Donnerstag, 8. Dezember 2022
26.09.2022 16:28
Getreidemarkt

«Detailhandel unterstützt höheren Mehlpreis nicht»

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Von: blu

Die Getreidebranche hat Mitte September die Richtpreise für Brotgetreide nachverhandelt. Dabei wurde beim Brotweizen eine Erhöhung von bis zu 1,50 Franken realisiert. Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) erachtet die Erhöhung als «akzeptierbar». Er wünscht sich von den Detailhändlern mehr Engagement.

Am 13. September traf sich die Kommission in Bern zu der Festlegung der Herbstrichtpreise. Sie einigte sich auf eine Erhöhung des Richtpreises bei der Kategorie Top und I von 1,50 Franken je 100 Kilo, bei den Kategorien von 1,00 Franken.

Swiss Granum: Bekenntnis zu Schweizer Brotgetreide

Die Herbstrichtpreise wurden bei 58.50 Fr./dt für die Klasse Top, 55.50 Fr./dt für die Klasse I und 53 Fr./dt für die Klasse II festgelegt. Keine weitere Erhöhung gibt es beim Roggen und beim Dinkel.

Der Druck auf allen Stufen entlang der Wertschöpfungskette sei unverändert hoch, teilt Swiss Granum mit. «Die Herausforderungen für jede Stufe wurden an der Sitzung dargelegt. Die gestiegenen Produktionskosten, sei es von den Produzenten, aber auch den Verarbeitern inklusive dem Absatzpotenzial, wurden erörtert», heisst es weiter.

Die Preise steigen im Vergleich zum Vorjahr zwischen 4 bis 6,50 Franken je 100 Kilo.
Screenshot Swiss Granum

«Druck auf Bauern steigt weiter»

An der Verkaufsfront stünden einheimische Produkte einer seit Jahren stetig steigende Konkurrenz von Importen gegenüber. Die Erhöhung sei im Konsens erfolgt. «Die festgelegten Herbstrichtpreise sind ein Bekenntnis zur Versorgung des Marktes mit Schweizer Brotgetreide. Die ganze Branche ist bestrebt, durch den Einsatz der Marke «Schweizer Brot» die Mehrwerte der einheimischen Produktion und Verarbeitung bis an den Verkaufspunkt zu transportieren», so Swiss Granum

Auch am Tisch bei den Nachverhandlungen sass der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV). Der Vorstand des SGPV schätzt die Situation im «aktuellen Kontext als akzeptierbar ein». «Eine Erhöhung konnte erreicht werden, aber der Druck auf die Produzenten steigt weiter an», schreibt der Verband am Montag in einer Mitteilung.

Der Detailhandel sei nicht bereit gewesen, einen höheren Mehlpreis zu bezahlen, kritisiert der SGPV.
Vugar Ahmadov

SGPV: Erwarten Engagement von Handel

Der SGPV weist darauf hin, dass die Müller und die Bauern durch den Import von Fertigprodukten unter Druck gesetzt werden. Der Verband nimmt vor allem die grossen Detailhändler in die Verantwortung. «Dieser Druck stammt von den Grossverteilern und industriellen Mehlkäufern, die die Erhöhung des Schweizer Mehlpreises nicht unterstützten», kritisiert der Getreideproduzentenverband.

Deshalb fordert der SGVP die Grossverteiler auf, sich für eine Produktion und Verarbeitung in der Schweiz einzusetzen. «Wir erwarten ein tatsächliches und echtes Engagement», schreibt der SGPV. Um die Schweizer Rohstoffe und Produktion zu stützen, sei eine obligatorische Deklaration des Produktionslandes für Backwaren zwingend notwendig. Und dies müsse rasch erfolgen.

Der SGPV weist weiter darauf hin, dass die Kosten für die Getreideproduktion weiter steigen werden. «Der Absenkpfad wird den Druck auf die Produzenten noch erhöhen», heisst es in der Mitteilung. Dieser Umstand müsse in den Preisverhandlungen für die Ernte 2023 berücksichtigt werden. Zudem sei es zwingend notwendig,  die Konsumenten über die Herkunft von Backwaren zu sensibilisieren. «Einkäufe müssen verantwortungsvoll und konsequent mit der Bevorzugung inländischer Produkte erfolgen», schreibt der SGPV.

Bauern forderten mindestens 8 Franken

Vielen Branchen haben in den vergangenen Monaten mit massiv steigenden Produktionskosten zu kämpfen, so auch die Landwirte, Müller oder Bäckereien.

Bei den Bauern sind die Preise für Dünger, Treibstoff oder Energie deutlich gestiegen. Ihre Forderungen für höhere Preise platzierten sie im «Schweizer Bauer». Ein Lohnunternehmer rechnete im Mai dem «Schweizer Bauer» vor, dass es mindestens 8 Franken mehr auf den ausbezahlten Brotweizenpreis braucht, damit pessimistisch gerechnet überhaupt die Kosten gedeckt sind. Das sei aber das Minimum, sagte er weiter. In absoluten Zahlen heisst das, dass der Richtpreis beim Brotweizen von 52 Franken pro 100 kg auf mindestens 60 Franken steigen muss. Diesen Zahlen folgten anschliessend auch mehrere Verbände und Organisationen.

