbeizung, Schussschneisen oder Waldabstände

Zentral sei die Kombination und zeitlich gezielte Anwendung der Massnahmen, insbesondere während definierter Hochrisikoperioden je nach Kultur. Vergrämungen wirken nur kurzfristig, verlieren nach wenigen Tagen oder Wochen ihre Wirksamkeit und sollen regelmässig gewechselt werden. «Die landwirtschaftlichen Schutzmassnahmen müssen aber mit jagdlichen ergänzt und unterstützt werden, um einen optimalen Schutz zu bewirken», sagt Reto Mugler, Co-Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich.

Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Artikel : 

-> «Nichts kann die Wildschweine aufhalten»

-> 4000 Volt gegen Wildschweine

-> Wildschweine zerstören viele Kulturen

-> Wildschweine zertrampeln ganze Felder

Bericht von «10 vor 10»

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