Donnerstag, 1. Dezember 2022
07.09.2022 18:00
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Brotgetreide: Steigen die Richtpreise?

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Von: blu

Am kommenden Dienstag werden Vertreter der Branchenorganisation Getreide über den Richtpreis beim Brotgetreide nachverhandeln. Produzenten fordern eine Nachbesserung, Verarbeiter warnen. Was denkt Ihr? Steigen die Preise oder bleiben diese unverändert? Abstimmen und mitdiskutieren

Im Vorfeld der ersten Richtpreisverhandlung von Ende Juni machten Landwirtinnen und Landwirte auf die deutlich gestiegenen Produktionskosten aufmerksam. So wurden Dünger, Treibstoff und Energie in den vergangenen Monaten massiv teurer. Produzenten forderten eine Erhöhung der Richtpreise von 8 Franken je 100 Kilo.

Swiss Granum sprach von Kompromiss

Die Kommission «Markt-Qualität Getreide» der Branchenorganisation Swiss Granum beschloss zwar eine Erhöhung. Aber die Forderungen der Bauern wurden nicht erfüllt. Die Preise stiegen zwischen 3 und 5 Franken. Der Entscheid sei als Kompromiss zwischen den Getreideproduzenten und den Verarbeitern zustande gekommen, teilte Swiss Granum mit. Der Mehrpreis decke einerseits einen Teil der gestiegenen Kosten der Getreideproduktion. Andererseits werde damit ermöglicht, dass die Müller mit ihren Produkten am Markt konkurrenzfähig bleiben.

Ende Juni gab es Erhöhungen zwischen 3 bis 5 Franken je 100 Kilo.
swiss granum

Bauernvertreter empört

Bauernvertreter und Bauernorganisationen zeigten sich empört. «Die Landwirtinnen und Landwirte würden beim Getreideanbau trotz steigender Preise auf dem Weltmarkt und den massiv gestiegenen Produktionskosten weniger als noch vor einem Jahr verdienen», kritisierte der Berner Bauernverband. Er forderte faire Getreiderichtpreise und dass die Mehrkosten auf die gesamte Wertschöpfungskette verteilt werden.

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) teilte mit, dass die Preisforderungen deponiert worden seien. Jedoch hätten auch die Müller ihre Preisvorstellungen kundgetan. «Letztlich befanden sich unsere Vertreter in einer unbequemen Position gegenüber einer Delegation von Verarbeitern, die keine Möglichkeit sahen, höhere Preise auf dem Mehlmarkt zu erzielen», teilte der SGPV mit. So sei einzig die Wahl geblieben, entweder dem publizierten Kompromiss zuzustimmen oder keine Richtpreise zu haben.

Junglandwirte nehmen Handel in Pflicht

Am 13. September werden nun die Richtpreise erneut verhandelt. Die Junglandwirte appellieren an die Verarbeiter und Händler, die höheren Produktionskosten zu berücksichtigen. Die Swissgranum-Beschlüsse vom 28. Juni würden dafür noch nicht ausreichen, sagt Ursin Gustin, Vizepräsident der Junglandwirtekommission und Landwirt in Donat GR, zu «Schweizer Bauer».  Er erwartet insbesondere von denjenigen Akteuren in der Wertschöpfungskette, die gleichzeitig auf verschiedenen Stufen tätig sind, dass sie sich im Vorfeld und an der Sitzung entsprechend einbringen.

Die Junglandwirte nehmen Handel und Verarbeiter in die Pflicht.
Vugar Ahmadov

Meint der Junglandwirt damit die Migros, Coop und die Fenaco? «Wir zeigen nicht auf einzelne Unternehmen. Wer aber die Möglichkeit hat, den Konsumentenpreis mitzugestalten, ist aufgerufen, diesen Spielraum so zu nutzen, dass alle in der Wertschöpfungskette ihre gestiegenen Kosten decken können», fordert er. Die Junglandwirte denken an eine Erhöhung des Produzentenpreises von 8 bis 10 Franken.

