Sonntag, 29. Januar 2023
07.12.2022 10:15
Graubünden

Beverin-Rudel: Der Leitrüde ist tot

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Von: blu

Wildhüter haben Anfang November nach Schafsrissen im Safiental GR einen Wolfsrüden des Beverinrudels erlegt. Wie die genetische Identifikation des Tieres nun zeigt, handelte es sich um das besonders schadenstiftende Vatertier des Rudels.

Der Abschuss des Rüden erfolgte in der Nacht vom 9. auf den 10. November 2022 nahe der Örtlichkeit Tenna GR. Dort hatte es zuvor einen Angriff auf Schafe gegeben. In der Nacht vor dem Abschuss habe das Rudel drei Schafe im Safiental gerissen. Einen Monat zuvor seien es 19 Schafe gewesen, sagte Arno Puorger vom Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden damals auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Organisation des Rudels unverändert

Nach dem Abschuss war unklar, ob es sich beim 35 Kilogramm schweren Wolf um den zum Abschuss freigegebenen Leitwolf (M92) des Rudels handelte. Das Tier wurde in der Folge vom Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit der Universität Bern pathologisch untersucht und am Laboratoire de biologie de la conservation der Universität Lausanne genetisch identifiziert.

Die genetische Identifikation des Tieres hat ergeben, dass es sich beim toten Wolf um M92, das besonders schadenstiftende Vatertier des Rudels, handelte. Aus dem Monitoring ergeben sich bis heute keine Hinweise darauf, dass sich die soziale Organisation des Rudels dadurch verändert hat. «So konnte beispielsweise zehn Tage nach dem Abschuss des Leitrüden mittels Fotofalle belegt werden, dass ein adulter Wolf, mutmasslich das weibliche Elterntier F37, und sechs diesjährige Welpen am Schamserberg gemeinsam unterwegs waren», teilt der Kanton Graubünden am Mittwoch mit.

Das Rudel wird nun weiter überwacht. Nach Möglichkeit wird im Verlauf des Winters oder des kommenden Frühlings ein Wolf des Rudels mit einem GPS-Sender versehen.

Falscher Wolf erlegt

Am 9. Oktober ist in der Gemeinde Rheinwald durch die kantonale Wildhut ein Wolf aus dem Moesolarudel erlegt worden. Die genetische Untersuchung habe nun aber ergeben, dass es sich dabei anstelle eines Jungwolfs um den Leitrüden des Rudels gehandelt habe, heisst es in der Mitteilung. Dies sei von der Bewilligung des BAFU nicht abgedeckt gewesen.

Die Wildhut habe den Abschuss «trotz sorgfältigen Vorgehens in rechtskonformer Absicht» getätigt. Der Wolf sei anhand des Verhaltens und seiner Grösse als Jungwolf eingeordnet und erlegt worden, als das Tier in Begleitung eines weiteren Wolfs zu einem am Vortag gerissenen Schaf zurückgekehrt sei. Welche Auswirkung der Abschuss des Leitrüden auf das Moesolarudel haben werde, sei nicht voraussehbar. sda

Mutterkühe gerissen

In den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren kam es wieder zu Angriffen des Rudels auf Nutztiere. Das Fass zum Überlaufen brachte der Angriff auf zwei Mutterkühe von Mitte Juli. Der erste Angriff ereignete sich am 9. Juli auf der Alp Nurdagn am Schamserberg. Die siebenjährige Kuh befand sich nach Angaben der kantonalen Behörden zusammen mit weiteren Artgenossen innerhalb eines eingezäunten Areals.

Dieser Zaun gilt nicht als Herdenschutzmassnahme. Bei grösseren Nutztieren seien keine solche Vorkehrungen mehr vorgesehen, teile der Kanton weiter mit. Der Fundort des toten Nutztieres lag im Streifgebiet des Beverin-Rudels. Der Angriff sei eine «absolut neue Dimension», sagte der Amtsleiter für Jagd und Fischerei, Adrian Arquint, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die zuständige Behörde des Kantons äusserte sich besorgt. Die Tötung einer ausgewachsenen Mutterkuh entspreche im Vergleich zu Schäden bei Schafen und Ziegen einer weiteren, neuen und schwerer wiegenden «Eingriffstiefe».

Im Gebiet des Schamserberg GR wurde im Sommer eine ausgewachsene und vitale Mutterkuh von dem berüchtigten Beverin-Wolfsrudel angefallen. Der zweite Wolfsangriff erfolgte auch der Alp Nera – direkt neben der Alp auf der die erste Kuh gerissen wurde.
zvg

Kuh notgetötet

Nur wenige Tage später, am 13. Juli, wurde am Schamserberg erneut eine Mutterkuh angegriffen. Das betroffene Tier befand sich auf einer Weide auf der Alp Nera, wie Radio «FM1» am Donnerstagabend berichtete. Der Hirt bemerkte den Vorfall. Drei Wölfe seien noch um die verletzte Mutterkuh gestanden, sagte Adrian Arquint gegenüber dem Radiosender.

Für die schwer verletzte Mutterkuh gab es keine Rettung mehr. Sie wurde durch einen Tierarzt notgetötet, wie Arquint weiter sagte. Das Verhalten der Wölfe bereitet ihm grosse Sorgen. «Ein solches Verhalten haben wir letztes Jahr beispielsweise im Kanton Waadt und auch im Ausland beobachtet aber nicht bei uns», so Arquint weiter. 

Wolfs-Notstand erklären

Alarmiert über die Angriffe zeigten sich der Bündner Bauernverband und der Bündner ÄlplerInnen Verein. In einer gemeinsamen Mitteilung machten sie sich grosse Sorgen um die Sicherheit des Alp-Personals. Viele Älplerinnen und Älpler könnten ihre harte Arbeit «nur noch unter grosser Anspannung» verrichten, schrieben sie.

Das Beverin-Wolfsrudel sei nebst dem Riss der Mutterkühe auch durch Risse zahlreicher geschützter Schafe aufgefallen. Bauernverband und ÄlplerInnenverein fordern von Bund und Kanton nun, unverzüglich einen «Wolfs-Notstand» zu erklären. Sie erhoffen sich davon neue Möglichkeiten «der Problematik rasch zu begegnen».

Naturschutzorganisation für Abschuss

Auch Naturschutzorganisationen forderten wenige Tage nach den zwei Angriffen auf Kühe die Dezimierung des Problemrudels. Das Beverinrudel trete als besonders schadensstiftend in Erscheinung, schrieben die Naturschutzorganisationen WWF, Pro Natura und die Gruppe Wolf Schweiz in einer gemeinsamen Mitteilung.

Deshalb würden die Organisationen «rasches und zielgerichtetes Handeln durch Abschüsse von Jungwölfen unterstützten», hiess es weiter. Auch ein Abschuss des Leitwolfes des Beverinrudels werde befürwortet. Es sei offensichtlich, dass sich sein Verhalten nicht mehr ändern lasse. Hingegen sprechen sich die Organisationen gegen die Tötung des ganzen Rudels aus. Dies sei rechtlich nicht zulässig.

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