Montag, 8. August 2022
18.03.2022 16:32
Getreide

Zu wenig Brotgetreide – mehr Importe

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Von: blu/sda

Wegen der schwachen Ernte im vergangenen Jahr wird die Menge an Brotgetreide 2022 nicht für die Versorgung in der Schweiz ausreichen. Die Branchenorganisation Swiss Granum hat deshalb beantragt, die Importmenge zu erhöhen.

Aufgrund der aktualisierten Einschätzung der Marktpartner reicht die Ernte 2021 auch unter Berücksichtigung der Lager aus Vorjahren nicht aus, um die Zeit bis zur neuen Ernte in allen Getreidearten zu überbrücken, wie Swiss Granum am Freitag mitteilte. Es fehle insbesondere an Dinkel- und Bio-Brotgetreide sowie den Brotweizenklassen Top und I.

Ernte 30 Prozent tiefer

Swiss Granum

Der Bedarf an Brotgetreide in der Schweiz beträgt rund 480’000 Tonnen im Jahr. Mit der letztjährigen Ernte liege die backfähige Brotgetreidemenge rund 30 Prozent tiefer als in durchschnittlichen Jahren, hiess es. Insgesamt resultiert aus der diesjährigen Ernte eine backfähige Brotgetreidemenge von 304’079 t, das sind über 130’000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Ähnlich unterdurchschnittlich war die Erntemenge im Jahr 2016, damals wurden 313’000 Tonnen eingebracht.

Beim Brotweizen gab es ein Minus im Vergleich zum Vorjahr von 30,5 Prozent. Auch der Dinkel (- 24.5% auf 16’900 Tonnen) und insbesondere der Roggen (- 55.3% auf 4’000 Tonnen) wiesen 2021 deutlich tiefere Erntemengen aus als im 2020. Die Durchschnittserträge waren bei allen Kulturen tief. Dies führte Swiss Granum auf die aussergewöhnliche Witterung im Frühling und Sommer sowie den Hagelschlag zurück.

40’000 Tonnen

Um eine kontinuierliche Versorgung in diesem Jahr sicherzustellen und auch den Ernteübergang auf das Folgejahr zu gewährleisten, hat Swiss Granum deshalb beim Bundesamt für Landwirtschaft beantragt, das Importkontingent für dieses Jahr um 40’000 Tonnen zu erhöhen. 30’000 t Importe erfolgen im ersten Halbjahr, 10’000 t im zweiten Halbjahr. Jedes Jahr können 70’000 Tonnen Brotgetreide innerhalb des Zollkontingents Nummer 27 zu einem tieferen Zollansatz eingeführt werden. Dieses Kontingent wieder aber nicht jedes Jahr ausgeschöpft. 2022 steigt nun die zollbegünstigte Menge auf 110’000 Tonnen. 

Insbesondere bei Spezialitäten und Bio-Ware, aber auch bei Brotgetreide mit hohen Qualitätsanforderungen, zeigten sich mögliche Versorgungsengpässe, heisst es in der Mitteilung. Die kontinuierliche Beschaffung und Logistik bei den Importen sowie eine kosteneffiziente Umsetzung derselben sei zunehmend eine Herausforderung.

Steigen Richtpreise?

Diese Erhöhung des Kontingents aber stehe nicht im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, sondern mit der schwachen Ernte 2021, betonte Swiss Granum. Auch bei einer allfälligen Verschärfung des Kriegs sei die Versorgungssicherheit in der Schweiz durch die einheimischen Erntemengen und die Pflichtlager des Bundes sichergestellt.

Allerdings hat der Konflikt in der Ukraine einen Einfluss auf die Preise. Die gesamte Branche sei besorgt über die auf allen Stufen steigenden Kosten beispielsweise für Energie oder Dünger. Die Getreidepreise hätten eine Höchstmarke erreicht und die weitere Entwicklung sei aktuell nicht abschätzbar, hiess es.

Ende Juni wird die Branche die Ernterichtpreise für das einheimische Brotgetreide festlegen. Diese bilden die Grundlage für die Vermarktung der Ernte. Darüber hinaus sei Branchenorganisation nicht in die Preisfindung involviert. 

Die Richtpreise bewegen sich seit mehreren Jahren seitwärts. Seit 2014 haben sie sich nicht mehr verändert. Das mit einer Ausnahmen: 2021 wurde aufgrund der guten Nachfragesituation der Ernterichtpreis für Dinkel um 2.- auf 58 Franken pro 100 Kilo erhöht. 

Richtpreise  (CHF/dt) für Brotgetreide der Ernte 2021:

  • Weizen Top 52.00
  • Weizen I 50.00
  • Weizen II 49.00
  • Weizen Biskuit 49.00
  • Roggen 40.00
  • Dinkel 58.00

Über Swiss Granum
Swiss Granum ist die Schweizerische Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen. Sie vereint die verschiedenen Dachorganisationen der Schweizer Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Verteilung, über die verschiedenen Stufen der Verarbeitung und des Handels. Die Branchenorganisation zählt 17 Mitgliederorganisationen, welche auf vier Interessengruppen verteilt sind.