Ob das Anliegen eine Mehrheit findet in der Kommission, ist ungewiss. Verarbeiter dämpfen die Erwartungen. Der Dachverband Schweizerischer Müller (DSM) verwies kürzlich gegenüber «Foodaktuell» auf den Druck seiner Abnehmer und darauf, dass bei zu hohen Preisen der Import von Teiglingen drohe. Letztere landen etwa aufgebacken in Tankstellenshops.

Steigen die Richtpreise für Brotgetreide?
Ja, mehr als 3 Franken
31%
108
Ja, 3 Franken
16%
56
Ja, 2 Franken
12%
42
Ja, 1 Franken
12%
42
Nein, Preise bleiben unverändert
29%
103

Importkontingent um 60’000 Tonnen erhöht

Die schlechte Ernte 2021 führte dazu, dass die Lager geleert wurden. Um die Nachfrage decken zu können, wurden die Importkontingente für Brotgetreide laufend erhöht. Ende März stimmte der Bundesrat einem Antrag, das Kontingent um 40’000 Tonnen zu erhöhen, zu. Konkret wurde mit einer Änderung der Agrareinfuhrverordnung das Zollkontingent Brotgetreide erhöht: 20’000 Tonnen wurden Anfang Mai freigegeben, weitere 10’000 Tonnen folgen Anfang September und November.

Um den inländischen Bedarf an Brotgetreide abzudecken, sind laut der Getreidebranche weitere Importe nötig. Die Landesregierung sah das auch so. Der Bundesrat hat daher das Zollkontingent Brotgetreide 2022 Anfang Juni um weitere 20’000 Tonnen erhöht, davon können je 10’000 Tonnen ab Anfang September und November importiert werden. Die Änderung trat am 1. Juli 2022 in Kraft. Damit wurde in diesem Jahr das Importkontingent bis jetzt um 60’000 Tonnen erhöht.

Jedes Jahr können 70’000 Tonnen Brotgetreide innerhalb des Zollkontingents Nummer 27 zu einem tieferen Zollansatz eingeführt werden. Dieses Kontingent wieder aber nicht jedes Jahr ausgeschöpft. 2022 steigt nun die zollbegünstigte Menge auf 130’000 Tonnen. 

Der Getreideproduzentenverband rechnet vor: Pro Hektare sind die Kosten für die Produktionsmittel um 400 Franken gestiegen.
Daniel Hasler

Bauern fordern 8 Franken mehr

Die leeren Lager und die gestiegenen Kosten stützten die Forderungen der Bauern im Vorfeld der ersten Richtpreisverhandlung. Ein Lohnunternehmer rechnete im Mai dem «Schweizer Bauer» vor, dass es mindestens 8 Franken mehr auf den ausbezahlten Brotweizenpreis braucht, damit pessimistisch gerechnet überhaupt die Kosten gedeckt sind. Das sei aber das Minimum, sagte er weiter. In absoluten Zahlen heisst das, dass der Richtpreis beim Brotweizen von 52 Franken pro 100 kg auf mindestens 60 Franken steigen muss.

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) erachtete die massiv gestiegenen Produktionskosten als grösste Gefahr für die Bauern. «Bei den derzeitigen Preisen verursachen die Produktionsmittel einen Kostenanstieg von rund 400 Franken pro Hektar. Rechnet man die Strukturkosten (Gebäude, Maschinen, Löhne, Energie, Treibstoff usw.) dazu, steigen die Gesamtkosten um rund 500 Franken pro Hektar», teilte er im Juni mit. Preiserhöhungen von 8 Franken pro 100 Kilo stufte der SBPV daher als gerechtfertigt ein.

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One Response

  1. Produzentenpreis unbedingt erhöhen. So, dass die gestiegenen Produktionskosten richtig abgebildet sind. Vor einem Jahr hat der DSM eigenmächtig den Mehlpreis erhöht, mit der Begründung, höhere Energiekosten und sonst gestiegene Kosten. Folge: das Brot wurde in den Läden teurer. Kein Aufschrei! Auch nicht wegen den Teiglingimporten. Mal schön ruhig DSM.

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