Montag, 27. Juni 2022
29.04.2021 14:56
Zucker

Zucker bringt 180 Millionen Wertschöpfung

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu/sda

Die Zuckerproduktion der Schweiz deckt rund 70 Prozent des einheimischen Verbrauchs. Sie bringt eine Wertschöpfung von 180 Millionen Franken. Zwei Drittel davon fallen in den Regionen bei den Produktionsstandorten Aarberg BE und Frauenfeld TG an.

Die Schweizer Zucker AG (SZU) verarbeitet als einziges Unternehmen Zuckerrüben in der Schweiz, wie die Fabrikstandorte Aarberg und Frauenfeld am Donnerstag mitteilten. Sie liessen eine Studie über die Wertschöpfung der beiden Zuckerfabriken erstellen. Diese stellten sie am Donnerstag an den beiden Standorten vor.

240’000 Tonnen Zucker

Die beiden Standorte produzierten in der Zuckerrübenkampagne 2019 je 120’000 Tonnen Zucker. Das erbrachte ihnen und den Nebenbetrieben einen Gesamtumsatz von 263,2 Millionen Franken. Die Lebensmittelindustrie ist wegen der Swissness-Vorschriften auf den heimischen Zucker angewiesen.

Gemäss der Studie machen die zwei Produktionsstandorte Sinn. Zuckerrüben aus der Ostschweiz nach Aarberg zu transportieren wäre ineffizient, teuer und ökologisch bedenklich. Für Aarberg und Frauenfeld kommt die Studie auf eine Bruttowertschöpfung von je 22,1 Millionen Franken. Mit Vorleistungen und Investitionen ergibt sich in Aarberg und Region eine fast dreifache Wertschöpfung von 60 Millionen Franken. In Frauenfeld fällt sie mit 54 Millionen etwas geringer aus.

Abnehmer Schweizer Zucker

Gemäss der Studie ist die Schweizer Getränkeindustrie der grösste Abnehmer (rund 22%) von Schweizer Zucker, gefolgt von der Schweizer Nahrungsmittelindustrie (rund 20%), worunter unter anderem Schokoladen- und Süsswarenproduzenten, Milchverarbeiter und Abnehmer im Bereich Backwaren fallen. Im Handel mit Dritten, die Zucker und Erde ankaufen und verkaufen, werden rund 19 Prozent des Umsatzes generiert. Durch die Produkte, die im Detailhandel und im Grosshandel verkauft werden, werden rund 18 respektive 8 Prozent des Gesamtertrags erwirtschaftet. Rübenschnitzel (Pressschnitzel, Trockenschnitzel, Schnitzelballen) und Melasse, die in der Futtermittelindustrie – und letzteres auch zur Herstellung von Hefe – verwendet werden, sind mit rund 9 Prozent und 4 Prozent ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Umsatzes. Exportiert wird lediglich Bio-Zucker (rund 2%).

Wichtiger Arbeitgeber

Für die Zucker AG arbeiten 424 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 304 Vollzeitstellen, 217 in Aarberg und 197 in Frauenfeld. Ihre Bruttolöhne betrugen im Zuckerjahr 2019/2020 23,6 Millionen Franken, ein wichtiger Beitrag zur Konsumnachfrage in den beiden Regionen. Hinzu kamen weitere mit der Zuckerproduktion verbundene Arbeitsplätze.

Von der gesamten mit der Zuckerproduktion verbundenen Wertschöpfung von 180.1 Mio. CHF fallen somit rund 33 % (60 Mio. CHF) in der Region Aarberg und 30 % (53.7 Mio. CHF) in Frauenfeld an.
zvg

Für die Standortgemeinden ist die Schweizer Zucker AG gemäss Studie auch als Steuerzahler von Bedeutung. Einerseits geht es hier um Steuern und Abgaben der SZU selbst. Andererseits aber auch um die Einkommenssteuer, welche von den bei der SZU beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezahlt wird. Im Geschäftsjahr 19/20 zahlte Schweizer Zucker Steuern in der Höhe von 1.5 Mio. Franken in den Regionen Aarberg und Frauenfeld. Insgesamt dürften die mit der Zuckerproduktion verbundenen Steuereinnahmen in Aarberg etwa 3 Mio. Franken und Frauenfeld etwa 1.5 Mio. Franken betragen.

Die Schweizer Zucker AG schloss 2019/2020 mit einem Verlust von 100’000 Franken. Sie verarbeitete 1,66 Millionen Tonnen Zuckerrüben. Der Zuckerrübenanbau verlagert sich zusehends in die Romandie. Zürcher und Thurgauer Bauern stiegen immer mehr auf Karotten und Zwiebeln um, die wegen der nahen Grenze und des Grenzschutzes mehr einbringen.

