Acht Rinder attackiert – Neuenburg will Wolf abschiessen

Der Kanton Neuenburg hat beim Bund den Abschuss des dominanten Rüden des Wolfrudels im Vallée de la Brévine beantragt. Das Tier soll für mehrere Risse von Rindern verantwortlich sein.

sda/blu |

Zwischen dem 4. und 26. Juli seien im Gebiet des Rudels bei mehreren Angriffen acht Rinder getötet oder verletzt worden, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Aufgrund der Lage der Risse und der Untersuchungen der Wildhüter gehe der Kanton davon aus, dass das Rudel für die Angriffe verantwortlich sei.

Leitwolf bereits 2025 auffällig

Genetische Analysen, deren Resultate Anfang Woche vorlagen, bestätigten laut dem Kanton zudem, dass zwei Angriffe auf Rinder dem männlichen Wolf M583 zuzuschreiben sind. Damit seien die Voraussetzungen des Bundesrechts für eine reaktive Regulierung erfüllt, da das Tier ein «unerwünschtes Verhalten» zeige, hiess es weiter. Nach Einschätzung des Kantons spricht zudem vieles dafür, dass M583 auch für den Grossteil der übrigen Angriffe in diesem Jahr verantwortlich ist. Die Vorfälle von 2025 hätten bereits die «entscheidende Rolle des Leitwolfs» bei solchen Rissen aufgezeigt.

Das Neuenburger Departement für Raumentwicklung und Umwelt reichte deshalb beim Bundesamt für Umwelt ein Gesuch für eine teilweise Regulierung des Rudels im Vallée de la Brévine ein. «Parallel zu diesem Vorgehen setzt der Kanton die Präventionsmassnahmen fort», so der Kanton weiter. Die Landwirtinnen und Landwirte in der Region wurden bei der Umsetzung von Herdenschutzmassnahmen unterstützt. So soll das Risiko für weitere Angriffe reduziert werden.

Mehr Risse in Neuenburg

Bereits im Juni wurden im Kanton Neuenburg Rinder gerissen. Der Angriff ereignete sich in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni in der Gemeinde Les Verrières, im Ortsteil La Planée. Die Herde zählte 34 Tiere. Ein Rind wurde leicht verletzt, ein zweites getötet. Ein drittes Rind wurde schon etwas früher getötet. Nach Angaben des betroffenen Landwirts wog das zuletzt getötete junge Rind zwischen 300 und 400 Kilogramm. In der Folge trieb die Bauernfamilie die Tiere in der Nacht in den Stall. Die betroffene Bauernfamilie wird ihre Tiere nun jeden Abend eintreiben. Dies bedeutete für sie einen erheblichen Mehraufwand, da sich die Tiere auf einer Sommerweide 11 Kilometer vom Hof entfernt befanden.

->  Wolf greift Rinderherde an

Im Mai 2026 haben die Kantone Neuenburg und Waadt nach wiederholten Angriffen auf Nutztiere den Abschuss eines «Problemwolfs» beschlossen. Zwischen März und Mai wurden im Grenzgebiet der Kantone Waadt und Neuenburg mehr als 20 Nutztiere von Wölfen gerissen worden. Für elf dieser Risse war M121 nachweislich verantwortlich. Ausserdem hat derselbe Wolf zwischen 2021 und 2025 in den Kantonen Waadt, Neuenburg und Bern bereits mindestens 50 Angriffe auf Nutztiere verübt. Deshalb wurde der Abschuss verfügt.

->  Dutzende Nutztiere gerissen: Wolf zum Abschuss freigegeben

Landesweit sind die Risse von Nutztieren durch Wölfe im laufenden Sommer im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Laut der Gruppe Wolf Schweiz wurden bislang während der Alpsaison insgesamt rund 180 Nutztiere gerissen, im Vorjahreszeitraum waren es etwas mehr als 400. Nicht miteinbezogen sind die Risse im Tessin, da der Kanton keine aktuellen Zahlen publiziert hat. Im Kanton Neuenburg hat die Anzahl Risse im Vergleich um 4 auf 16 Nutzteren zugenommen. 

->  Wolfsrisse gehen deutlich zurück

Kommentare (3)

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  • [email protected] | 06.08.2026
    Keine Wölfe, keine Probleme. Die letzten 100 Jahre ist es auch ohne gegangen.
  • Erich | 05.08.2026
    Wurde den bei dem aktuellen Fall die Herdenschutz Vorgaben wirklich umgesetzt? Das ist zumindest zu bezweifeln!!. Und wenn man inklusive HSH alles versucht hat , bin auch ich für eine selektive Regulierung. HSH bei Rindern, das ist möglich. Im grenznahen Frankreich und Deutschland/ Bayern funktionieren die verschiedenen Projekte. Wenn man dort sieht wie eng die Bindung zwischen zwei so unterschiedlichen Tierarten ist, ist das schon erstaunlich. Übriges, sehr viele der Kühe haben auch noch Hörner. Das macht das Ganze noch aussergewöhnlicher. Warum geht das mit dem Herdenschutz, bei uns in der Schweiz nicht, und im Ausland geht’s !!! Man hatte über 30 Jahre Zeit für die Massnahmen umzusetzen. Den Herdenschutz könnte der Bund aus der Portokasse bezahlen, wenn er den wollte.
    • Peter | 06.08.2026
      Immer die gleich dumme Aussage, von diesen weltfremden Träumern: im Ausland gehts, im eigenen nicht. Die brauchen nur mal zu googeln, dann kapieren sie selbst, dass es nirgends funktioniert.
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