
Preisanpassungen sind eine schwierige Angelegenheit.
Freepik
Die Branchenorganisation Milch (BOM) erhöht den A-Richtpreis für Industriemilch per 1. Oktober um 4 Rappen auf 82 Rappen pro Kilogramm. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen zwischen Produzenten, Verarbeitern und Handel.
Die Milchproduzenten hatten auf die deutlich gestiegenen Produktionskosten hingewiesen. Nach Berechnungen der Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind diese im Durchschnitt um 12 Rappen pro Kilogramm Milch gestiegen. Besonders betroffen sind Betriebe mit raufutterbasierter Milchproduktion, die unter der anhaltenden Trockenheit leiden.
Mit der Richtpreiserhöhung wird somit lediglich rund ein Drittel der Mehrkosten abgegolten. Entsprechend fordert die BOM zusätzlich Unterstützung vom Bund. Konkret soll die Zulage für Verkehrsmilch während eines halben Jahres um weitere 4 Rappen pro Kilogramm erhöht werden.
Gleichzeitig weist die BOM auf die schwierige Marktlage hin. Die internationalen Milchpreise liegen weiterhin auf tiefem Niveau, zudem sind die Lager mit Butter, Käse und Milchpulver gut gefüllt. Erst Anfang Februar war der A-Richtpreis wegen der damaligen Marktaussichten noch um 4 Rappen gesenkt worden.
-> Milch: Richtpreis steigt um 4 Rappen
Kartoffeln: Produzenten erhalten deutlich weniger als gefordert
Auch auf dem Kartoffelmarkt hinterlässt die Trockenheit deutliche Spuren. Weil die Inlandproduktion nicht ausreicht, müssen rund 130'000 Tonnen Kartoffeln importiert werden. Der Selbstversorgungsgrad sinkt laut Swisspatat auf 70 bis 75 Prozent.
Trotz der knappen Versorgung fällt die Preisanpassung für die Produzenten vergleichsweise bescheiden aus. Bei den Speisekartoffeln steigen die Richtpreise um lediglich 2 Franken pro 100 Kilogramm, was 2 Rappen pro Kilogramm entspricht. Die Produzentenorganisationen hatten eine Erhöhung um 7 Rappen pro Kilogramm verlangt.
Für Veredelungskartoffeln wird rückwirkend per 1. August ein einmaliger Solidaritätszuschlag von 2 Franken pro 100 Kilogramm ausbezahlt. Zudem werden die Übernahmebedingungen gelockert.
-> Tiefste Kartoffelernte seit Messbeginn
Schwierige Verhandlungen in aussergewöhnlicher Marktlage
Beide Branchen standen bei den Verhandlungen vor einem ähnlichen Dilemma. Einerseits leiden die Produzenten unter höheren Kosten und wetterbedingten Einbussen. Andererseits setzen die Marktverhältnisse den Spielraum für Preiserhöhungen Grenzen.
Während die Milchbranche immerhin eine Erhöhung des Richtpreises um 4 Rappen durchsetzen konnte, bleibt auch dort ein grosser Teil der Mehrkosten ungedeckt. Im Kartoffelmarkt fällt die Preisanpassung noch deutlich geringer aus als von den Produzenten gefordert.
Ob die Verbände damit gut verhandelt haben, dürfte unterschiedlich beurteilt werden. Aus Sicht der Produzenten decken die beschlossenen Anpassungen die Folgen der Trockenheit nur teilweise ab. Aus Sicht von Verarbeitern und Handel mussten die Entscheide jedoch auch die Absatzmöglichkeiten sowie die internationale Wettbewerbssituation berücksichtigen.
Umfrage wird verarbeitet.
Aktuelle Umfrage