Freitag, 24. September 2021
31.12.2020 06:40
Deutschland

Butter-Zoff: Bauern beenden vorerst Blockade

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Von: blu

In Deutschland sind Bauern über das Verhalten der Detailhändler massiv verärgert. Deshalb haben sie in den vergangenen Wochen mehrmals Verteilzentralen blockiert. Nach Zusagen des Discounters Aldi zogen die Bauern vorerst ab.

Die Bauern sind mächtig sauer. Seit Anfang Dezember kommt es vor den Verteilzentralen von Aldi, Lidl, Edeka und Rewe immer wieder zu Aktionen. So blockierten Bauern Zufahrten.

«Landwirtschaft wird an die Wand gefahren»

Der Protest richtet sich gegen die Preisgestaltung der Detailhändler. Die Landwirte werfen den vier grossen Ketten vor, ihre Marktmacht auszunutzen. Die Landwirtschaft in Deutschland werde gegen die Wand gefahren, kritisieren die Landwirte. Sie fordern schon seit längerem mehr Geld für Milch und Fleisch.

Die Proteste zeigten Wirkung. Die Händler versprachen, sich mit den Bauern an einen Tisch zu setzen, um Lösungen zu finden. Rewe und Lidl gaben Mitte Dezember bekannt, die Produzentenpreise für Schweinefleisch auf das Vor-Corona-Niveau zu erhöhen.

Bauern befürchten noch tiefere Preise

Doch der «Frieden» dauerte nicht lange an. Die Ankündigung von Aldi, die Butterpreise senken zu wollen, sorgte für erneute Proteste. Laut Branchenkennern wollte Aldi Nord den Preis für Butter um bis zu 60 Cent/kg senken. Üblich sei zum Jahresende eine Senkung von 10 bis 20 Cent, sagte Anthony Lee von der Bauernbewegung «Land schafft Verbindung» (LsV) Niedersachsen zu «agrarheute».

Die Landwirte befürchten noch tiefere Preise für die Milch. Deshalb blockierten sie mit ihren Traktoren die Zufahrtsstrassen zu Verteilzentralen von Aldi in Norddeutschland. Auch wurde vor einer Filiale des Discounters Mist ausgekippt. «Bei einer tiergerechten Haltung sollte der Preis pro Liter Milch mindestens bei 38 Cent (41,2 Rp.) liegen», sagte Carsten Bargmann, Geschäftsführer des Bauernverbandes Hamburg, zur «Hamburger Morgenpost». Derzeit erhalten die Landwirte aber nur rund 30 Cent (32,5 Rp.). Die Bauern wollen, dass Preiserhöhungen künftig auch bei den Bauern ankommen und nicht beim Zwischenhandel versickern.

Unbekannte haben vor einer Aldi-Filiale rund 10 Tonnen Mist deponiert.
Polizeiinspektion Stade

Aldi: Kein Verständnis für Proteste

Aldi hingegen wies den Vorwurf zurück, die Butterpreise «drücken» zu wollen. Die derzeitige Situation der Butterpreise entspreche saisonal bedingten Marktschwankungen. Der Discounter zeigte «kein Verständnis für radikale Bauernproteste gegen den Einzelhandel».

Die Detailhändler ernten nun jedoch auch Kritik von der Politik. «Mit 85 Prozent Marktanteil sind Edeka, Rewe, Lidl und Aldi so mächtig, dass sie Bedingungen und Preise diktieren können. Und sie tun es gnadenlos», sagen die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, und der agrarpolitische Sprecher Albert Stegemann.

Discounter lenkten doch noch ein

Die Aktionen der Bauern haben ihre Wirkung nicht verfehlt, erste Ergebnisse wurden am Mittwoch kommuniziert. «Land schafft Verbindung» einigte sich in der Nacht zu Mittwoch mit der Lidl-Führungsebene auf Gespräche bis zum 11. Januar.

Auch Aldi bestätigte Gespräche. Der Discounter will «kurzfristig weitere Massnahmen zur Verbesserung der Situation der deutschen Landwirtschaft umsetzen», teilte ein Aldi-Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Ankündigung von Aldi, die Preise für Butter zu senken, verärgerte die Bauern. Sie befürchten noch tiefere Milchpreise.
pixabay

Aldi will Bauern mehr Planungssicherheit geben

Konkret wollen Aldi Nord und Aldi Süd ihre konventionelle und Bio-Frischmilch künftig nur noch von deutschen Bauern beziehen. Zugleich will sich die Detailhändlerin für langfristige Verträge einsetzen, um deutschen Landwirten eine bessere Planungssicherheit zu geben. Doch Aldi gibt zu bedenken, dass das Unternehmen die vielen strukturellen Herausforderungen der deutschen Landwirtschaft nicht alleine lösen könne. Deshalb müssten alle Beteiligten der Wertschöpfungskette mit einbezogen werden.

Bei den für den 11. Januar geplanten Gesprächen sollen deshalb das deutsche Agrarministerium, die Detailhändler Rewe, Aldi, Lidl und Edeka, die Bauern sowie die verarbeitenden Betriebe, also Molkereien und Schlachtbetriebe, dabei sein.

Bauern bleiben skeptisch

Doch die Bauern trauen den Zusicherungen der Detailhändler noch nicht ganz. Und sind nicht sicher, ob die Proteste erfolgreich waren.  «Ich bin überhaupt nicht sicher und bleibe gegenüber Aldi & Co. extrem skeptisch – die bereichern sich auf Kosten der Bauern», sagte Anthony Lee von der Bauernbewegung «Land schafft Verbindung» (LsV), zum «Spiegel».

So sei der Umsatz mit Milchprodukten 2020 deutlich gestiegen und der Milchpreis am Weltmarkt habe sich erhöht. «Aber bei den Landwirten kam nichts davon an. Die legen jetzt jeden Tag Geld drauf, egal, ob sie nun Schweine mästen oder Milch erzeugen», machte Lee deutlich.

Bauern sollen Angebot bündeln

Lee ist bleibt weiter kritisch, ob der Detailhandel nun tatsächlich faire Preise bezahlen wird: «Viele Landwirte haben nichts mehr zu verlieren. Sie werden wieder losfahren, wenn sie erneut verschaukelt werden.» Einen Lösungsansatz, die Situation der Milchbauern zu verbessern, sieht er in der Bündelung der Milch durch die Landwirte und in einer Stärkung der Produzentengemeinschaften.

Die Bauern sollen ihr Angebot bündeln können, fordert Anthony Lee von der Bauernbewegung «Land schafft Verbindung».
Stephan Jaun-Pfander
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One Response

  1. Wert euch, den auf der ganzen Welt werden die Lebensmittel nicht mehr geschätzt. Sie verkennen unsere Leistung, dass etwas auf den Teller zu liegen kommt.

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