3 bis 5 Franken im Juni

Bei den Preisverhandlungen von Ende Juni wurden die Erwartungen der Bauern nicht erfüllt. Die Kommission «Markt-Qualität Getreide» der Branchenorganisation Swiss Granum beschloss zwar eine Erhöhung. Die Preise stiegen aber lediglich zwischen 3 und 5 Franken. Beim Weizen Top wurde eine Erhöhung um 5 Franken vereinbart, beim Weizen I eine solche von 4 Franken und beim Weizen II und Biskuit eine von 3 Franken. Roggen und Dinkel stiegen um 4 Franken.

Die Forderungen der Produzenten

Bauernvertreter und Bauernorganisationen zeigten nach der ersten Verhandlungsrunde von Ende Juni empört. «Die Landwirtinnen und Landwirte würden beim Getreideanbau trotz steigender Preise auf dem Weltmarkt und den massiv gestiegenen Produktionskosten weniger als noch vor einem Jahr verdienen», kritisierte der Berner Bauernverband. Er forderte faire Getreiderichtpreise und dass die Mehrkosten auf die gesamte Wertschöpfungskette verteilt werden.

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) teilte mit, dass die Preisforderungen deponiert worden seien. Jedoch hätten auch die Müller ihre Preisvorstellungen kundgetan. «Letztlich befanden sich unsere Vertreter in einer unbequemen Position gegenüber einer Delegation von Verarbeitern, die keine Möglichkeit sahen, höhere Preise auf dem Mehlmarkt zu erzielen», teilte der SGPV mit. So sei einzig die Wahl geblieben, entweder dem publizierten Kompromiss zuzustimmen oder keine Richtpreise zu haben.

Im Vorfeld der Verhandlungen von Herbst appellierten die Junglandwirte an die Verarbeiter und Händler, die höheren Produktionskosten zu berücksichtigen. Die Swissgranum-Beschlüsse vom 28. Juni würden dafür noch nicht ausreichen, sagt Ursin Gustin, Vizepräsident der Junglandwirtekommission und Landwirt in Donat GR, zu «Schweizer Bauer».  Er erwartet insbesondere von denjenigen Akteuren in der Wertschöpfungskette, die gleichzeitig auf verschiedenen Stufen tätig sind, dass sie sich im Vorfeld und an der Sitzung entsprechend einbringen.

Meint der Junglandwirt damit die Migros, Coop und die Fenaco? «Wir zeigen nicht auf einzelne Unternehmen. Wer aber die Möglichkeit hat, den Konsumentenpreis mitzugestalten, ist aufgerufen, diesen Spielraum so zu nutzen, dass alle in der Wertschöpfungskette ihre gestiegenen Kosten decken können», fordert er. Die Junglandwirte denken an eine Erhöhung des Produzentenpreises von 8 bis 10 Franken.

Uniterre wiederum verlangte einen Produzentenpreis für Weizen von 100 Franken je 100 Kilo. Eine Erhöhung von 12 Franken werde benötigt, um die gestiegenen Produktionskosten auszugleichen. Dies stelle aber immer noch keine gerechte Entlohnung der Produktionsarbeit dar. «Die Arbeitsstunde des Produzenten muss mit 40 Franken kalkuliert werden, um ein Einkommen zu erzielen, die mit dem Schweizer Durchschnitt vergleichbar sind. Dies würde einem Preis für Brotweizen entsprechen, der bei 100 Fr./dt liegt», so Uniterre.

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6 Responses

  1. Bleibt zu hoffen das der Getreideproduzentenverband und Swissgranum seinen Mitarbeitern die Teuerung auch nur zu 50% ausgleicht, wenn er einen Teuerungsausgleich von 50% bei den Getreideproduzenten als akzeptabel nennt. Auch muss geprüft werden ob die Angestellten nicht den selben Stundenlohn erhalten sollen wie ihn ein Getreideproduzent erwirtschaften kann.

  2. Wunder ? Das war auch im 2. Weltkrieg so , die Bauern und vor allem die Bäuerinnen hatten vor allem die Produktion zu erhöhen. Die Abgeltung liess Jahrzehnte auf sich warten . Im Zuge der Globalisierung wurden viele Zusagen wieder gestrichen, die Bauern als Jammeri belächelt. So verflixt weing vom Brotpreis kommt beim Bauern an !

    1. Und doch, Bauern ist der schönste ; beste Beruf ! Ich freue mich auf die Weizensaat ! Das von der NASA angekündigte Daltonminimum rät allerdings zur frühen Aussaat . Es könnte trotz Erderwärmung auch noch kalte, harte Winter geben.

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