Führen hohe PFAS-Werte bald zu einem Exportverbot?

Ein Monitoring im Kanton Appenzell Ausserrhoden hat ergeben, dass fast ein Drittel der untersuchten Landwirtschaftsbetriebe von überhöhten PFAS-Werten betroffen ist. Auch wenn es sich dabei nicht um ein flächendeckendes Problem handelt, droht ein Exportverbot für mit PFAS belastete tierische Produkte.

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Zwischen Oktober 2025 und März 2026 haben 169 Landwirtschaftsbetriebe aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden freiwillig die PFAS-Werte auf ihren Betrieben untersuchen lassen. Bei 58 dieser Betriebe, also bei rund 34 Prozent, wurden in der Milch Werte über dem EU-Richtwert von 0,02 Mikrogramm pro Kilogramm festgestellt.

Wie der Kanton Appenzell Ausserrhoden mitteilt, handelt es sich dabei jedoch nicht um ein flächendeckendes Problem, sondern um lokal begrenzte Belastungen. Deutlich erhöhte Werte wurden in zwei Regionen gemessen. Die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe liegen vor allem im Vorder- und Mittelland nahe der St. Galler Grenze sowie im Mittelland rund um Bühler AR.

Bauern als unverschuldet Leidtragende

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden kaum abgebaut und deshalb auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Sie reichern sich in den Böden an und gelangen über das Gras als Futter in die Mägen von Kühen und von dort in die Milch und das Fleisch. In hohen Konzentrationen gelten PFAS als gesundheitsgefährdend für den Menschen. Trotz der erhöhten PFAS-Werte beschreibt der Kanton die Lebensmittelsicherheit als gewährleistet. Die Behörden gehen davon aus, dass die hohe Belastung in vielen Fällen auf den Klärschlammaustrag der 1980er-Jahre zurückgeht.

Auch die Kantone Zürich und Appenzell Innerrhoden (AI) haben ein PFAS-Monitoring durchgeführt. In Zürich wurden auf rund 11 Prozent der untersuchten Betriebe erhöhte PFAS-Werte festgestellt (bei 82 von 732 Betrieben), in AI waren es rund 24 Prozent (22 von 91 Betrieben). Wie die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens (SRF) berichtet, sind die Werte teilweise nur leicht höher als erlaubt. In anderen Fällen werden sie jedoch massiv, um das Vier- bis Fünffache überschritten.

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Die Zeit drängt – Exportverbot droht

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat zwar einen Kredit von 770'000 Franken bewilligt, um die betroffenen Betriebe in ihrer schwierigen Situation zu beraten und zu unterstützen. Auch fordert er vom Bund Lösungen und ausreichend Zeit, um die nötigen Anpassungen vornehmen zu können. Aber die Zeit drängt.

Bereits ab nächstem Jahr könnte die EU verbindliche PFAS-Höchstwerte in Lebensmitteln einführen. Es ist davon auszugehen, dass die Schweiz diese EU-Grenzwerte übernehmen wird. Und selbst wenn dies nicht sofort geschieht, droht ein anderes Ungemach. Die verbindlichen EU-Grenzwerte könnte zur Folge haben, dass Schweizer Milch oder andere tierische Produkte wie Käse, Fleisch oder Eier, die den Höchstwert überschreiten, künftig nicht mehr in die EU exportiert werden können.

Auch wenn die Branche bereits weitere Untersuchungen durchführt, mahnt der Appenzell Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Balmer zur Eile. «Bei den Tests muss ein gewisses Tempo reinkommen damit die Milch die Werte einhält, sonst könnten Exportstopps drohen», sagt er gegenüber der SRF-Tagesschau.

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Viele offene Fragen und Unsicherheiten

Auch Beat Brunner, Präsident des Bauernverbandes des Kantons Appenzell Ausserrhoden, hat die Milch seiner Kühe untersuchen lassen. Wie die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» berichtet, ist sein Betrieb jedoch nicht von erhöhten PFAS-Werten betroffen. Trotzdem mache er sich Sorgen um seine Kolleginnen und Kollegen. «Es gibt grosse Unsicherheiten und viele offene Fragen, und wir wissen nicht, wie es weitergehen wird», gibt er SRF zu verstehen.

Brunner betont dabei die hohe Qualität der landwirtschaftlichen Produkte. Bezüglich der Betriebe, die von überhöhten Werten betroffen sind, gibt er zu bedenken, dass es sich bei der PFAS-Konzentration derzeit um einen Richtwert handle. «Es ist kein toxikologischer Höchstwert, der überschritten wurde». Doch scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis ein solcher Höchstwert festgelegt wird.

«Die grosse Arbeit wird erst jetzt ausgelöst», sagt Gesundheitsdirektor Balmer gegenüber «SRF». Es brauche nun Beratungen, weitere Untersuchungen und regelmässige Stichproben. Denn auch Fleisch und Eier dürften von höheren PFAS-Werten betroffen sein.

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