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19 Responses

  1. Ohne wenn und aber, der Produzenten Preis muss jetzt massiv Angehoben werden. Sämtliche Preise für Hilfsstoffe sind teilweise um das doppelte oder noch mehr gestiegen.
    Unsere Verbände, und Landwirtschafts Politiker müssen jetzt dafür einstehen, nur mit einem Lächeln auf den Wahlplakaten ist es nicht gemacht!

  2. nur ein vorgeschmack bei einem bioland schweiz,der grünen und linken, aber es muss nicht immer von allem dasein,sollen die konsumenten den gürten mal enger schnallen.

  3. 1985 war der Weizenpreis bei 110 Franken. Ammonsalpeter kostete damals 30 Fr. Müller Bäcker und Landwirte haben damals etwas verdient, obwohl Brot nur die hälfte kostete.

  4. Afrikanische Länder können die hohen Weizenpreise auf dem Weltmarkt nicht mehr bezahlen und werden Hunger leiden. Die CH hat mit ihrem Ökoirrsinn, Extensivierung, dazu beigetragen. Moralisch betrachtet, sollten unsere Ökofundis nun aus Solidarität mithungern.

  5. Woher wollen die Deppen in Bern denn importieren.
    In Europa macht ein Land ums andere zu und der Osten gibt uns nichts mehr, wegen der bescheueren Sanktionen gegen Russland.
    Nun ja, die Schweizer Bauern werden nicht verhungern…

    1. Sehr geehrter Ketzer

      Ich finde ihre Kommentare Geschmacklos! Ich hoffe sie leugnen nicht noch den Krieg in der Ukraine! Russland hat ein schweres Verbrechen an der Menschheit begangen und Sie sagen noch der Westen soll einfach wegschauen!? Ich finde dies ein Hohn gegenüber den Menschen in der Ukraine! Die Donbass-Region ist Ukrainisches Staatsgebiet und was da passiert ist kann man nicht mehr einfach akzeptieren!
      Übrigens steht in Crissier eine Schweizer Raffinerie. 😉

  6. Deinem Kommentar noch gibt’s Deppen überall, unter Bauern genauso wie bei Politikern oder Kommentarschreiberlingen. Sei froh, dass du nicht mit einem Kriegsopfern tauschen musst!

    1. Du bist ja unglaublich gut informiert.
      Dann weisst du bestimmt auch dass das NAZI-Regime in Kiev in den letzten 8 Jahren über 12’000 Zivilisten in der Donbas-Regiom ermordet und 3’000’000 vertrieben hat?

      Ich bin ja mal gespannt wie die Schweiz importieren will ohne Treibstoff.
      Wir sind ein Binnenland ohne Raffinerie!
      Mit dem Schiff aus Südamerika ohne Wasser im Rhein?

        1. Liebe Anne
          Es ist die Pflicht eines jeden Menschen sich richtig zu informieren(damit meine ich nicht $RF Tagesschau) damit er die besten Entscheidungen für sein Leben trifft!
          Bist du vorbereitet auf das was kommt?

  7. @Kollege
    Vielleicht wäre eine Weiterbildung in Marketing nicht schlecht für Sie! Die Schweizer Landwirtschaft wird nie und auch nicht Ansatzweise die Schweizer Bevölkerung ernähren können! Aber was die Landwirtschaft in der Schweiz kann das sind hochqualitative Lebensmittel Produzieren die weit über dem Weltmarktpreis gehandelt werden! Auch wenn die Preise für Schweizer Verhältnisse viel besser sein dürften! Seien wir froh über die Ökofundis in dieser Hinsicht!

  8. @Büschi
    In Deutschland werden gerade 1 Mio. Hektar Extensivsflächen wieder in die Produktion geholt. Könnten wir hier auch. Auf einem ha CH Ackerboden kann die 4-fache Menge als auf einem ha Afrikanischem Boden produziert werden.
    Wenn Menschen anderswo aufgrund unserer Ökodekadenz verhungern, sind Pseudoratschläge hinsichtlich Marketing nur noch peinlich

  9. Einfach nur noch beschämend, erschreckend, verstörend, viele dieser Kommentare hier…… Nicht alle, aber unwirklich, beängstigend viele…..

    Scheisse, was ist bloss aus unserer Gesellschaft geworden?

    Werden wir uns auch bald geseitig zerfleischen?

    Ganz ehrlich, ich weiss nicht, wie ich reagieren würde, wenn mir gewisse „Meinungen“ von hier mündlich, Auge in Auge, vorgetragen würden…

    Ratlosigkeit? Wut? Hoffnungslosigkeit? Hass? Gewalt?

    Und schon haben wir die Abwärtspirale…..

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