Zuckerrüben in der Sondersession

Vom 3. bis zum 5. Mai kommt der Nationalrat zu einer Sondersession zusammen. Diskutiert wird unter anderem über den Zuckerpreis. So wird über die Fortführung des Grenzschutzes und über die Höhe des Einzelkulturbeitrages debattiert. 

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats schlägt vor, den Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben, die gemäss ökologischem Leistungsnachweis angebaut werden, auf 1500 Franken pro Hektare und Jahr zu kürzen. Im Gegenzug soll es für biologisch angebaute Zuckerrüben einen Zuschlag von 700 Franken und für fungizid- und insektizidfrei angebaute Zuckerrüben 500 Franken pro Hektare und Jahr geben.

Die Minderheit will den aktuellen Betrag von 2100 Franken pro Hektare und Jahr beibehalten und sieht für biologisch oder nach IP-Richtlinien angebaute Zuckerrüben einen Zuschlag von 200 Franken vor.

Schweizer Zucker befürchtet, dass bei einer Kürzung des Einzelkulturbeitrags die Anbauflächen weiter zurückgehen.
Jonas Ingold

Schweizer Zucker befürchtet Fabrikschliessungen

Für die Schweizer Zucker AG, die die Zuckerfabriken in Aarberg BE und Frauenfeld TG betreibt, ist der Entscheid der WAK ein «fatales Zeichen». Dass der Grenzschutz verankert werden soll, wird begrüsst. Die Kürzung des Einzelkulturbeitrages für konventionelle Zuckerrüben gefährde die landeseigene Versorgung mit Zucker.

Das Unternehmen befürchtet, dass bei einer Kürzung in absehbarer Zeit viele Bauern aus dem Zuckerrübenanbau aussteigen. Diese führe dazu, dass die Rübenmengen sinken.  Für eine effiziente Zuckerproduktion wären die Mengen zu tief. Die Förderung von IP-Suisse- und Bio-Rüben wird zwar begrüsst. Diese könnten den Rückgang bei den konventionellen Zuckerrüben nicht kompensieren.

«Der Rückgang führt zur Schliessung einer der beiden Zuckerfabriken», warnt Schweizer Zucker. Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) zeige auf, dass die Wirtschaftlichkeit mit dem Betrieb von lediglich einer Fabrik nicht mehr gegeben ist. Das würde dazu führen, dass die Zuckerproduktion in der Schweiz eingestellt werden müsste. 300 Mitarbeitende, davon 30 Lernende, würden ihren Job verlieren.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

«Leider bleibe die gesamte Strategie sehr schwammig und unscharf», so WWF. - zVgHeute hat der Bundesrat den mit der Sistierung der AP22+ eingeforderten Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik veröffentlicht.…

Politik & Wirtschaft

Die Agrarallianz vereinigt Organisationen aus den Bereichen Konsumenten, Umwelt und Tierwohl sowie Landwirtschaft. - Reto Blunier Der vom Bundesrat heute veröffentlichte Bericht zeigt deutlich: die Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft…

Politik & Wirtschaft

Der Bericht des Bundesrates verfolge damit die gleiche Stossrichtung wie die SAB. - zvg Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) nimmt den heute vom Bundesrat vorgestellten Postulatsberichts zur Weiterentwicklung…

Politik & Wirtschaft

Moderne Meliorationen, wie die vor wenigen Jahren abgeschlossene komplexe Güterregulierung in der Gemeinde Schupfart, tragen im Aargau zur Strukturverbesserung der Landwirtschaft bei. - Hans-Peter Widmer Die regelmässigen Investitionen in landwirtschaftliche…

2 Responses

  1. Mit Annahme der Agrarinitiativen spielt der Einzelkulturbeitrag kaum mehr eine Rolle. Denen, die bereits ausgestiegen sind und sich über die Importe von mit hier verbotenen Pflanzenschutzmitteln geärgert haben, werden viele folgen. Zum Glück wächst auch anderes auf den Äckern und im Ausland aufgeladen, spielts auch gleich keine Rolle wie produziert.

  2. 1. Landesversorgung
    Wenn schon von subventionierter Landesversorgung gesprochen wird, muss auch der Bedarf betrachtet werden. Dabei kann nicht auf den momentanen, ungesund hohen Zuckerkonsum zurückgegriffen werden. Die WHO empfiehlt nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Person/Tag. Jenseits davon wirds ungesund, weniger ist besser. Bei 8.5 Mio Schweizer-innen kommen wir somit auf 155’000 Tonnen. In einer Krise, wenn alles knapp wird, kann das auch gut auf 100’000 Tonnen herunter geschraubt und dafür mehr Weizen/Kartoffel etc. produziert werden.
    2. Wertschöpfung
    Bei 18’000 Hektar Zuckerrüben und 2100 CHF Subventionen pro Hektar (Total: 37,8 Mio CHF) ist es fraglich, ob die 23,6 Mio CHF Bruttolöhne oder die 4,5 Mio CHF Steuereinnahmen wirklich als Pro-Argumente aufgeführt werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE